TSG-Judokas sagen aus Vernunft ab

Die Judo-Bundesliga der Männer und Frauen findet in diesem Jahr wegen der Coronapandemie lediglich in Turnierform statt. Am kommenden Wochenende wäre auch die TSG Backnang in Senftenberg dabei gewesen. Doch nun haben die Schwaben abgesagt.

Der sportliche Leiter und Trainer Jens Holderle startet mit den Backnanger Judokas nicht bei den Bundesliga-Turnieren. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Der sportliche Leiter und Trainer Jens Holderle startet mit den Backnanger Judokas nicht bei den Bundesliga-Turnieren. Foto: A. Becher

Von Heiko Schmidt

Die Judokas in Deutschland waren vor einigen Wochen froh und zuversichtlich, dass in diesem Jahr noch Wettkämpfe unter Coronabedingungen stattfinden werden. Deshalb hatte der Deutsche Judo-Bund auch die Erste Bundesliga in Turnierform angesetzt. „Wir sind alle heiß aufs Kämpfen“, betont Jens Holderle. Der sportliche Leiter und Trainer der TSG-Judokas steht auch weiterhin zu seiner Aussage. Deshalb hatte er schnell das Männer- und Frauenteam der Backnanger für die Wettkämpfe angemeldet. Die Vorbereitungen liefen anschließend auf Hochtouren. „Wir haben die Hotelübernachtungen gebucht und die Mund-Nase-Schutzmasken bestellt“, berichtet Holderle. Die Sportler hatten sich für den kommenden Freitag schon freigenommen. Die Abfahrt sollte um 10 Uhr ins brandenburgische Senftenberg – den Austragungsort der Bundesliga-Turniere – sein. Doch dann kam die Kehrtwende bei den TSG-Verantwortlichen.

„Das Hygienekonzept vom gastgebenden Verein sieht vernünftig aus“, schiebt der Trainer, der sich mit seinen Mitstreitern die Entscheidung nicht einfach gemacht hat, vorneweg. Doch fast im gleichen Atemzug sagt er aber auch: „Das Gesundheitsrisiko ist einfach zu groß.“ Holderle begründet seine Bedenken auch. So war geplant, dass alle Mannschaften einen ganzen Tag in einer Halle verbringen sollten. Bei den Männern wären es 16 Teams am Samstag und bei den Frauen neun Mannschaften am Sonntag gewesen. Hinzu kommen Zuschauer, die der Deutsche Judo-Bund zugelassen hat. Das Gesundheitsrisiko stuft Holderle als sehr groß ein, denn etwa 500 Personen wären zeitgleich in der Halle gewesen.

Schließlich sind keine Coronatests zumindest für die Sportler vor den Wettkämpfen vorgesehen. Dabei würden die Mannschaften mit einigen ausländischen Startern antreten, was ein zusätzlicher Aspekt bei der momentanen Coronasituation wäre. Beispielsweise hatte bei den TSG-Frauen auch die Niederländerin Sanne van Dijke ihr Kommen zugesagt. Geklärt war nicht, wie mit diesen Kämpferinnen umgegangen werden müsste. „Die Gesundheit geht vor und nicht der Sport“, macht Holderle klar. Das weiß er als Lehrer genau.

Einen anderen Aspekt wollen die Backnanger ebenfalls nicht außer Acht lassen. „Nach einer so langen Pause wäre das Verletzungsrisiko aller Kämpferinnen groß gewesen“, sagt Holderle und ergänzt: „Wir als Verein wollen nicht schuld sein, wenn sich jemand verletzen würde.“ Und das wäre fatal, denn die Backnanger haben einige Olympiakandidaten wie Eigengewächs Katharina Menz in ihren Reihen. Die Entscheidung mit der Absage haben sich die Backnanger nicht einfach gemacht. Schließlich hatten sie bei den Frauen berechtigte Titelhoffnungen. „Wir hatten ein Topteam zusammen“, berichtet Holderle. Das unterstreicht, dass der TSG die Erste Bundesliga sehr wichtig ist. „Sie ist für uns das Aushängeschild.“ Umso mehr schmerzt die Absage der Backnanger Mannschaften. „Wir möchten keinem die Schuld zuweisen, bei uns siegt aber die Vernunft. Wir wollen niemanden gefährden.“

Holderle zieht aber seinen Hut vor den Gastgebern aus Senftenberg. Er weiß nämlich, wie viel Arbeit auf einen Verein zukommt, denn die Backnanger haben bereits zweimal die Endrunde um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft der Frauen ausgerichtet. „Nun kommen noch die Hygienemaßnahmen hinzu.“ Die Backnanger werden nun aus der Ferne verfolgen, wie die Wettkämpfe unter Coronabedingungen stattfinden werden. Dabei sind die Schwaben nicht alleine, denn einige andere Vereine haben ebenfalls ihre Teilnahme an den Bundesliga-Turnieren abgesagt. Unter anderen sind die Titelverteidiger JSV Speyer bei den Frauen wie auch der TSV Abensberg bei den Männern darunter.

Die Backnanger konzentrieren sich unterdessen auf die Übungseinheiten. „Wir sind froh, dass wir trainieren dürfen. Die Partnerzahl müssen wir aber drastisch reduzieren. Die Gruppengröße beträgt maximal 20 Personen“, berichtet Holderle. Für die Topathleten sind in diesem Jahr noch einige Wettkämpfe geplant. In zwei Wochen soll ein Grand Prix im ungarischen Budapest stattfinden. Die Europameisterschaften der Aktiven und der U 21 sind ebenfalls noch in 2020 angesetzt. Allerdings dürfen dort wohl nur Sportler teilnehmen, die im Vorfeld auf Corona getestet wurden.

Stark reduziertes Teilnehmerfeld

Sechs Männermannschaften werden voraussichtlich das Bundesliga-Turnier am Samstag, 10. Oktober, in der Niederlausitzhalle in Senftenberg bestreiten. Dies sind: Hamburger Judo-Team, KSC Asahi Spremberg, SUA Witten, UJKC Potsdam, KSV Esslingen und TV Erlangen.

Beim Bundesliga-Turnier der Frauen werden am Sonntag, 11. Oktober, wahrscheinlich lediglich drei Teams um den Titel kämpfen. Dies sind: HTG Bad Homburg, JC 71 Düsseldorf und BC Karlsruhe.

Die Wettkämpfe werden live im Internet bei Sportdeutschland.TV übertragen. Jeweils um 9.30 Uhr findet die Eröffnung statt. Um 10 Uhr ist Kampfbeginn. Zusätzlich findet am 11. Oktober das Turnier der Zweiten Frauen-Bundesliga Nord statt. Teilnehmer sind: JC Wiesbaden, KSC Asahi Spremberg, JG Sachsenwald, Post SV Düsseldorf und SUA Witten.

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Erstellt:
7. Oktober 2020, 06:00 Uhr

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