Selbst für Fifa-Frau Karoline Wacker ein einmaliges Erlebnis

Die Schiedsrichterin von den SF Großerlach leitet am Samstag in Köln das DFB-Pokalfinale der Frauen zwischen Wolfsburg und Potsdam.

Pfeift am Wochenende das Endspiel der Frauen im DFB-Pokal: Karoline Wacker. Foto: Imago

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Pfeift am Wochenende das Endspiel der Frauen im DFB-Pokal: Karoline Wacker. Foto: Imago

Von Uwe Flegel

„Ich glaub, es war ein Mädchenspiel in Fichtenberg“, erinnert sich Karoline Wacker an ihre erste Partie als Fußball-Schiedsrichterin. Ob die Unparteiische bei den Mädels aus der Gemeinde, die bis vor 150 Jahren noch Viechberg hieß, und ihren Gegnerinnen wenigstens ein wenig einen guten Eindruck hinterließ, lässt sich fast zwei Jahrzehnte später nicht mehr nachvollziehen. Fakt ist: Es war der Anfang einer steilen Karriere, die am Samstag ihren vorläufigen Höhepunkt findet, wenn die gebürtige Murrhardterin in Köln das DFB-Pokalfinale der Frauen zwischen dem VfL Wolfsburg und dem 1. FFC Turbine Potsdam leitet.

„Ein Endspiel zu pfeifen, das ist einmalig“, freut sich die 31-Jährige. Selbst für jemand wie sie, die mittlerweile seit sieben Jahren in der Ersten Bundesliga der Frauen am Ball ist und seit vier Jahren auf der Liste der Fifa-Schiedsrichterinnen steht, ist ein solcher Einsatz etwas Besonderes. Nicht umsonst sagt Michael Keller, Obmann der Backnanger Schiedsrichtergruppe: „Karo ist unser Aushängeschild. Eines auf das wir stolz sind und das auch sein können.“

Seine Wurzeln hat das Aushängeschild der Gruppe Backnang nicht vergessen

Ein Grund dafür ist sicher auch, dass die Vielgelobte nicht vergessen hat, wo ihre Wurzeln liegen. Zwar ist die Beamtin beim Finanzamt Ludwigsburg mittlerweile nach Lehrensteinsfeld gezogen, doch als Schiedsrichterin ist sie immer noch Mitglied bei den Sportfreunden Großerlach. Dank ihr ist damit auch der Vorletzte der Kreisliga B 2 am Samstag im Rhein-Energie-Stadion vertreten, wenn der frischgebackene Deutsche Meister aus Niedersachsen auf den zweimaligen Europapokalsieger, sechsmaligen Deutschen Meister und diesjährigen Bundesliga-Vierten aus Brandenburg trifft.

„An so etwas hätte ich damals nicht gedacht“, gesteht Karoline Wacker, dass sie zu Beginn ihrer Schiedsrichterlaufbahn keine solche Karriere vor Augen hatte. Wobei bei ihr recht schnell abzusehen war, in welche Richtung die Sache geht. Bereits mit 21 Jahren pfiff sie in der zweiten Liga der Frauen und schon als 25-Jährige machte sie den Männerteams in der Regionalliga klar, was regelkonform ist und was ein Foulspiel. Dafür tut sie selbst allerdings auch einiges. „Ich trainiere fast jeden Tag“, erzählt die ranghöchste Schiedsrichterin im Württembergischen Fußballverband. Wobei das vor allem viel Laufen bedeutet. Egal ob als Grundlagen- oder als Sprinttraining. Hinzu kommt die eine oder andere Krafteinheit.

Eine sehr gute Fitness ist das eine, wird aber sicherlich nicht entscheidend dafür sein, um es als Unparteiische an die deutsche Spitze, ins DFB-Pokalfinale oder bei der Fifa auf die sogenannte First-Kategorie zu schaffen. Wacker lächelt, als das angemerkt und gefragt wird, was sonst noch dazu gehört, um es so weit zu bringen. Dann antwortet sie: „Ich denke, man muss auch immer wieder mit sich selbst kritisch sein, sich selbst prüfen.“ Danach atmet sie durch und fügt dann hinzu: „Ein wenig Talent braucht man, aber vieles muss man sich erben erarbeiten.“ Und das offensichtlich nicht nur in jungen Jahren. „Wenn ich mir im Fernsehen ein Fußballspiel anschaue, dann versuche ich es, schon wie ein normaler Zuschauer anzusehen. Ich erwische mich allerdings immer wieder dabei, dass ich in die Schiedsrichterperspektive verfalle.“ Ungestört genießen, ist anders.

Wobei das bei ihr und den anderen Topleuten – egal ob weiblich oder männlich – vielleicht gar nicht anders geht. Schließlich sind sie viel unterwegs, fast an jedem Wochenende im Einsatz. Karoline Wacker spricht nicht umsonst von „meinen zwei Jobs“. Von dem als Finanzbeamtin und von dem als Schiedsrichterin. Bei Zweiterem kommt sie zudem rum. Im April zum Beispiel leitete sie als Fifa-Referee bei der Frauen-U-19-Qualifikation in England die Spiele England gegen Island sowie Belgien gegen England. Und bevor sie nun am Freitag zum Pokalfinale nach Köln aufbricht, leitete sie am vergangenen Samstag noch in der Männer-Oberliga die Partie FSV 08 Bissingen gegen SSV Reutlingen. Ein Einsatz praktisch direkt vor der Haustür für die 31-Jährige, die als Unparteiische im Fußball nach dem DFB-Endspiel noch welche großen Ziele hat? „Ich werfe da am besten gleich mal vorab fünf Euro ins Phrasenschwein“, beginnt die Antwort und endet mit: „Aber ich schau immer von Spiel zu Spiel.“ Fichtenberg und sein Sportplatz am Viechberg werden da allerdings eher nicht mehr auf der Liste von Wacker stehen.

Die Anfänge Ihr erstes Fußballspiel pfiff die am 19. Februar 1991 geborene Karoline Wacker als 13-Jährige. Ihr Talent als Schiedsrichterin war rasch erkennbar. Schon ab 2012 leitete sie Spiele in der zweiten Liga der Frauen.

DFB und Fifa In der Bundesliga der Frauen leitete Karoline Wacker 72 Erst- und 36-Zweitliga-Partien. Als Fifa-Schiri pfiff sie im Frauenbereich in der Champions League und bei Länderspielen zwölf Begegnungen.

Das Pokalfinale Das Endspiel in Köln wird am Samstag um 16.45 Uhr angepfiffen. Die Partie zwischen dem VfL Wolfsburg und den Turbine Potsdam wird im Fernsehen unter anderem in der ARD live übertragen.

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Erstellt:
25. Mai 2022, 06:00 Uhr

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