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TSG-Judofrauen erneut Deutscher Meister

Backnanger Mannschaft gelingt bei der Endrunde die erfolgreiche Titelverteidigung aus dem vergangenen Jahr

Um 16.44 Uhr und 32 Sekunden war es amtlich: Die Erstliga-Judofrauen der TSG Backnang sind Deutscher Meister – und das zum zweiten Mal in Folge. Bei den Play-offs vor heimischer Kulisse in der Karl-Euerle-Halle siegten sie im Halbfinale 12:2 gegen den JC Wiesbaden. Das Finale endete 11:3 gegen den JSV Speyer. Der Trainer des besten deutschen Judoteams freut sich riesig: „Ich bin wirklich stolz auf alle“, jubelt Jens Holderle.

Katharina Menz kann es kaum fassen, denn mit ihrem Sieg gegen Mascha Ballhaus vom JSV Speyer macht das TSG-Eigengewächs die erfolgreiche Titelverteidigung der Backnangerinnen perfekt.Fotos: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Katharina Menz kann es kaum fassen, denn mit ihrem Sieg gegen Mascha Ballhaus vom JSV Speyer macht das TSG-Eigengewächs die erfolgreiche Titelverteidigung der Backnangerinnen perfekt.Fotos: A. Becher

Von Katharina Klein

„Die Mission Titelverteidigung ist gelungen“, freut sich Judotrainer Jens Holderle. Der Kopf des Backnanger Erstligateams hat die Frauen bereits im vergangenen Jahr zum Meistertitel geführt. Umso nervenaufreibender war die Vorbereitungszeit auf das Finale zu Hause für ihn: „Der Druck war riesig, als amtierender Meister daheim um die Verteidigung zu kämpfen. Ich bin wirklich stolz auf das gesamte Organisationsteam, alle Helfer und vor allem die Mannschaft, die dem Druck standgehalten hat.“

Als TSG-Eigengewächs Katharina Menz (Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm) im Finale gegen Mascha Ballhaus den entscheidenden vorzeitigen Sieg mit einem O-Uchi-Gari klarmachte, damit den achten Punkt gegen den JSV Speyer holte und das Team zum Meister kürte, fiel die Anspannung plötzlich ab. Es wurde gejubelt ohne Ende. „Das war genau ihr Ding, mit einem O-Uchi-Gari zu siegen. Sie hat den Sieg erkämpft und einen ganz großen Anteil am Titel“, erzählt der Coach mit leuchtenden Augen. Katharina Menz selbst ist ebenfalls gelöst: „Man freut sich natürlich noch mal ein bisschen mehr, wenn man ausgerechnet den entscheidenden Punkt macht“, gibt sie zu. Allerdings merkt sie auch an, dass der Weg zum Titel kein einfacher war: „Am Ende sah es so aus, als ob wir locker gewonnen hätten, aber es war echt oft super knapp. Die Ergebnisse spiegeln das nicht wieder.“ Ihre Teamkollegin Anna-Maria Wagner stimmt zu: „Wir hatten im Halbfinale schon einen starken Gegner und spannende Begegnungen. Das Finale hat total Spaß gemacht. Viele Begegnungen gingen aber ins Golden Score. Nach so einem harten Finale ist der Sieg umso schöner.“

Beide Kämpferinnen spielen dabei darauf an, dass die Endergebnisse von 12:2 im Halbfinale gegen den JC Wiesbaden und dem 11:3 im Finale gegen den JSV Speyer zwar deutlich aussehen, die einzelnen Duelle aber eng waren. Umso wichtiger ist es Holderle eines klar zu stellen: „Es war eine tolle Mannschaftsleistung. Die ganze Konstellation ist wichtig. Die Top-Leute waren sich nicht zu schade herzukommen.“ Dies betont auch Wagner, wenn sie die Finalrunde Revue passieren lässt: „Ich habe mich echt schwer getan. Die letzten Wochen waren sehr anstrengend. Aber fürs Team macht man’s trotzdem.“

Im Vorfeld bescherten Holderle die Unsicherheiten der Mannschaftsaufstellung einige schlaflose Nächte. Etliche Kämpferinnen standen am letzten Wochenende noch beim Grand Slam in Abu Dhabi auf der Matte. TSG-Kämpferin Iryna Kindzerska (über 78) verletzte dabei ihre Teamkollegin Anamari Velenšek. Letztere fiel somit für das Bundesligafinale aus, Ersterer wurde vom Verband verboten zu kämpfen. Somit stand Holderle ohne Schwergewicht da. Dies hatte zur Folge, dass Olympiastarterin Luise Malzahn (bis 78) es mit den harten Brocken aufnehmen musste. Dennoch entschied sie alle vier Kämpfe für sich – wenn auch in drei Fällen aufgrund von Strafen ihrer Gegnerinnen. Antoinette Hennink (bis 70) hingegen bestritt den allerersten Kampf im Halbfinale gegen Wiesbaden und verlor gegen Miriam Butkereit. „Normalerweise ist einfach klar: Antoinette gewinnt. Als sie die Begegnung abgegeben hat, war die Reaktion der Mannschaft super. Sie haben sich nicht irritieren lassen und die Nerven bewahrt“, schildert der Trainer.

In ihm selbst sah es derweil ganz anders aus. Er fühlte sich an die Play-offs von 2016 erinnert, die auch in Backnang stattfanden und zu denen er einige Parallelen entdeckte. Damals startete die TSG im Halbfinale gegen den TSV Großhadern in die Endrunde und gab ebenfalls den ersten Kampf ab. Zudem stellte sich das Team zunächst auf der falschen Seite auf, Martyna Trajdos musste im Vorfeld an die Gewichte und Luise Malzahn hatte ihr Gewicht nicht. All dies wiederholte sich nun im Halbfinale gegen Wiesbaden. „Ich dachte, das kann nicht wahr sein. Als wir es in das Finale geschafft haben, war ich heilfroh“, erzählt Holderle.

Im Finale dann war es nicht nur Menz, die elementar für den Sieg war, sondern zuvor auch der Auftritt von Sappho Coban (bis 57) gegen Johanna Müller. „Sappho ist im Würger gelandet, hat Müller geworfen, fliegt selbst, bewahrt dann im Golden Score die Nerven, dreht das Ding rum und gewinnt. Das war unglaublich wichtig“, weiß der Coach. Überhaupt ist er begeistert von der Stimmung in der Mannschaft: „Sie haben an sich geglaubt. Die wollten heute unbedingt das Ding holen und haben für den Verein gekämpft. Ihnen geht es nicht darum, persönlich noch einen Titel zu sammeln. Sie stellen sich in den Dienst der Mannschaft und des Vereins und sehen es als Gemeinschaftsprojekt.“ Als Nächstes könnte es für die Mannschaft nach Bukarest zur Champions League gehen. Für diese haben sie sich bereits mit dem Titel im letzten Jahr qualifiziert. Holderle winkt aber im Vorfeld ab: „Ohne eine Finanzspritze können wir das nicht machen.“

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Erstellt:
5. November 2018, 06:00 Uhr

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