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Statt Toren und Siegen gibt’s ein Zahlenspiel

Im Handball rückt Saisonabbruch in allen Ligen näher – Abschlusstabellen mithilfe Quotientenregel, die aber nur selten was ändert

Im Handball spricht alles dafür, dass demnächst in allen Ligen ein Abbruch erfolgt. Die Ermittlung der Abschlusstabellen erfolgt vermutlich mithilfe einer Quotientenregelung. Handball-Drittligist HC Oppenweiler/Backnang würde die Saison dann als Sechster beenden. Für die neue Runde bahnt sich eine Aufstockung der Dritten Liga an. Auf württembergischer Ebene bleibt die Frage, ob die Spielklassenreform wie geplant umgesetzt wird.

Spieler und Fans des HCOB müssen bis Herbst warten, um wieder spektakuläre Würfe zeigen oder sehen zu können. Bei den Handballern gilt ein Saisonabbruch in allen Ligen als gesichert. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Spieler und Fans des HCOB müssen bis Herbst warten, um wieder spektakuläre Würfe zeigen oder sehen zu können. Bei den Handballern gilt ein Saisonabbruch in allen Ligen als gesichert. Foto: A. Becher

Von Alexander Hornauer

Der deutsche Handball wird von Ligaverbänden (HBL, HBF), dem Deutschen Handball-Bund (DHB) sowie von 22 Landesverbänden und dessen Kreisen oder Bezirken geregelt. Viele dieser Organisationen haben einen Abbruch der Saison verkündet, auch der Handballverband Württemberg. Die HBL, die die Erste und die Zweite Bundesliga der Männer organisiert, lässt ihre 36 Klubs über einen Abbruch abstimmen. Die dafür erforderliche Dreiviertelmehrheit gilt als wahrscheinlich. Für heute wird die Bekanntgabe erwartet. Der für die Dritte Liga zuständige DHB fragt seine Klubs aktuell zu den in den Ländern, Kreisen und Kommunen geltenden Verordnungen ab. Das Ergebnis der Umfrage zeigt vermutlich, dass ein Spiel- und Trainingsbetrieb bundesweit nicht zu realisieren ist. Viel deutet darauf hin, dass auch für die Dritten Ligen demnächst ein Abbruch verkündet wird.

Wie wird die Saison 2019/2020 gewertet? Das DHB-Präsidium hat dazu einen Vorschlag erstellt und dem Bundesrat zur Abstimmung unterbreitet. Die Wahrscheinlichkeit, dass er angenommen wird, ist sehr hoch. Die Idee besteht darin, dass die Abschlusstabellen durch einen Quotienten ermittelt werden. Die Pluspunkte werden dazu durch die Zahl der absolvierten Spiele (Stichtag: 12. März) geteilt. Der Wert wird mit 100 multipliziert und auf die erste Stelle nach dem Komma gerundet. Beispiel aus der Bezirksklasse: Die Männer der SG Weissach im Tal haben in 15 Spielen 10 Pluspunkte geholt, macht 10/15 = 0,6666666666, mal 100 und dann gerundet: 66,7. Anhand dieser Werte wird sortiert. Haben zwei (oder mehrere Teams) einen identischen Wert, dann wird überprüft, ob diese bereits Hin- und Rückspiele gegeneinander ausgetragen haben. Ist es der Fall, wird der direkte Vergleich für die Platzierung herangezogen. Andernfalls wird der Tordifferenzquotient ermittelt.

Die Auswirkungen auf die Dritte Liga, Staffel Süd: Die Abschlusstabelle sähe bei Anwendung der Quotientenregel nahezu identisch aus wie die aktuelle Tabelle (nach 25 von 30 Spieltagen). Einzige Änderung: Die HG Saarlouis (Quotient 104,2) würde von Rang acht auf sieben klettern. Für die Rhein-Neckar Löwen II (104,0) ginge es einen Rang zurück. Der TuS Fürstenfeldbruck bliebe mit einem Quotienten von 176 deutlich Erster. Weil aus HBL-Kreisen vernommen wird, dass man allen vier Drittliga-Meistern einen Aufstieg in die zweite Liga ermöglichen will, dürfen sich die Bayern vorsichtig freuen. Oppenweiler/Backnang bliebe mit einem Wert von 116 auf Rang sechs – ein gutes Endresultat. Die letzten drei Plätze würden der TV 08 Willstätt, der TV Plochingen und der TSV Blaustein einnehmen. Weil die Beschlussvorlage des DHB vorsieht, dass es keine Absteiger gibt, wird man diese Teams vermutlich weiter in der Dritten Liga sehen. Geplant ist, diese zur kommenden Runde bundesweit von 64 auf 72 Mannschaften aufzustocken. Neben den regulären Aufsteigern könnten auch Nachrücker aus den vierten Ligen zum Zug kommen, um diese Zahl an Mannschaften zu erreichen. Der für den Spielbetrieb der Liga zuständige Ausschuss soll für das DHB-Präsidium einen Vorschlag erarbeiten, wie das genau funktionieren kann. In den kommenden Jahren soll die Mannschaftszahl wieder auf 64 reduziert werden, gemäß der DHB-Beschlussvorlage muss das aber nicht zwingend schon in der kommenden Saison erfolgen.

Die Lage in der Württembergliga der Männer, Staffel Nord: Auch hier entspräche die aktuelle Tabelle weitestgehend der durch Quotienten ermittelten. Der TSV Schmiden wäre Aufsteiger in die Oberliga. Einzige Änderung: Der SV Leonberg/Eltingen würde auf Rang vier klettern und seinen Platz mit der SG Schozach-Bottwartal tauschen. Das hätte auf Fragen der künftigen Spielklassenzugehörigkeit keinen Einfluss. Interessant ist, dass der HVW mitgeteilt hat, dass er sich dem Grundsatz „nur Aufsteiger, keine Absteiger“ anschließen will. Allerdings gibt es zugleich Anzeichen dafür, dass die Spielklassenreform trotzdem kommen soll – zwei Bezirksvorsitzende sind hier vorgeprescht und haben das so in Aussicht gestellt. Dann müssten doch Teams aus der Württembergliga in die neue Verbandsliga absteigen. Der hochrangige HVW-Vertreter Thomas Dietrich betreibt Lobbyarbeit, um Verständnis dafür zu schaffen, dass eine Herabstufung von der fünften Liga in die sechste nicht als Abstieg zu bezeichnen sei. Oppenweiler/Backnang II, sowohl nach aktuellem Stand wie auch nach Quotientenregel Zwölfter, muss bis zu einer abschließenden Bekanntgabe der Vorgehensweise abwarten, ob es in der Württembergliga oder in der Verbandsliga weitergeht. Dass der Letzte (HSG Böblingen/Sindelfingen) einen Doppelabstieg in die Landesliga hinnehmen muss, scheint definitiv vom Tisch.

Der Blick auf die Landesliga der Frauen, Staffel I: Das Tabellenbild war zuletzt unrund, weil manche Mannschaften schon 19-mal gespielt hatten, andere hingegen erst 17-mal. Die HCOB-Frauen (170,6) würden mit der Quotientenregelung wieder auf Rang eins klettern, der SV Leonberg/Eltingen (157,9) vom Platz an der Spitze auf Rang vier zurückfallen. Denn auch der SV Salamander Kornwestheim und die HSG Hohenlohe (beide 164,7) weisen einen besseren Wert auf als Leonberg. Kommt die Strukturreform, geht es für diese Teams vermutlich geschlossen in die Verbandsliga. Kommt sie nicht, könnten die HCOB-Frauen als Meister in der Württembergliga landen.

Und bei den Ligen im Handballbezirk Enz/ Murr? Auf den für den Aufstieg relevanten Rängen ergäben sich durch die Quotientenregelung kaum Verschiebungen. Die Mannschaften der SG Weissach im Tal, der HSG Sulzbach/Murrhardt und des HC Oppenweiler/Backnang verblieben mit einer Ausnahme auf ihrem aktuellen Tabellenplatz. Nur das dritte Frauenteam des HCOB fiele in der Kreisliga A von Rang drei auf vier zurück. Das Team hätte den gleichen Quotienten (126,7) wie die SG Bietigheim IV und der TV Mundelsheim II. Ein direkter Vergleich kann, da noch Spiele zwischen den Teams ausstehen, nicht ermittelt werden. Beim Tordifferenzquotienten weist der HCOB II den niedrigsten Wert auf.

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Erstellt:
21. April 2020, 06:00 Uhr

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