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Viola Brand verlässt Wettkampfbühne

Kunstradfahrerin des RSV Unterweissach macht Schluss mit dem Leistungssport, tritt in Shows aber weiterhin auf

Viola Brand hat genug vom Leistungssport. Die Kunstradfahrerin des RSV Unterweissach rang sich nach fast 20 Jahren dazu durch, ihre Karriere zu beenden, „irgendwann ist es auch mal gut“. Wert legt die dreimalige Vizeweltmeisterin aber auf die Feststellung, dass sie nicht komplett aus dem Sattel steigt. Wie zuletzt schon bei der Deutschlandtour mit dem Feuerwerk der Turnkunst will die 25-Jährige ihr Können statt auf der Wettkampf- auf der Showbühne zeigen.

Viloa Brand fährt nicht mehr im Nationaltrikot. Foto: O. Stoll

© Oliver Stoll

Viloa Brand fährt nicht mehr im Nationaltrikot. Foto: O. Stoll

Von Steffen Grün

Zwischen den Zeilen hatte Viola Brand bereits im Interview mit unserer Zeitung im Dezember nach der Weltmeisterschaft in Basel angedeutet, dass es nach der dritten Silbermedaille eher keinen vierten Anlauf auf den WM-Titel mehr geben würde. Sie wolle alles „erst einmal sacken lassen und dann sehen, wie es weitergeht“, sagte die im Schorndorfer Stadtteil Miedelsbach wohnende Sportlerin vor rund zwei Monaten. Nun hat sie tatsächlich die Entscheidung gefällt, aus der Wettkampfszene auszusteigen und sich nicht noch einmal dem Leistungsdruck aussetzen zu wollen.

Das sei ihr „sehr, sehr schwergefallen“, gewährt Viola Brand einen Einblick in ihr Seelenleben, aber es war nur konsequent, denn „mir fehlte in der letzten Zeit verstärkt der Spaß dabei, mich zu schinden – und den braucht’s, um diesen Aufwand zu betreiben und in der Weltspitze mitzumischen“. Etwa 20 Stunden pro Woche war die Athletin, die von den Lesern unserer Zeitung von 2012 bis 2015 viermal in Folge zur Sportlerin des Jahres gewählt wurde, in der Trainingshalle anzutreffen. Und zwar ausdrücklich auch, „wenn ich keine Lust hatte“, verrät sie. Für diese Disziplin und die beachtliche Hartnäckigkeit, an Übungen wie dem Maute-Sprung jahrelang zu feilen, bis sie in die Kür integriert werden konnten, wurde Viola Brand mit etlichen Erfolgen belohnt. Nur die ultimative Krönung in Form der WM-Goldmedaille blieb ihr verwehrt und vor den drei Silbermedaillen flossen nach zwei bittere Enttäuschungen auch mal einige Tränen.

Das Aushängeschild des Vereins, das bereits am 18.Mai 2003 bei den württembergischen Schülermeisterschaften mitmischte, hat nun aber den Rücktritt verkündet. Foto: B. Strohmaier

Das Aushängeschild des Vereins, das bereits am 18. Mai 2003 bei den württembergischen Schülermeisterschaften mitmischte, hat nun aber den Rücktritt verkündet. Foto: B. Strohmaier

Sie hat es weggesteckt und ist mit sich völlig im Reinen, weshalb sie trotz des erneuten zweiten Platzes bei den Titelkämpfen in Basel nicht das Gefühl hatte, es ein weiteres Mal probieren zu müssen. Zumal sie schon wusste, dass es so kommen kann, als sie vor der letzten Saison mit dem Gedanken zu spielen begann, dem Leistungssport adieu zu sagen. Mitsamt der Zeit bei den Juniorinnen habe sie neun Jahre lang in der internationalen Spitze mitgemischt und an fünf Welt- sowie vier Europameisterschaften teilgenommen. „Das zeigt die Konstanz, die ich hatte, und beweist auf alle Fälle, dass ich Kunstradfahren kann“, sagt Viola Brand und schmunzelt. Nicht einmal die Tatsache, dass die WM dieses Jahr in Stuttgart stattfindet, bewirkte ein Umdenken, denn „ich hatte schon meine Heim-WM, deshalb war das kein spezieller Anreiz mehr“. Bereits 2016 war die baden- württembergische Hauptstadt Schauplatz der Titelkämpfe, in der Porsche-Arena zog Viola Brand nur gegen die deutsche Teamkollegin Lisa Hattemer den Kürzeren.

Wilhelm König (links), der stellvertretende Bürgermeister von Weissach im Tal, und Henry Ehring, der Vorsitzende des RSV Unterweissach, ehrten Viola Brand sowie ihre Mutter und Trainerin Heike Brand für die WM-Silbermedaille in Basel im Dezember. Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Wilhelm König (links), der stellvertretende Bürgermeister von Weissach im Tal, und Henry Ehring, der Vorsitzende des RSV Unterweissach, ehrten Viola Brand sowie ihre Mutter und Trainerin Heike Brand für die WM-Silbermedaille in Basel im Dezember. Foto: T. Sellmaier

Sie habe sich zuletzt noch einmal „voll auf den Sport konzentriert und das Studium hintan gestellt“. Auch das ist vorbei, in Kürze will die gebürtige Backnangerin mit ihrer Masterarbeit in Ernährungsmedizin beginnen und sie bis Anfang 2021 fertigstellen. Noch mehr Zeit bleibt zudem auch für ihre ohnehin schon umfangreichen Social-Media-Aktivitäten, die sie zur Influencerin und damit zur Werbeträgerin für bestimmte Produkte gemacht haben. Rund 239000 Follower hat Viola Brand auf Instagram und etwa 58000 Abonnenten auf Facebook. Es sind beeindruckende Zahlen, trotzdem will sie weiterhin auch auf ihrem Kunstrad die Menschen begeistern. Statt auf der Wettkampf- auf der Showbühne: „Ich habe schon einige Anfragen, zum Beispiel für Stadtfeste oder Galas.“ So wie sie zuletzt mit dem Feuerwerk der Turnkunst in ganz Deutschland 35 Shows in 22 Städten bewältigte, wird sie im Dezember 2020 und Januar 2021 mit der DTB-Turngala vor allem im Ländle unterwegs sein. Der entscheidende Unterschied im Vergleich zu Wettkämpfen sei, „dass man nicht für jeden kleinen Fehler bestraft wird“.

Kein generelles Nein gibt’s von der 25-Jährigen auf die Frage, ob sie sich irgendwann als Trainerin sieht und damit in die Fußstapfen ihrer Mutter tritt: „Vorerst will ich aber meine neue Freiheit genießen und nicht an Trainingszeiten gebunden sein.“

Hintergrund
17 Medaillen gesammelt

2000 beginnt die am 28. Juni 1994 geborene Viola Brand beim RSV Unterweissach mit Kunstradfahren. Sie eifert ihren älteren Brüdern Manuel und Jonathan nach, ihre Mutter Heike Brand ist die Trainerin.

2009 kommt das Talent in den Junioren-, später in den Elite-Nationalkader. Insgesamt holt Brand im Nachwuchs- und Aktivenbereich 17-mal Edelmetall. Zwei Gold-, sieben Silber- und zwei Bronzemedaillen sind es bei deutschen Meisterschaften, bei Europameisterschaften springen zwei Siege und ein zweiter Platz, bei Weltmeisterschaften drei Silbermedaillen heraus.

Nun dürfte die zweimalige Weltmeisterin Milena Slupina ihre Vormachtstellung in Deutschland und auf internationaler Bühne ausbauen. Viola Brand traut zudem Maren Haase aus Hoffnungsthal und Mattea Eckstein aus Stuttgart eine Menge zu.

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Erstellt:
14. Februar 2020, 06:00 Uhr

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