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Stille um den Star

An diesem Donnerstag feiert Michael Schumacher seinen 50. Geburtstag: Wir feiern den Rekordweltmeister der Formel 1 mit vier persönlichen Anekdoten unserer Experten – und schildern Tragik und Ohnmacht seiner aktuellen Situation.

Knapp fünf Jahre liegt Michael Schumachers tragischer Skiunfall in den französischen Alpen zurück – der Umgang mit den Folgen bleibt für die Familie ein Drahtseilakt.

StuttgartZu Ehren von Michael Schumacher und seinem 50. Geburtstag an diesem Donnerstag kommt eine limitierte Kunstdruck-Edition auf den Markt. Ferrari und die Keep Fighting Foundation der Familie Schumacher haben diese Hommage an einen historischen Formel-1-Moment in Auftrag gegeben. Es geht dabei um die künstlerische Interpretation des sehr emotionalen Sieges von Schumacher in Suzuka. Im Jahr 2000 war das. Ferrari stellte nach 21 Jahren endlich wieder einen Formel-1-Weltmeister. Schumis großer Erfolg im roten Rennwagen aus Maranello rührte die italienischen Fans, aber vor allem die in den Werkshallen schuftenden Ferrari-Mitarbeiter zu Tränen.

Schon 19 Jahre ist das her. Und fünf Jahre und wenige Tage liegt Michael Schumachers Skiunfall zurück. Diesen Donnerstag wird er 50. Wie er feiert? Keiner weiß es, nur seine Familienangehörigen und ganz enge Freunde. Doch bei dem Gedanken daran, wie Michael Schumacher diesen eigentlich schönen runden Geburtstag wohl begeht, könnten einem schon wieder die Tränen kommen. Keine Freudentränen wie 2000 – es sind die Tränen der Ohnmacht.

Michael Schumacher ist seit seinem verhängnisvollen Skiunfall in den französischen Alpen verschwunden. Es war der 29. Dezember 2013, als er nach einer Verkettung unglücklicher Umstände mit geringem Tempo abseits der Piste stürzte. Sein Kopf schlug gegen einen Felsen. Die Wucht des Aufschlags resultierte daraus, dass er katapultartig aus den Skibindungen geflogen war. Das Unfassbare an der Geschichte ist bis heute: Als Formel-1-Pilot hatte Schumacher oft so viel Glück gehabt – und dann kam es nach einer vergleichsweise harmlosen Situation zu dieser Tragödie.

Diejenigen, die den größten Rennfahrer der Formel-1-Geschichte verehren, kennen die Zahlen: 7 WM-Titel, 91 Siege, 68 Pole-Positions, Rekordmarken en masse. Sie erinnern sich an große Siege, sportliche Dramen und natürlich auch an unterhaltsame „Schummel-Schumi-Momente“, denn polarisieren, das konnte er als Rennfahrer ganz wunderbar. Aber sie wissen nicht, wie es ihm geht. Heute. Mit 50. Sie können sich nur ausmalen, was es bedeutet, ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zu erleiden. In seinem Anwesen bei Gland am Genfer See wird Schumacher von seiner Familie, von Physiotherapeuten, von Ärzten versorgt. Immer noch. Und vielleicht für immer?

Keiner weiß Konkretes über seinen Gesundheitszustand, nichts dringt nach außen. Das lässt die Vermutung zu, dass sich seine Lebensumstände gravierend verändert haben. Wahrscheinlich geht es ihm noch schlimmer als befürchtet. Vielleicht aber auch etwas besser als gedacht? Die „Wie-geht es eigentlich Schumacher?“-Frage ist vor allem in Deutschland sicher eine der am häufigsten gestellten. Er könne nicht laufen, so viel drang einmal per Anwalt der Familie an die Öffentlichkeit – alles andere bleibt unter Verschluss und sehr privat.

Das ist so, weil die Familie Schumacher keine weiteren Informationen preisgibt. Anlässlich des 50. Geburtstags warb sie bei den Fans des Rekordweltmeisters erneut um Verständnis. „Ihr könnt euch sicher sein, dass er in besten Händen ist und wir alles Menschenmögliche tun, um ihm zu helfen“, heißt es in einer auf der offiziellen Facebook-Seite veröffentlichten Botschaft, „bitte habt Verständnis, wenn wir uns nach Michaels Wünschen richten und ein so sensibles Thema wie Gesundheit, so wie früher auch immer, in der Privatsphäre belassen.“

Diese Verschlossenheit ist zu akzeptieren. Auch wenn die Öffentlichkeit glaubt, ein Recht an Informationen über sehr öffentliche Figuren zu haben. Doch die Strategie führt auch dazu, dass es zu wilden Spekulationen kommt. Die Zahl derer, die von irgendjemand irgendetwas über Schumacher gehört haben wollen, sie steigt. Und mit ihr auch die Gefahr, dass Halb- oder Unwahrheiten die Runde machen. Vieles von dem, was sogenannte Freunde des Hauses Schumacher zu wissen glauben, gibt der Gerüchteküche neue Nahrung – und ist oft nichts weiter als ein Gestocher im Nebel. Die wenigen Äußerungen tatsächlich guter Freunde des ehemaligen Rennfahrers werden so uminterpretiert, dass vor allem die Unterhaltungspresse Hoffnung machen möchte, wo es vermutlich keine Hoffnung gibt. „Es gibt ermutigende Anzeichen“, sagte Schumachers langjähriger Formel-1-Stratege Ross Brawn einmal. Dessen Aussage wird zur Steigerung der Auflage gern zum Anlass genommen, im Übereifer ungestützte Geschichten über das „Schumacher-Wunder“ zu verfassen.

Das hohe Interesse am Gesundheitszustand des Kerpeners führte auch zu kriminellen Handlungen. Noch im Dezember 2013 verkleidete sich angeblich ein Journalist als Priester, um ans Krankenbett zu gelangen. Später wurde einem Verlag ein Foto von Schumacher im Krankenbett für eine Million Euro angeboten. Dagegen hatte die Familie Schumacher Anzeige erstattet.

Jean Todt war Ferrari-Teamchef, als Michael Schumacher und sein Rennstratege Ross Brawn einen Titel nach dem andern holten. Aus diesen Erfolgen sind Freundschaften fürs Leben entstanden. Heute ist Todt Chef des Automobil-Weltverbands Fia. Oft besucht er Schumacher. „Wir lieben uns, weil wir gemeinsam eine unglaubliche Geschichte geschrieben haben. Und weil wir in schweren Zeiten immer zusammengehalten haben“, sagt Todt, dessen Beziehung zu Corinna Schumacher und den Kindern ganz offenbar noch enger geworden ist.

Michael Schumacher ist verschwunden. Dafür wird sein Sohn Mick immer berühmter, er ist als Rennfahrer aufgestiegen in die Formel 2, der nächste Schritt würde den Eintritt in die ehemalige Welt seines Vaters bedeuten. Bemerkenswert ist der Mut des jungen Mannes, trotz des riesigen Interesses in die Öffentlichkeit zu gehen und seiner Passion zu folgen. „Ich möchte“, sagt Mick Schumacher, „Formel-1-Weltmeister werden.“ Wie einst sein Vater.

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Erstellt:
3. Januar 2019, 03:14 Uhr

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