Special Olympic World Games: Backnang begrüßt das bermudische Team

Inklusion im Sport (4) Auf dem Weg zu den Special Olympic World Games in Berlin sind die Sportlerinnen und Sportler aus Bermuda auch in Backnang zu Gast. Auf dem Gelände der Gemeinschaftsschule in der Taus bieten Vereine der Umgebung ein breit aufgestelltes Sportprogramm.

Beim „Bubble Soccer“ stülpen sich die Spieler eine aufblasbare Kugel über ihren Oberkörper und spielen damit Fußball. Fotos: Alexander Becher

© Alexander Becher

Beim „Bubble Soccer“ stülpen sich die Spieler eine aufblasbare Kugel über ihren Oberkörper und spielen damit Fußball. Fotos: Alexander Becher

Von Carolin Aichholz

19 Athleten strahlen mit 13 Betreuern, dem gesamten Organisationsteam und der Sonne am Mittwoch auf dem Gelände der Gemeinschaftsschule in der Taus um die Wette. Die Freude aller Beteiligten, dass dieser seit zwei Jahren geplante Sporttag stattfinden kann, ist auf allen Seiten riesig.

Backnang ist zusammen mit Winnenden und Waiblingen eine Host-Town für die Delegation aus Bermuda, die ihre Reise nach Berlin am Freitag fortsetzen wird. Dort werden die Athletinnen und Athleten an den Special Olympic World Games teilnehmen, den Olympischen Spielen für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Bevor sich das bermudische Team in den Sportarten Bowling, Schwimmen, Tennis, Leichtathletik und Reiten mit anderen internationalen Teilnehmern messen muss, sollen sie hier einige Tage Zeit haben, um sich von den Strapazen der Anreise zu erholen.

Seit zehn Jahren ist die Tausschule eine Inklusionsschule

Damit auch Sport und Spaß nicht zu kurz kommen, hat es sich die Tausschule gemeinsam mit vielen Vereinen der Umgebung zur Aufgabe gemacht, den Besuch der Delegation mit sportlichen Aktivitäten aufzulockern. Auch mit den Themen Inklusion und Diversität kennt sich die Schule bereits bestens aus. „Seit zehn Jahren sind wir eine Inklusionsschule, sowohl körperlich als auch geistig beeinträchtigte Kinder werden im Klassenverband unterrichtet“, sagt Lehrerin Melanie Andergassen. „Darum liegt uns dieser Tag auch so am Herzen. Der Kontakt zu Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen ist hier etwas Alltägliches. Athleten eines internationalen Wettbewerbs empfangen zu dürfen, ist aber schon etwas ganz Besonderes.“

Und dieser großen Ehre, eine Sportlerdelegation aus einem Land zu empfangen, das viele Deutsche wohl nicht auf der Weltkarte finden könnten, wollte man unbedingt gerecht werden. So informierten sich die Schüler vorab ganz genau über die Bermudas und auch über die Geschichte der Special Olympic World Games. Wichtig war bei allen Vorbereitungen, dass die Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule stets teilhaben und mitentscheiden sollten.

Host-Town-Tag in Backnang

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© Alexander Becher

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Außerdem wollte man auch einiges bieten. An der Station des Golfclubs Marhördt können sich die Kinder in Zielsicherheit üben. Erste Berührungspunkte mit einer Wintersportart bietet die Biathlonstation von Rolf Hettich. Der ehemalige Trainer der Nationalmannschaft der paralympischen Biathleten freut sich, eine auf den Bermudainseln eher unübliche Sportart anbieten zu können. Ein großer Spaß – sowohl für die Mutigen, die sich mit dem Lasergewehr ausprobieren wollen, als auch für die begeisterten Zuschauer, die alle anfeuern.

Auch an der Station nebenan herrscht gute Stimmung. Unter der Anleitung von Claudia Krimmer beweisen die Mitspieler bei der Sportart „Drums Alive“ auf pinken Bällen viel Rhythmusgefühl zu animierenden Popsongs. Auch die von der Lebenshilfe gestifteten „Bubble-Bälle“ erfreuen sich großer Beliebtheit. Hier stülpen sich die Spieler eine aufblasbare Kugel über ihren Oberkörper und spielen damit Fußball. Die obere Körperhälfte ist dabei gut geschützt.

Einige Athleten sind jedoch zum ersten Mal dabei und sehr aufgeregt

Die bermudische Delegationsleiterin Karen Woollery ist ganz angetan: „Ich liebe diese Atmosphäre, es ist ein toller Tag. Hier gibt es alles, worum es bei Inklusion geht.“ Doch auch der sportliche Aspekt soll nicht zu kurz kommen: „Die Athleten können schon ein bisschen warmlaufen, um für den Wettbewerb in Form zu sein. Sport ist ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Lebens auf den Bermudainseln.“ Und die Teams der Special Olympic World Games machen das auch auf hohem Niveau. Sie trainieren immer zwölf Monate lang, je nach Sportart ein- bis dreimal die Woche – und das alles neben der Schule. „Einige Athleten sind jedoch zum ersten Mal dabei und sehr aufgeregt.“ Karen Woollery selbst ist seit der Gründung des Komitees 2016 in Bermuda die nationale Direktorin und damit auch die Chefin des 13-köpfigen Betreuerteams.

Doch an Ehrgeiz mangelt es den Sportlern nicht. Wayne, ein Mitglied des Bowling-Teams zeigt sich siegesgewiss: „Wir gewinnen auf jeden Fall die Goldmedaille!“ Dann gefällt ihm die gespielte Musik so gut, dass er doch lieber zu tanzen beginnt. Das trifft den sportlichen Geist direkt auf den Punkt. Oder wie Melanie Andergassen treffend sagt: „Sport verbindet einfach.“ Die Unterstützung der Tausschule geht noch weiter: Am Wochenende werden einige Schüler und Lehrer nach Berlin fahren und das bermudische Team anfeuern.

Beim „Drums Alive“ beweisen die Teilnehmer Rhythmusgefühl.

© Alexander Becher

Beim „Drums Alive“ beweisen die Teilnehmer Rhythmusgefühl.

20 Inseln und 64.000 Einwohner

Die Bermudas Bermuda ist ein britisches Überseegebiet mit rund 64.000 Einwohnern im Atlantik. Es befindet sich ungefähr 1.500 Kilometer nördlich von Puerto Rico und 1.800 Kilometer nordöstlich von Kuba. Trotzdem zählen die Bermudas zur Karibik. Von den 360 Koralleninseln sind nur etwa 20 bewohnt. Das Gebiet ist weitgehend autonom.

SerieUnsere Zeitung begleitet die Special Olympic World Games mit einer Serie. Dabei beleuchten wir unter anderem, was sich die Stadt von ihrem Engagement verspricht, fragen den Verband Special Olympics, stellen drei Aktive aus dem Kreis vor, die in Berlin starten, kümmern uns um den Host-Town-Tag und alles was dazugehört.

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Erstellt:
15. Juni 2023, 06:00 Uhr

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