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Stressig, schön und sportlich sinnvoll

TSG-Turnerin Emelie Petz sieht Einsatz in spanischer Liga trotz 72-Stunden-Trip als tolle Erfahrung und guten Saisoneinstieg

In rund 72 Stunden von Stuttgart nach Mallorca, von der Baleareninsel nach Sevilla und von der andalusischen Metropole über Barcelona zurück ins Ländle – und all das nur, um als Gastturnerin einen Wettkampf in der spanischen Liga zu absolvieren. „Stressig, aber zugleich schön“, sei der Trip gewesen, sagt Emelie Petz von der TSG Backnang: „Ein guter Einstieg“ in eine Saison, deren Höhepunkt die Olympia-Teilnahme sein soll.

War mit ihrem Auftritt in der spanischen Liga zufrieden: Turnerin Emelie Petz.Foto: Imago

© imago images/masterpress

War mit ihrem Auftritt in der spanischen Liga zufrieden: Turnerin Emelie Petz.Foto: Imago

Von Steffen Grün

Ein Anruf von Pedro Mir bei Marie-Luise Probst-Hindermann brachte den Stein ins Rollen. Der Trainer vom auf Mallorca beheimateten Club Xelska hakte irgendwann rund um den Jahreswechsel bei der Trainerin des MTV Stuttgart nach, ob es in den Reihen des deutschen Erstligisten vielleicht eine Turnerin gebe, die sich vorstellen könnte, für den spanischen Erstligisten bei einem Wettkampf an die Geräte zu gehen. „Sie hat dann mich gefragt“, berichtet Emelie Petz, „und ich dachte mir, dass es eine tolle Möglichkeit ist, eine Erfahrung im Ausland zu sammeln“. Daher fackelte die 16-Jährige nicht lange, sondern sagte schnell zu. Für die in Allmersbach im Tal wohnende Schülerin ging es vergangenen Donnerstag nach Mallorca, dort traf sie auf die temporären Teamkolleginnen, von denen sie mit Cintia Rodríguez eine immerhin schon kannte.

Weil die Schwäbin im Wirtschaftsgymnasium seit vergangenen Sommer auch Spanisch büffelt, „habe ich ein paar Wörter verstanden, aber wir haben uns überwiegend auf Englisch unterhalten“. Nach einer Einheit im Trainingszentrum und einer Übernachtung auf der Baleareninsel stand am Freitag der Flug nach Sevilla auf dem Programm, wo für den Club Xelska am Samstag der zweite Wettkampf dieser Saison über die Bühne ging. Bei der Frage, wie viele es insgesamt sind, muss Emelie Petz passen. Bei ihrem Auftritt sprang auf alle Fälle der zweite Platz im Feld der acht Teams heraus, die bei jeweils einem Streichresultat fünf Turnerinnen pro Gerät einsetzten. Ein zufriedenstellendes Ergebnis für einen Verein, der laut Emelie Petz stets gute Titelchancen hat und deshalb fast so ambitioniert ist wie der MTV Stuttgart, dessen Frauen seit 2012 ein Abo auf den Titel besitzen.

Sie selbst kam in zwei Disziplinen zum Einsatz, leistete sich am Stufenbarren bei ihrem vorletzten Element einen Abgang, war jedoch mit ihrer Leistung am Boden sehr zufrieden. Insgesamt war es für die TSG-Sportlerin in Diensten des Serien-Meisters aus der Landeshauptstadt „ein guter Einstieg in die Saison“, der gesamte Spanien-Trip habe ihr viel Spaß gemacht. Dass der mallorquinische Verein für Kost und Logis aufkam, versteht sich eigentlich von selbst, darüber hinaus gab es für Petz noch „ein gutes Taschengeld“, sagt sie lachend, ohne den exakten Betrag nennen zu wollen. Am Sonntag ging es zurück in die Heimat, wo am 7. März in Karlsruhe die Bundesliga in die neue Runde startet. Beim DTB-Pokal in Stuttgart (20. bis 22. März) will die 16-Jährige zum deutschen Team gehören und mit ihm ins Finale einziehen. Weitere Ziele in diesem Jahr sind die Einzel-EM in Paris und vor allem die Olympischen Spiele in Tokio, wo sie auch die eine oder andere spanische Teilzeit-Teamkameradin wiedertreffen würde. Der Einsatz für Xelska bleibt zumindest 2020 eine einmalige Aktion, für die Folgejahre will Petz nichts ausschließen. Schließlich war’s ja stressig, aber eben auch schön.

Hintergrund
Auch in der deutschen Bundesliga sind Gastturner aktiv

So wie Emelie Petz nun von dem auf Mallorca beheimateten Club Xelska für einen Wettkampf verpflichtet wurde, setzen auch die deutschen Bundesligisten immer wieder auf ausländische Gastturner. „Das Reglement lässt es zu, kurzfristig Athleten für die Wettkämpfe zu melden“, erklärt Claudia Krimmer, die beim MTV Stuttgart viele Jahre als Teammanagerin bei den Frauen und bei den Männern fungierte. Es kann sich um Verträge für eine komplette Saison handeln, aber auch um Kurzzeit-Engagements, mit denen Vereine zum Beispiel auf verletzungsbedingte Personalsorgen reagieren. Mal werden Spezialisten für einzelne Geräte angeheuert, mal sind Mehrkämpfer gefragt.

„Wir hatten beim MTV Stuttgart des Öfteren russische Gastturner“, erinnert sich Claudia Krimmer, die als stellvertretende Vorsitzende der TSG Backnang 1846 und stellvertretende Abteilungsleiterin der TSG-Turner auch einen engen Draht zu Emelie Petz hat. Der Kontakt sei dann meistens über den ehemaligen Olympiasieger und Weltmeister Waleri Belenki zustande gekommen, der in Stuttgart am Kunstturnforum unter anderem auch Sebastian Krimmer trainierte.

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Erstellt:
12. Februar 2020, 06:00 Uhr

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