Sogar lange Unterhosen taugen als Ziel

Bei der mittlerweile zehnten Auflage des Crossgolfturniers freut sich der SV Spiegelberg über einen neuen Teilnehmerrekord

Eine Randsportart ist es mit Sicherheit. Aber eine, die sehr viel Spaß macht. Die Teilnehmer am zehnten Crossgolfturnier des SV Spiegelberg waren auf alle Fälle mit Freude und Leidenschaft dabei. Und nicht nur Anfänger versuchten sich, sondern auch Vertreter der deutschen Nationalmannschaft zeigten, dass es viel Ballgefühl bedarf, um wirklich erfolgreich zu sein. Aber der Erfolg ist nicht das Wichtigste bei diesem Sport.

Den Sandbunker gibt’s auch im normalen Golfsport, aber die Ziele sind beim Crossgolfen völlig andere und kurioser. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Den Sandbunker gibt’s auch im normalen Golfsport, aber die Ziele sind beim Crossgolfen völlig andere und kurioser. Foto: A. Becher

Von Andreas Ziegele

„Wo ist er?“, hört man an diesem Sonntag nicht nur einmal auf dem Gelände rund um den Sportplatz und die Grundschule. Gesucht wird ein nur 20 Gramm schwerer, sogenannter Almost-Golfball. „Diese Bälle werden auch als Softbälle bezeichnet und verursachen keine Schäden“, erklärt Thomas Leins. Dass das notwendig ist, sieht man wenig später, als ein Spielgerät ein geparktes Auto trifft und dort keinerlei Spuren hinterlässt. Bei vielen landet der Ball überall, nur nicht da, wo er hin soll. Im Gebüsch wird genauso gesucht wie im Sandkasten des Spielplatzes oder im tiefen Gras einer Wiese. Aber auch das gehört zum Crossgolfen dazu.

Gespielt wird im Übrigen mit handelsüblichen Schlägern, wie sie beim normalen Golf ebenso verwendet werden. Zwei Schläger und zwei Bälle bekommen die Teilnehmer in Spiegelberg zur Verfügung gestellt. „Wer aber mit der eigenen Ausrüstung spielen will, kann das natürlich auch tun“, sagt Leins. Internationale Regeln gibt es bei den Crossgolfturnieren nicht und in Deutschland existiert auch kein Verband für die Sportler. In Spiegelberg hat jeder Spieler pro Flight, so wird die Bahn genannt, zehn Schläge. „Wer es nach zehn Schlägen nicht geschafft hat, der wird’s auch danach nicht mehr schaffen“, sagt Andrea Kurz vom SV Spiegelberg. Mit 76 Spielern hat es im zehnten Jahr einen neuen Teilnehmerrekord gegeben. „55 männliche, 10 weibliche und – was uns besonders freut – 11 Jugendliche sind heute am Start“, berichtet Kurz.

16 Bahnen hat sich Thomas Leins vom veranstaltenden Verein ausgedacht, die den Teilnehmern alles abverlangen. Und vor allem die Ziele sind es, die alles andere als gewöhnlich sind. Ein Kinderpool oder ein Fernseher müssen beispielsweise getroffen werden. Allergrößte Mühe haben die Golfer mit dem Ziel auf Bahn 15. Hier hängen an einer Wäscheleine zwei lange Unterhosen, die es zu treffen gilt. „Da haben die meisten deshalb Probleme, weil sie den Ball nur flach schlagen können“, bemerkt Thomas Leins. Auch die Abschlagsmatte ist eine echte Besonderheit. „Das ist ein Schuhabtreter aus Plastik, den ich für diesen Zweck kleingeschnitten habe“, erklärt Leins, der auch als Sprecher am Mikrofon mit viel Humor den Wettbewerb kommentiert.

Einen Schiedsrichter braucht es laut Co-Organisatorin Andrea Kurz nicht. „Die Spieler zählen ihre Schläge selbst und tragen sie in die Scorecard ein“, so Kurz. Neben vielen Anfängern sind auch einige deutsche Nationalspieler am Start. Einer von ihnen, der sich für das Nationalteam und damit für die Europameisterschaften in Brüssel im Oktober qualifiziert hat, ist Rastislav „Rasti“ Dominik. Er war es auch, der vor zehn Jahren die Idee hatte, das Turnier in Spiegelberg auszutragen. „Mein Fernziel ist natürlich die Heim-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Aachen“, formuliert er seinen Anspruch. Dazu müssen drei Qualifikationsturniere mit entsprechenden Ergebnissen gespielt werden. Um das zu schaffen, braucht es nach seinen Worten mindestens einmal in der Woche eine Trainingseinheit. Rasti gehört zu den Golffellas Stuttgart – dabei handelt es sich um eine lose Vereinigung von Crossgolfern, die auch an diesem Tag die größte Gruppe von Golfern stellt. Finanzieren müssen die Sportler ihr Hobby selbst. „Hier gibt es so gut wie keine Sponsoren und das Geld kommt aus der eigenen Tasche“, erzählt Rasti. Auf die Frage, wie man zum Crossgolfen kommt, sagt er: „Da gibt es viele unterschiedliche und individuelle Geschichten.“ Einige kommen vom echten Golfsport, „weil sie diesen als zu konservativ und elitär empfinden und ihnen die Zweidimensionalität auf dem Golfplatz zu wenig ist.“ Gute Voraussetzungen bringen auch Tennisspieler mit, „denn ein gewisses Ballgefühl sollte man schon haben, wenn man Crossgolf spielen möchte“, ergänzt der Nationalspieler.

Ganz wichtig für die Golfer ist aber der Flight 17. Die so bezeichnete Bahn ist eigentlich keine. Denn es handelt sich um den Verpflegungsstand, den alle Spieler regelmäßig aufsuchen, um insbesondere ihren Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Info
Nils Bihler feiert den Sieg

Die Ergebnisse mögen beim Crossgolfen nicht das Wichtigste sein, völlig egal sind sie deshalb allerdings noch längst nicht. Bei den Jugendlichen nutzte Nils Bihler vom SV Spiegelberg den Heimvorteil und hatte mit insgesamt nur 56 Schlägen die Nase vorne. Die weiteren Podestplätze eroberten Leonhard Pfisterer von den Stuttgarter Golffellas mit 64 und Lukas Köhler vom SV Spiegelberg mit 71 Schlägen.

Bei den Frauen siegte Manuela „Manü“ John (Golffellas Stuttgart, 76 Schläge) vor den beiden Spiegelbergerinnen Nadine Maurer (89) und Bettina Hehl (92). Einen Doppelsieg für die Golffellas gab es bei den Männern: Claudio Orlik und Torsten Kramer (jeweils 55) landeten vor Thorsten Käpplinger (62) vom SV Spiegelberg.

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Erstellt:
16. Juli 2019, 06:00 Uhr

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