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Spezial-Kitzel für Löws EM-Fahrer: Nun „vor Holland bleiben“

dpa Mönchengladbach. Zufriedenheit ja, Entspannung nein. Nach der Planerfüllung gegen Weißrussland soll nun Gruppenplatz eins gesichert werden. Dass dabei sogar der Erzrivale in die Schranken gewiesen werden kann, ist ein spezieller Effekt. Die Verletzung von Waldschmidt ist bitter.

Die deutsche Nationalmannschaft will nun den Gruppensieg in der EM-Qualifikation. Foto: Federico Gambarini/dpa

Die deutsche Nationalmannschaft will nun den Gruppensieg in der EM-Qualifikation. Foto: Federico Gambarini/dpa

Eine wilde Feier gab es für die EM-Fahrer von Joachim Löw nicht. Dafür ist der Anreiz auch noch viel zu groß, den die Nationalspieler am Sonntag bei der Reise in den letzten Länderspielort des Jahres im Gepäck hatte.

„Das wäre schon wichtig, wenn wir vor Holland bleiben“, verkündete Kapitän Manuel Neuer nach der perfekt gemachten Qualifikation für das paneuropäische Fußball-Spektakel im Sommer 2020 - ein spezieller Kitzel.

Die Vorgabe von Bundestrainer Löw für das Spiel am Dienstag in Frankfurt gegen die erst einmal gescheiterten Nordiren - bei dem der schwer verletzte Luca Waldschmidt fehlen wird - ist klar: „Jetzt haben wir die Chance, dass wir diese Gruppe gewinnen. Das ist natürlich schon unser Ziel: Wir wollen einen Sieg einfahren.“

Durch das lockere 4:0 gegen überforderte Weißrussen kann das junge Löw-Team trotz stockenden Umbruchs in der zweiten Jahreshälfte die EM-Ausscheidung plötzlich sogar vor dem Erzrivalen beenden. Die Niederlande schaffte in Nordirland nur ein 0:0. „Wir müssen das noch zu Ende bringen. Im Moment sieht es gut aus“, sagte der gegen den Außenseiter Weißrussland als Elfmeter-Töter aufgefallene Neuer zum eroberten Spitzenplatz (18 Punkte) vor den ebenfalls für die EM qualifizierten Oranjes (16). Und sein Bayern-Kollege Leon Goretzka schloss an: „Es ist schön, dass wir das erreicht haben, aber es wurde auch von uns erwartet.“ Deswegen sei es „kein Grund zu eskalieren“.

Zudem sorgten sich alle schon in der Nacht um den Freiburger Luca Waldschmidt. Am Sonntagmorgen kam dann die niederschmetternde Diagnose. Der 23 Jahre alte Angreifer hat sich beim Zusammenprall mit Gäste-Torhüter Alexander Gutor eine Mittelgesichtsfraktur mit begleitender Gehirnerschütterung sowie eine Verletzung am rechten Knie und Sprunggelenk zugezogen, wie der DFB mitteilte. Waldschmidt reiste zurück nach Freiburg zu Untersuchungen und wird lange fehlen.

Matthias Ginter (41. Minute), Goretzka (49.) und zweimal Toni Kroos (55. und 83.) hatten vor nur 33 164 Zuschauern in Mönchengladbach mit ihren Toren für die vorzeitige Plan-Erfüllung gesorgt. Die Stimmung im Borussia Park blieb selbst nach den vier Toren merkwürdig gedämpft. Dabei ist Deutschland nun schon zum 13. Mal bei einer Fußball-Europameisterschaft dabei - das schaffte keine andere Nation. Mit einem weiteren Sieg kann nun auch ein Platz im besten Lostopf für die aktuelle Endrunde in zwölf Städten abgesichert werden.

Neuer sieht darin auch einen möglichen psychologischen Effekt: „Das ist wichtig für uns, weil die Holländer spielen schon länger so zusammen und haben die Abläufe viel häufiger trainieren und spielen können.“ Löw konnte durch viele Verletzungen und Personalwechsel dagegen den Reifeprozess im umstrukturierten Team nicht so wie gewünscht vorantreiben. Die Fans sind noch skeptisch, ob auch ohne die aussortierten Ex-Weltmeister Mats Hummels, Thomas Müller und Jérôme Boateng wieder Titelreifes entsteht. Und dennoch könnte Schwarz-Rot-Gold schon am Ende diesen Jahres vor Oranje stehen.

„Ich weiß nicht, ob das Richtung EM wirkt, aber es ist ein schönes Gefühl, wenn du am Dienstag die Chance hast, Erster zu werden in der Gruppe“, bemerkte Routinier Kroos, der nicht nur durch seinen Tore-Doppelpack gegen Weißrussland glänzte. Und für den Real-Madrid-Star ist wichtig: „Mit einem sicheren Ergebnis kommt auch das Selbstvertrauen dazu.“ Trotz des letztlich doch „recht souverän“ erreichten EM-Direkttickets wisse man, „dass wir definitiv noch nicht am Ende sind. Und ein bisschen Zeit haben wir noch“, betonte Kroos.

Die drei verbliebenen Champions von 2014 - Kroos, Neuer und Ginter - zeigten gegen die Weißrussen, dass die Aufsteiger um Serge Gnabry für die EM noch Orientierung benötigen. „Die Drei spielen schon eine wesentliche Rolle in meinen Planungen. Sie sind dazu in der Lage von ihrer Persönlichkeit her“, bemerkte der Bundestrainer: „Das sind Spieler, die schon über große Erfahrung verfügen. Man hat viele Spieler, die vielleicht ein Turnier gespielt haben oder gar keins.“

Für Löw ist es 2020 bereits das siebte Mal, dass er die deutsche Nationalelf bei einer WM oder EM betreut. Damit ist er in dem Punkt Rekord-Bundestrainer und zieht an Helmut Schön (6) vorbei. Schön hat als einziger deutscher Nationalcoach bislang einen WM- und einen EM-Titel gewonnen. Dies könnte bei seiner vierten EM nun auch Löw gelingen. Sein Team würde im kommenden Sommer allerdings „nicht als Topfavorit“ antreten, bemerkte der 59-Jährige.

Für den bei der EM schon 34 Jahre alten Neuer gehören 2020 „alle, die teilnehmen“, zu den Titelanwärtern - das schließt die eigene Mannschaft ein. „Wir befinden uns in einer Position wie 2010 und 2012“, erinnerte die Nummer eins. Damals hatte das junge Team um die späteren Weltmeister Sami Khedira und Mesut Özil auch schon die Chance, nach einem Pokal zu greifen. Der aktuelle Jahrgang müsse die guten Ansätze nun ausbauen „und darum kämpfen, den Titel zu gewinnen“, betonte Neuer. Da gelte es, „jede Spielminute zu nutzen, um den nächsten Schritt zu gehen“, ergänzte Goretzka.

Auch Löw denkt längst über den Gruppen-Abschluss hinaus. „Das war heute eines von noch vier Spielen bis zur EM-Nominierung. Von daher war es wichtig, dass wir den Charakter zeigen, den wir dann auch im nächsten Jahr beim Turnier brauchen und sehen wollen“, erklärte der Chefcoach nach dem Sieg gegen Weißrussland. „Ich glaube, dass man merkt, dass die Mannschaft Lust hat“, sagte BVB-Profi Julian Brandt.

Gegen Nordirland soll auch mit Blick auf das Turnier 2020 „der eine oder andere Spieler eine Chance bekommen, der zuletzt nicht gespielt hat“, kündigte Löw bereits an: „Es ist durchaus denkbar, dass ich Wechsel vornehme.“ Ein Sieg soll trotzdem her. Zumal sich die EM-Qualifikations-Prämie für alle in den acht Spielen nominierten Akteure mit Platz eins insgesamt von zwei auf drei Millionen Euro erhöhen würde.

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Erstellt:
17. November 2019, 12:19 Uhr

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