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Sanwalds Kampf um den Radsport

Schaffer vom TSV Schmiden veranstalten das zehnte Mal den Rems-Murr-Pokal und lassen bei der Etappe in Backnang etwas Dampf ab

„Wir machen das für den Radsport.“ Die Ansage von Marc Sanwald ist klar. Er und seine Mitstreiter vom TSV Schmiden freuen sich, wenn ihre Arbeit anerkannt wird. Wenn nicht, dann ärgern sie sich – und schaffen trotzdem weiter. Wie schon seit vielen Jahren. Im Rennen um den Rems-Murr-Pokal ist Backnang nunmehr schon das zehnte Mal eine von drei Etappen.

Der Weissacher Daniel Aspacher (vorne) war als einziger Lokalmatador dabei, als das Elitefeld des Rems-Murr-Pokals in Backnang vom Schillerplatz runter in die Grabenstraße brauste. Fotos: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Der Weissacher Daniel Aspacher (vorne) war als einziger Lokalmatador dabei, als das Elitefeld des Rems-Murr-Pokals in Backnang vom Schillerplatz runter in die Grabenstraße brauste. Fotos: A. Becher

Von Uwe Flegel

Der gebürtige Backnanger Marc Sanwald und sein Team sind stolz auf ihre Veranstaltung. Dürfen sie auch. Immerhin kurbelten heutige Szenestars wie der Vierte der Tour de France Emanuel Buchmann (Ravensburg) und der nächste deutsche Sprinterstar Pascal Ackermann (Kandel) sowie eine Nachwuchshoffnung wie Jannik Steimle (Weilheim an der Teck), der gerade eben einen Vertrag beim UCI ProTeam Quick-Step erhalten hat, beim Dreietappenrennen durch die Innenstädte von Schorndorf und Backnang oder den Fellbacher Kappelberg hinauf. Damit solche Sportler in ihren jungen Jahren anspruchsvolle Wettkämpfe in ihrer süddeutschen Heimat haben, dafür „hauen 40 Leute ehrenamtlich ihre Freizeit mehrere Tage auf den Kopf“, sagt Sanwald.

Dass die Zuschauerresonanz in Backnang einmal mehr nicht optimal ist, nimmt er zur Kenntnis und hakt es gleich wieder ab. Wie gesagt: Den Machern geht es um ihren Sport. Wobei er auch sagt: „Natürlich bin ich froh, wenn möglichst viele Zuschauer kommen, aber wenn ich es mit der Resonanz vergleiche, die hier der City-Triathlon genießt, dann sind wir diesmal durchaus zufrieden.“

Was die Schaffer aus Schmiden mehr stört, das sind Sportler, die über die Strecken meckern. In Backnang zum Beispiel nerven offenbar nicht nur Autofahrer die vielen Baustellen. Auch der eine oder andere Radrennfahrer hatte keine Lust, wie schon in den vergangenen zwei, drei Jahren an offenen Gräben, Baggern sowie sonstigem Baubegleitmaterial vorbei und gleichzeitig dadurch vermehrt auftretende Spitzkehren sowie scharfe Kurven bewältigen zu müssen. Sanwald erzählt: „Im Vorfeld haben einige versucht, unsere Strecken schlechtzumachen.“ Namen nennt er keine, das tue nichts zur Sache. Er kann das Gemecker jedenfalls nicht verstehen. Das Wichtigste sei doch, dass Radsport betrieben werde. Entsprechend enttäuscht sagt er: „Wenn es andere besser können, dann sollen sie selbst Rennen veranstalten. Solche Leute musst du erst mal finden, die sich so engagieren.“

Bei seinen Worten hören Jonas Tenbruck, Lukas End und Felix Intra, die in Backnang beim Eliterennen auf den ersten drei Plätzen landeten, aufmerksam zu und nicken zustimmend. Tagessieger Tenbruck zum Beispiel nennt die 1,2 Kilometer lange Runde durch die Murr-Metropole einen „schönen Innenstadtkurs“. Wobei er auch sagt, dass es die Marktstraße hoch anstrengend sei und man danach hoch konzentriert sein muss, wenn es erst um den Schillerplatz rum und die Eduard-Breuninger-Straße runter geht. Die Kurven sind eng und die Geschwindigkeit bergab ist hoch. Mental sei der Kurs durch Backnang jedenfalls fordernd, erklärt Tenbruck. Er weiß, dass er die Aufgabe als Tagessieger, der damit gleichzeitig ins gelbe Trikot des Führenden der Gesamtwertung fuhr und dies gestern in Fellbach auch verteidigte, gut gelöst hat. Vielleicht weil er in den etwas mehr als eineinhalb Stunden besonders motiviert war: „Vergangenes Jahr bin ich Zweiter geworden.“ Diesmal sollte es einen Platz besser sein und war es auch.

Von den Lokalmatadoren ist im Elitefeld dieses Jahr nur Daniel Aspacher dabei. Der Weissacher ist eigentlich Mountainbiker und dort erfolgreicher Marathonspezialist. Den Rems-Murr-Pokal nutzt der 34-Jährige, um sich auf seinem neuen Rennrad zu versuchen und gleichzeitig für seine eigentliche Sportart Tempoverschärfungen zu trainieren. Dafür eigne sich der Backnanger Kurs sehr gut, sei das Profil doch den Mountainbikekursen durchaus ähnlich. Zudem erzählt der Routinier vom RSV Unterweissach: „Das ist ein Rennen direkt vor der Haustür, da wollte ich schon immer mal mitfahren.“ Dass der Kurs seine Tücken hat, weiß er, dürfte vom Mountainbike aber noch andere Herausforderungen gewohnt sein. Dennoch kam er zu Fall, als ein vor ihm fahrender Kontrahent stürzte und er nicht mehr rechtzeitig genug bremsen konnte. Während Aspacher ohne größeren Kratzer an Körper und Rad davonkam, sei der andere nicht ohne Abschürfungen davongekommen, weiß der Weissacher. Was dem Sportler aus dem Täle, der beim wegen eines Wolkenbruchs abgebrochenen Rennen in Schorndorf wie in Backnang in die Punkteränge fuhr, sonst noch aufgefallen ist: „Zuschauerfreundlicher als der Kurs in Backnang geht es eigentlich nicht.“

Erfreute sich an den Leistungen der Sportler, machte gegenüber Kritikern aber auch eine deutliche Ansage: Marc Sanwald, einer der Köpfe des Organisationsteams vom TSV Schmiden.

© Sportfotografie Alexander Becher

Erfreute sich an den Leistungen der Sportler, machte gegenüber Kritikern aber auch eine deutliche Ansage: Marc Sanwald, einer der Köpfe des Organisationsteams vom TSV Schmiden.

Info
Jonas Tenbruck jubelt

Gesamtsieger beim zehnten Rems-Murr-Pokal wurde Jonas Tenbruck vom Team Belle Stahlbau aus Südbaden. Dank dem Tagessieg gestern in Fellbach kam Michel Gießelmann (Team Sauerland) vor Lukas End (RSV Haslach). Mountainbikespezialist Daniel Aspacher belegte in der Gesamtwertung am Ende Rang 23.

Die Sprintwertung des Rems-Murr-Pokals gewann Martin Bauer (Team Köstritzer). In der Bergwertung lag Felix Intra (Team Sauerland) vorne. Das Team Sauerland gewann auch die Mannschaftswertung.

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Erstellt:
5. August 2019, 16:00 Uhr

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