Vom Oberschulamt zum Glück gezwungen

Spricht man in Backnang über den Volleyballsport, dann kommt man an Hans-Peter Richter nicht vorbei. Seit nunmehr 44 Jahren hält der ehemalige Lehrer des Tausgymnasiums der TSG erst als Spieler, dann als Trainer und nun als Abteilungsleiter die Treue.

Hans-Peter Richter war im Backnanger Volleyball bereits in fast allen Funktionen am Ball. Jahrzehntelang war er als Coach des Tausgymnasiums sowie als Trainer und Spieler der TSG erfolgreich. Nun lenkt er die Geschicke der Volleyballer im Murrtal als Abteilungsleiter. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Hans-Peter Richter war im Backnanger Volleyball bereits in fast allen Funktionen am Ball. Jahrzehntelang war er als Coach des Tausgymnasiums sowie als Trainer und Spieler der TSG erfolgreich. Nun lenkt er die Geschicke der Volleyballer im Murrtal als Abteilungsleiter. Foto: A. Becher

Von Andreas Ziegele

Urgestein, Legende, tragende Säule: Das sind Bezeichnungen, die man oft hört, wenn im Sport Personen beschrieben werden. Nicht immer sind sie ganz zutreffend. Im Fall von Hans-Peter Richter aber auf jeden Fall. Seit 44 Jahren prägt er den Backnanger Volleyballsport sowohl als Spieler als auch als Trainer und Funktionär. Richter ist so etwas wie der Mister Volleyball der Murr-Metropole.

Seit 1977 gehört er der TSG Backnang Volleyball an. Dabei hatte er mit dem Murrtal nicht unbedingt was am Hut. „Eigentlich wollte ich in Süd-Württemberg, am liebsten in Tübingen bleiben. Backnang hat mir damals gar nichts gesagt“, erzählt Richter. Die Wünsche des jungen Lehrers waren dem Oberschulamt damals aber ziemlich schnuppe. Er wurde einfach nach Backnang versetzt. Als Oberreferendar begann er am Tausgymnasium und schloss sich als Spieler und Trainer der TSG an. Nur ein kurzer Abstecher führte Richter Ende der 80er als Spieler nach Besigheim, das zu der Zeit die bessere Seniorenmannschaft hatte. „Wir haben uns damals mit einer der jüngsten Seniorenmannschaften für die deutsche Meisterschaft qualifiziert.“

Begonnen hat er mit dem Volleyball aber schon sehr viel früher. „Ich habe als Schüler angefangen“, berichtet der 69-Jährige und weiß, dass er mit seinen damals 15 Jahren bereits recht spät dran war. Ein volleyballverrückter Lehrer am Goldberg-Gymnasium in Sindelfingen war es, der ihn für den Sport begeisterte. Der aus Ehningen stammende Richter erinnert sich, dass das Sportangebot dort nicht arg groß war: „Außer Fußball, Ringen und ein wenig Leichtathletik gab’s nichts.“ Ringen hat er zwar probiert, „aber schnell wieder gelassen. Da ich damals ein richtiger Hänfling war.“

Auch während des Studiums an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, das er 1970 begann, spielte er weiter Volleyball. „Gemeinsam mit der TSG Tübingen hat die Uni damals eine Mannschaft für den Ligasport gestellt“, erzählt Richter. Sieben Jahre war er für dieses Team unter anderem in der zweiten Liga am Ball und erlebte mit, wie die Olympischen Spiele 1972 in München der Sportart in Deutschland zum Durchbruch verhalfen, obwohl das Gastgeberteam „sehr schlecht war“, erinnert er sich. Während seiner einjährigen Referendarszeit in Esslingen schloss sich Richter dann dem dortigen SV an und stieg mit dem Team von der Ober- in die Regionalliga auf.

Seinen Umzug nach Backnang im Jahr 1977 hat Hans-Peter Richter, der bereits in den 70ern parallel zur Zeit als Spieler mit der A-Lizenz die höchste Trainerlizenz im Volleyball erwarb, aber nicht bereut. „Der Volleyballsport hat mich bis heute hier gehalten, das muss ich schon ganz klar sagen“, sagt Richter. Zum einen, weil er beim Verein schnell Anschluss gefunden hatte, und zum anderen wegen der Verbindung Volleyball und Tausgymnasium, die ebenfalls sehr gut passte. Er verheimlicht aber auch nicht, dass seine Frau mit dazu beigetragen hat, dass er im Murrtal heimisch wurde: „Sie hat damals eine Anstellung als Lehrerin am Gymnasium in Marbach erhalten und das hat ganz gut gepasst.“ Überhaupt weiß er mittlerweile: „In Backnang lässt es sich wirklich gut leben.“

Auch viele seiner größten Erfolge feierte er hier: „Ich bin beim Wettbewerb Jugend trainiert für Olympia als Betreuer mit zwei Mannschaften des Tausgymnasiums ins Bundesfinale in Berlin eingezogen.“ 1993 belegte Backnang den zweiten und 1999 den fünften Platz. Nicht vergessen hat er auch die drei deutschen Meistertitel mit zwei unterschiedlichen Seniorenteams der TSG. Beim ersten Erfolg im Jahr 2010 der Ü-53-Männer war er selbst noch am Ball, „da mein Knie noch mitgemacht hat“. Die Titel in den Jahren 2017 und 2019 feierte er als Coach der Ü-59-Herren. „Und die sind durch das coronabedingte Aussetzen der Seniorenwettbewerbe noch immer amtierender deutscher Meister“, ergänzt er nicht ganz ohne Stolz. Natürlich bleibt der Regionalliga-Aufstieg der Backnanger Frauen, die Richter mit Birgit Sterzel betreut hat, nicht unerwähnt. In diesem Zusammenhang nennt er auch sportliche Enttäuschungen. „Dass wir mit den Frauen wegen einem Punkt die Regionalliga nicht gehalten haben, war schon sehr schade, und der verpasste Aufstieg mit den Herren 1981 in die Oberliga war sehr enttäuschend.“

Dass er dem Volleyball trotzdem treu geblieben ist, liegt auch an der Faszination, den dieser Sport auf Richter immer noch ausübt. „Es gibt wenig Sportarten, in welchen die Kommunikation innerhalb des Teams so wichtig ist“, erläutert er. Die Technik, das Ballgefühl und die Taktik machen Volleyball in seinen Augen zu einer der komplexesten Sportarten überhaupt. Richter zitiert einen früheren Trainerkollegen: „Volleyball ist Schach mit 120 Stundenkilometern.“

Seit einem halben Jahr ist Richter nun Abteilungsleiter der TSG-Volleyballer und nicht mehr als Trainer aktiv. Wobei er das nicht ganz lassen kann. So betreut er mit Wolfgang Sterzel die deutsche Ü-60-Seniorenauswahl bei der inoffiziellen Weltmeisterschaft. „Zweimal waren wir schon im griechischen Loutraki am Golf von Korinth“, erzählt er und hofft, dass es dieses Jahr trotz Corona wieder mit einer Teilnahme klappt. Dabei muss die Teilnahme an solchen Veranstaltungen aus eigener Tasche bezahlt werden. „Vom Verband gibt es nicht einmal ein Trikot, weil es aus deren Sicht alles inoffizielle Veranstaltungen im Seniorenbereich sind“, sagt Richter mit einem kritischen Unterton.

Einen großen Wunsch äußert er zum Ende des Gesprächs: „Wir würden gerne im kommenden Jahr an den World Master Games in Japan teilnehmen.“ Der Wettbewerb ist eine Art Olympiade für Senioren. Er wurde dieses Jahr verschoben und soll nun 2022 in Kansai nachgeholt werden. Das wäre dann sicher auch ein schönes Geburtstagsgeschenk zum 70sten.

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Erstellt:
29. Juni 2021, 06:00 Uhr

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