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Schwierige Suche nach Alternativen

Wegen ungeduldiger Autofahrer an der Ein- und Ausfahrt der Parkhäuser prüfen die Silvesterlaufmacher neue Streckenvarianten

„Es wird schwierig, eine neue Strecke zu finden, aber wir wollen es zumindest prüfen“, sagt Georg Beïs. Dass sich der Organisationschef des Backnanger Silvesterlaufs mit seinem Team überhaupt mit alternativen Routen beschäftigt, hat nur einen Grund: In den gut zwei Stunden, in denen die Sportler unterwegs sind, ist die Zu- und Abfahrt in die und aus den großen Parkhäusern in der Talstraße erschwert und die Geduld der Wartenden offenkundig stark begrenzt.

Die Spitzkehre an der Sulzbacher Brücke ist schon beim bisherigen Silvesterlaufkurs eine Engstelle, das könnte sich bei einer der alternativen Optionen sogar noch verschärfen. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Die Spitzkehre an der Sulzbacher Brücke ist schon beim bisherigen Silvesterlaufkurs eine Engstelle, das könnte sich bei einer der alternativen Optionen sogar noch verschärfen. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Weil der Läuferstrom immer wieder nur für kurze Zeit abbrach und sich die Parkhauszufahrt und die Parkhausabfahrt entsprechend stockend gestaltete, kam es beim Rennen am 31. Dezember 2019 zu Rückstaus. Offenbar strapazierte dies die Nervenkostüme einiger Autofahrer derart, dass sie sehr ungehalten reagierten. Ihren Frust luden sie bei den THW-Helfern ab, die an den neuralgischen Stellen postiert waren und den Weg nur frei machten, sobald sich ausreichende Lücken im Läuferfeld auftaten. „Sie wurden massiv angegangen“, erzählt Rolf Hettich, der den Silvesterlauf jahrelang federführend organisierte und weiter zu den Machern gehört. Von „sehr starkem Unmut und wenig Verständnis“ berichtet auch Georg Beïs, das Thema kam deshalb in den Nachbesprechungen mit dem städtischen Bauhof auf den Tisch. Das Ergebnis: „Wir prüfen, ob es alternative Strecken gibt, die vielleicht sogar leichter abzusperren sind.“

Allzu optimistisch sind die Veranstalter nicht, wenngleich bereits die eine oder andere Idee entwickelt wurde. Rolf Hettich kündigt an, sie allesamt persönlich einem Eignungscheck zu unterziehen. „Eine Variante habe ich mit meinem Lauftreff bereits getestet.“ Sie sieht vor, dass sich vom Start am Rathaus bis kurz vor der Aspacher Brücke nichts ändern würde, danach allerdings einiges. Es käme zu einer Spitzkehre von der Eduard-Breuninger-Straße in die Schillerstraße und von dort ginge es nach links in die Grabenstraße, in der sich die Sportler auf getrennten Spuren begegnen würden. Nach einem Abstecher durch den Biegel, der beim Fritz-Munz-Weg beginnen und über den Rotgerberweg hinter dem städtischen Verwaltungsgebäude auf die Sulzbacher Brücke führen würde, ginge es wie gehabt über die Bleichwiese und nach einem zusätzlichen Schlenker durch den Annonaygarten auf gewohnter Route zurück zum Rathaus. Von allen bislang erarbeiteten Alternativen sei das noch „die sinnvollste“, meint Rolf Hettich, der hier als wohl größtes Problem die Engstelle an der Sulzbacher Brücke ausgemacht hat: Dort würde es zu drei statt bislang zwei Schnittpunkten des Kurses kommen.

Die Überlegung, den Stiftshof einzubeziehen, habe auch ihren Reiz, „aber dann würde es noch bergiger“. Für Einsteiger, die bereits ihre liebe Mühe mit der Marktstraße haben, klingt das nach einer bösen Drohung. Das wichtigste Ziel sei es, weiterhin eine im Hauptlauf insgesamt viermal zu bewältigende 2,5-Kilometer-Runde zu haben, „weil es für den Mini-Marathon nicht mehr sein sollte und weil es zum 5-Kilometer-Lauf passt“, erklärt Hettich. Nur so kann es dabei bleiben, dass alle Wettbewerbe abgesehen vom Bambini-Rennen am Rathaus starten und enden. „Wir wollen eine gute Lösung für alle finden“, sagt der erfahrene Silvesterlauf-Mitbegründer, „aber am schönsten wäre es schon, wenn wir bei der bewährten Strecke bleiben könnten“. Das sehe er ebenfalls so, pflichtet Georg Beïs bei, doch dafür müssten die Autofahrer im Bereich der Parkhäuser etwas mehr Geduld zeigen.

Kommentar
Es muss beim bewährten Kurs bleiben

Von Steffen Grün

Ohne jeden Zweifel zählt der Silvesterlauf zu den beliebtesten Veranstaltungen im Backnanger Jahreskalender. Die Läufer aus der Stadt und der Region zieht es in Heerscharen in das Herz der Murr-Metropole. Die Zuschauer strömen in Massen an die Strecke in der Innenstadt, vor allem im Start- und Zielbereich in der Marktstraße herrscht am Nachmittag des 31. Dezember fast Volksfeststimmung.

Dazu, dass dieses beliebte Rennen Jahr für Jahr über die Bühne gehen kann, leisten viele Ehrenamtliche einen wertvollen Beitrag, sie investieren viele Stunden ihrer kostbaren Freizeit. Umso mehr ehrt es sie, dass sie wegen ein paar ungeduldiger Autofahrer sogar versuchen, eine Alternative zu der 2,5 Kilometer langen Runde zu finden, obwohl sich die schon seit 2006 bewährt hat. Es wäre ihnen aber zu wünschen, dass sie diese Bemühungen schnell wieder einstellen können und alles beim Alten bleibt. Dazu braucht es die Rückendeckung von den Stadtverantwortlichen, die sich im Klaren darüber sein sollten, dass der Silvesterlauf ein Aushängeschild für Backnang ist und sie deshalb nicht auf einzelne lautstarke Klagen hören sollten.

Wer mit seinem Auto unbedingt in den gut zwei Stunden, in denen die Läufer unterwegs sind, ins Parkhaus rein- oder rauswill, muss eben eine unbestimmte Wartezeit einkalkulieren. Wer die Geduld nicht aufbringen kann oder möchte, muss sich vorher drauf einstellen und seinen Wagen rechtzeitig an geeigneter Stelle platzieren. Der Silvesterlauf kommt ja nicht überraschend, sondern wird auf allen möglichen Kanälen angekündigt. Der Parkhausbetreiber kann mit einem rechtzeitigen Aushang seinen Teil beitragen. Von denen, die trotzdem noch im falschen Moment rein- oder rauswollen, muss man die nötige Geduld verlangen können. Wer sie nicht aufbringt oder sogar noch die Helfer beschimpft, ist nichts anderes als ein Egoist.

s.gruen@bkz.de

Hintergrund

Als der Backnanger Silvesterlauf 1985 seine Premiere feierte, war eines ganz anders, als es die Sportler mittlerweile gewohnt sind: Zwar wurde der Startschuss schon damals vor dem Rathaus abgefeuert, doch dann ging’s nicht die Marktstraße hinauf, sondern in die entgegengesetzte Richtung bergab. Eine Idee mit raschem Verfallsdatum: Schon ein Jahr später änderte sich die Route erstmals, fortan waren 11,5 Kilometer zurückzulegen.

1994 hatten die Macher eine neue Idee, nun addierten sich drei Runden zu zehn Kilometern. Bei der Distanz ist es geblieben, seit 2006 sind es aber vier Schleifen à 2,5 Kilometer. Der Kurs konzentriert sich weitgehend auf die Innenstadt, der Abstecher über die Erbstetter Straße und die Kurve beim Bauhof wurde gestrichen. Eine Route, die sich für den Hauptlauf und alle weiteren Rennen bewährt hat.

In gut neun Monaten soll der 35. Silvesterlauf stattfinden. „Bis dahin haben wir das Coronavirus mit Sicherheit im Griff“, zeigt sich Rolf Hettich zuversichtlich.

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Erstellt:
26. März 2020, 06:00 Uhr

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