Silvesterlauf ein weiteres Mal abgesagt

Anders als 2020 ist auch keine virtuelle Variante der Backnanger Traditionsveranstaltung geplant. Als Ersatz schwebt den Machern stattdessen im Juni oder Juli eine Art Sommernachtslauf vor – falls sich die Coronasituation bis dahin wie erwartet entspannt hat.

Hunderte Sportler und Tausende Zuschauer – das wird es auch dieses Jahr in der Backnanger Innenstadt an Silvester nicht geben.Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Hunderte Sportler und Tausende Zuschauer – das wird es auch dieses Jahr in der Backnanger Innenstadt an Silvester nicht geben.Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Zuletzt wurden die Fragen bei persönlichen Begegnungen mit den Mitgliedern des Organisationsteams oder auch in den sozialen Netzwerken – zum Beispiel in der BKZFacebook-Gruppe „Laufen in und um Backnang“ – immer drängender: Findet der Silvesterlauf in der Murr-Metropole in diesem Jahr wieder statt und falls ja unter welchen Bedingungen? Oder macht die vierte Welle der Coronapandemie alle Planungen obsolet und die beliebte Traditionsveranstaltung muss wie bereits 2020 abgesagt werden?

„Finale Infos über den Silvesterlauf gibt es nächste Woche“, hatte Rolf Hettich den vielen neugierigen Sportlern am vergangenen Samstag versprochen, im selben Atemzug aber noch um „ein paar Tage“ Geduld gebeten: „Es ist keine leicht Entscheidung, was wir machen.“ Wahrlich nicht, trotzdem hielten die Macher Wort und schoben das Ja oder Nein nicht mehr auf die lange Bank. Sie verkündeten das, was wohl kein Läufer gerne hört, viele angesichts der aktuellen Entwicklungen aber wahrscheinlich schon befürchtet hatten: „Der Backnanger Silvesterlauf kann 2021 leider nicht stattfinden.“

Alle Hausaufgaben erledigt, am Ende aber trotzdem zu viele Fragezeichen

Wieder nicht, muss es eigentlich heißen, denn bereits im Vorjahr hatte das Virus die 35. Auflage des Klassikers seit 1985 verhindert. Dieses Mal waren die Rahmenbedingungen eigentlich Erfolg versprechender, anders als damals steht Impfstoff en masse zur Verfügung. Deshalb hatte das Organisationsteam mit Rolf Hettich, Georg Beïs und Alexander Hornauer an der Spitze seine Hausaufgaben in den letzten Monaten gewissenhaft erledigt: „Unsere Vorbereitungen waren und sind weit vorangeschritten – vielleicht sogar weiter als je zuvor, denn wir mussten viele verschiedene Szenarien durchsprechen.“ 3-G- oder 2-G-Regeln und alle sonstigen Maßnahmen, die in der Basis-, Warn- und Alarmstufe der Coronaverordnung vorgesehen sind, wurden einkalkuliert, um am Ende das passende Schriftstück aus der Schublade ziehen zu können.

Schon jetzt galt als fast sicher, so heißt es in einer Pressemitteilung, „dass wir die Veranstaltung nur mit reduziertem Laufangebot, für eine begrenzte Zahl an Sportlern und unter Verzicht auf die Elemente hätten durchführen können, die aus der Sportveranstaltung ein gesellschaftliches Zusammenkommen für alle Backnangerinnen und Backnanger sowie die Gäste aus dem Umland machen“. Die Schülerläufe wären vermutlich hinten runter gefallen, ein strenges Starterlimit hätte Enttäuschungen bedeutet und Tausende Zuschauer, die eng gedrängt beieinanderstehen und nach dem Rennen noch gemütlich beim Glühwein in der Innenstadt verweilen, wären ein No-Go gewesen. „Wir hätten den Silvesterlauf trotzdem gerne in dieser reduzierten Form durchgeführt – für die Sportlerinnen und Sportler, für die er einen emotionalen Höhepunkt darstellt“, betonen die Organisatoren.

Es zeichnete sich zuletzt allerdings immer deutlicher ab, dass am Ende vielleicht nicht einmal die stark abgespeckte Version möglich gewesen wäre, weil vor allem die zu geringe Impfquote zum momentan massiven Infektionsgeschehen beiträgt. Derzeit bestehe „eine gewaltige und unbeherrschbare Unsicherheit, ob und in welcher Form“ der Silvesterlauf hätte stattfinden können, gewähren die Macher einen Einblick in ihre Überlegungen: „Leider gab und gibt es keine Hoffnung, dass in dieser Frage zeitnah Klarheit erreicht worden wäre.“ Zum einen läuft die aktuelle baden-württembergische Coronaverordnung am nächsten Mittwoch aus und es ist völlig offen, welche Regelungen ab dem 25. November gelten. Zum anderen ist es auch anschließend längst nicht ausgeschlossen, dass bei einer weiter steigenden Belastung des Gesundheitssystems zusätzliche Verschärfungen bis hin zur Einschränkung oder zum Verbot von bestimmten Veranstaltungen beschlossen werden.

Hettich, Beïs und Hornauer sprechen nur von „organisatorischen Gründen in der Veranstaltungsplanung“, die ein weiteres Abwarten unmöglich machten. Es dürften aber vor allem Verträge mit Firmen gewesen sein, die für die Zeitmessung oder die Streckenabsperrung zuständig sind, die im Falle der Unterschrift ein finanzielles Risiko bedeutet hätten. Kurzum: „Wir mussten entscheiden.“ Und das jetzt, weshalb der Daumen gesenkt wurde. Es ist eine andere Entscheidung, wie sie die Bietigheimer Kollegen unlängst trafen, die ihren Silvesterlauf Stand heute mit der 2-G-Regel durchziehen wollen. Es ist aber derselbe Beschluss, den die Macher in Schwäbisch Hall fällten. Der dortige Dreikönigslauf wurde ebenfalls abgesagt. Er soll stattdessen am 29. Mai 2022 über die Bühne gehen und der Variante im Winter im Ablauf möglichst stark ähneln.

So haben es auch die Backnanger Organisatoren vor, für die mit dem Aus für den Silvesterlauf „der Startschuss für ein alternatives Projekt einhergeht“ – ein Lauf im Sommer kommenden Jahres, vermutlich an einem Freitagabend in den Wochen vor den Sommerferien. Denkbar wäre vielleicht der Termin unmittelbar nach dem Straßenfest, um etwa die Bühne auf dem Marktplatz stehen zu lassen und ein besonderes Rahmenprogramm anbieten zu können. „Vielleicht werden wir ihn trotzdem Silvesterlauf nennen, vielleicht fällt uns auch was anderes ein“, sinnieren Hettich, Beïs und Hornauer, „sicher aber ist: Unser Ziel ist, den Lauf dann mit allen bekannten Elementen des Silvesterlaufs durchzuführen, also auch mit Wettbewerben für Kinder, Jugendliche und Staffeln, mit Angeboten für Vereine, Gruppen und Firmen. Vor allem aber: mit Zuschauern, mit Stimmung an der Strecke und mit der gewohnten sportkameradschaftlichen Zusammenkunft.“

Die insgesamt dritte Absage seit der Premiere vor 36 Jahren

Geburtsstunde Das erste Kapitel der Erfolgsgeschichte Backnanger Silvesterlauf wurde 1985 geschrieben. 2000 Zuschauer sahen, wie 240 Teilnehmer nach dem Startschuss zunächst das Totengässle hinunterrannten. Anders als die Veranstaltung an sich, hatte die Streckenführung ein rasches Verfallsdatum – bald ging es die Marktstraße hinauf. Für die Premiere sorgten Initiatoren wie Guntram Mayer vom gleichnamigen Sportgeschäft oder dessen Angestellte Jürgen Friedemann, Erich Gastmaier – und Rolf Hettich, der heute noch an vorderster Front mitwirkt. Allesamt Leute, die auch im Ski- oder Triathlonclub miteinander zu tun hatten.

Absagen Kurz nachgezählt: Hätte der Silvesterlauf seit 1985 stets stattgefunden, wäre er 2020 zum 36. Mal über die Bühne gegangen. Hat er aber nicht, weil Glätte 1996 ebenso die Absage erzwang wie Corona im vergangenen Jahr. Nun verhindert die Pandemie die Austragung ein weiteres Mal, weshalb der 34. Silvesterlauf 2019 weiterhin der bislang letzte bleibt. Die Erfolgsgeschichte soll aber so bald wie möglich um ein weiteres Kapitel ergänzt werden.

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Erstellt:
18. November 2021, 06:00 Uhr

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