TSG-Judokas bedienen sich beim Meister

Der KSV Esslingen geht nach dem Titelgewinn in der Vorsaison in der neuen Runde nicht mehr an den Start. Zum Profiteur dieses Rückzugs wird der Erstliga-Kontrahent aus Backnang. Dessen Trainer Jens Holderle lotst eine Vielzahl von Leistungsträgern des Klubs vom Neckar an die Murr.

TSG-Trainer Jens Holderle ist gespannt, was mit den neuen Kämpfern in der kommenden Bundesliga-Saison möglich ist. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

TSG-Trainer Jens Holderle ist gespannt, was mit den neuen Kämpfern in der kommenden Bundesliga-Saison möglich ist. Foto: Alexander Becher

Von Katharina Riener

Die vierte Saison von Backnangs Judomännern im deutschen Oberhaus war ihre bislang beste. Sie landeten mit den ersten zwei Siegen so etwas wie einen Befreiungsschlag, doch dabei soll es nicht bleiben. Ganz im Gegenteil. Die TSG schlug auf dem Transfermarkt gewaltig zu und holte nicht weniger als 20 hochkarätige Zugänge – mit dem klaren Ziel, in der am 16. März beginnenden Runde völlig neue Maßstäbe zu setzen.

„Mit diesem verstärkten Team will ich in der Südgruppe oben angreifen“, verkündet Trainer Jens Holderle. Das scheint nicht zuletzt deshalb in Reichweite zu liegen, weil der amtierende deutsche Meister aus Esslingen nach dem großen Coup in der vergangenen Saison aufgrund interner Querelen nicht mehr gemeldet hat. Ein Großteil der bisherigen KSV-Kämpfer macht trotzdem wieder gemeinsam Jagd auf den Titel, nun aber in den Farben der Backnanger.

Eine Schlüsselfigur für die vielen Wechsel ist Maximilian Heyder. Der Polizeimeister aus Oberfranken kann bereits vier deutsche Meistertitel im Leichtgewicht bis 60 Kilogramm vorweisen. Auch seine Ausbildungskollegen Schamil Dzavbatyrov, zweifacher deutscher Meister, und Hugo Murphy gelten in der Klasse bis 90 Kilogramm als absolute Punktgaranten und folgen ihm ins Murrtal. Damit sind sie nicht alleine. Fabian Kansy (bis 90), Zweiter bei den deutschen Titelkämpfen und der U-23-Europameisterschaft, hat engen Kontakt zu Heyder und ist auf diesem Weg zur TSG gestoßen.

Welt- und Europameister und olympische Medaillengewinner kommen zur TSG

Ähnlich sieht es bei Frank de Wit aus den Niederlanden aus. Der 27-jährige Grand-Slam-Sieger und WM-Dritte in der Kategorie bis 81 Kilogramm kommt ebenso nach Backnang wie Felix Kurz. Die Liste der Esslinger, die es zum bisherigen Ligarivalen zieht, ist lang. Auf ihr stehen auch David Ickes, der amtierende deutsche Meister im Halbleichtgewicht (bis 66), Levi Märkt (bis 73) und ein Routinier. Mit 35 Jahren kann Dino Pfeiffer auf vier deutsche Meistertitel im Halbschwergewicht zurückblicken.

Noch schlagkräftiger sind einige weitere neue ausländische TSG-Starter, die insgesamt fünf WM-Titel und acht EM-Goldmedaillen sammelten. Ein Highlight ist Francisco Garrigós Rosa (bis 60). Der Spanier ist aktueller Weltmeister und hat auch bei den Europameisterschaften bereits alle drei Podestplätze belegt. Den Ersten gar zweimal, 2021 und 2022. Der 26-jährige Davlat Bobonov (bis 90) war 2021 Vizeweltmeister und Olympiadritter, 2022 holte er WM-Gold. Auch der Niederländer Noël van’t End (bis 90) war bereits Weltmeister. Den Titel holte er sich 2019. Ein Jahr zuvor war er noch gegen Nikoloz Sherazadishvili (bis 100) ausgeschieden, der inzwischen sogar zweifacher Weltmeister ist und ab der nächsten Saison ebenfalls im schwarz-roten Kittel der Backnanger Judokas auf der Matte stehen wird.

Der Niederländer Michael Korrel wurde schon zweimal WM-Dritter und 2022 Europameister in der Klasse bis 100 Kilogramm. Hier hat Warlam Liparteliani das EM-Gold bereits dreimal geholt. Auch im Schwergewicht über 100 Kilogramm kann die TSG mit Guram Tuschischwili laut Holderle auf eine „echte Waffe“ zählen. Der Georgier war bereits Weltmeister, zweimal Europameister und gewann bei den vergangenen Olympischen Spielen die Silbermedaille. In derselben Klasse verstärkt auch Jur Spijkers die Murrtaler, für Holderle „ein echter Star der Szene“ und großer Medaillensammler. Das gilt auch für den Usbeken Shakhram Akhadov, der mit so viel Edelmetall behangen ist, dass er eigentlich im Schwergewicht und nicht bis 73 Kilogramm starten müsste.

Eigengewächs Samuel Reisch verdient sich den Platz im neuen Starensemble

Bei allen Topstars freut sich der Backnanger Coach aber besonders darüber, mit Samuel Reisch ein Eigengewächs in die Bundesliga-Mannschaft befördert zu haben. Das Talent habe sich „den Platz im Starensemble mit Trainingsfleiß und starken Leistungen verdient“. Mit Felix Reuschle (bis 66) gibt es einen Neuen aus der Region. Der 17-jährige Steinheimer ist deutscher Jugendmeister und weckte auch auf internationaler Bühne bereits Hoffnungen auf große Erfolge. Dass den 20 Zugängen auch 20 Abgänge gegenüberstehen, verschweigt Holderle nicht. Es gab aber „keinen Massenrausschmiss“, betont er: „Stattdessen habe ich im Gespräch mit jedem Athleten individuell abgewogen, wie und wo er seine Judokarriere fortsetzen kann, wenn er das möchte.“ Um das möglich zu machen, nahm der Trainer Kontakt zu befreundeten Vereinen auf, sowohl in der Region als auch in ganz Deutschland.

Die Abgänge brachte er unter anderem bei Sindelfingen und bei Ravensburg in der Zweiten Bundesliga unter. Mancher wechselte auch zum Bundesligisten Witten-Annen oder zu einem Berliner Verein. „So haben sie die Chance, weiter Erfahrung zu sammeln“, sagt Holderle. Im nächsten Jahr will er wieder Bilanz ziehen, denn „den Kämpfern, die uns so weit gebracht haben, stehen unsere Türen weiterhin offen“.

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Erstellt:
24. Februar 2024, 16:30 Uhr

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