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Vom Sofa auf die Nordschleife

Der Backnanger Motorsportler Mark Hellerich fährt in der VLN-Serie auf dem Nürburgring und investiert dafür viel Zeit und Geld

Wenn sich jemand als leidenschaftlicher Motorsport-Fanatiker bezeichnen lassen kann, dann ist es Mark Hellerich. Der 27-jährige Backnanger lebt für, aber nicht von seinem großen Hobby und investiert neben viel Geld auch eine ganze Menge Zeit. Trotzdem kann nichts und niemand dem jungen Mann seinen Enthusiasmus für den Rennsport nehmen.

Hat Benzin im Blut und kann sich ein Leben ohne Autorennsport derzeit nicht vorstellen: Der 27-jährige Mark Hellerich. Foto: privat

Hat Benzin im Blut und kann sich ein Leben ohne Autorennsport derzeit nicht vorstellen: Der 27-jährige Mark Hellerich. Foto: privat

Von Andreas Ziegele

Angefangen hat alles auf dem elterlichen Sofa in Affalterbach. Gemeinsam mit seinem Papa Harald verfolgte er bereits im Kindesalter im Fernsehen alles, was mit Motorsport zu tun hatte. „Und mein Vater hat mich schon damals zu Rennen beispielsweise auf dem Hockenheimring mitgenommen“, erzählt Hellerich. Neben dem Kartfahren war’s vor allem der Fahrsimulator, der ihn in seiner Jugend begleitete. Gemeint ist damit aber nicht eine der gängigen Spielekonsolen, sondern ein echtes Hightech-Simulationsgerät. Mit lasergescannten Strecken, „die bis auf den letzten Millimeter den Originalstrecken entsprechen“, habe er ein Gefühl für Autorennen entwickelt. Seit 15 Jahren und bis heute nutzt er den Simulator zur Rennvorbereitung oder in der wettkampffreien Zeit.

Mehr oder weniger durch einen Zufall kam der sympathische junge Mann 2015 auf die Idee, selbst Rennfahrer zu werden. „Auf eine Anzeige eines Teams, das Fahrer suchte, habe ich mich beworben“, berichtet Hellerich. Nach einem eintägigen Test auf dem Nürburgring hatte er seinen Platz erobert. „Man muss sich ins Auto einkaufen, das heißt Geld mitbringen.“ Aber ohne das nötige Talent nützt auch das Geld nichts.

Die Livestreams erreichen über die Saison ein Millionenpublikum

Seit vier Jahren ist der gelernte Maschinenbau-Ingenieur, der im Betrieb seines Vaters in Schwaikheim arbeitet, nun einer von zwei Piloten beim Team MKR-Engineering aus Kelberg. Mit einem BMW 240i Racing düst er in der VLN bei neun Rennen pro Saison über die berühmt-berüchtigte Nordschleife des Nürburgrings. „Das ist die größte Tourenwagen-Rennserie Europas“, erzählt der Motorsportler, „von seriennahen Tourenwagen bis zu Fahrzeugen der GT-3-Klasse sind 170 Fahrzeuge unterwegs.“ Bei den Motorsportfans genießt die VLN eine hohe Aufmerksamkeit. „Die Livestreams der vergangenen Saison haben vier bis fünf Millionen Menschen verfolgt“, verrät Hellerich nicht ohne Stolz in der Stimme. Mit dem Teamkollegen Florian Naumann aus Idstein im Taunus startet er diese Saison in der Cup-5-Klasse, die mit 16 bis 20 Autos eine der am stärksten besetzten ist und „deshalb sehr hart umkämpft“. Acht Rennen gehen über vier, eines über sechs Stunden. Der Fahrerwechsel erfolgt nach acht Runden, wenn gemäß des Reglements getankt werden muss. Zeit bleibt dafür genug, denn im Unterschied zur Formel1 geht es an normale Zapfsäulen. Dann lautet die Parole: Ausruhen und Flüssigkeit zuführen. „Trotz einer Trinkblase mit Röhrchen durch den Helm können wir den Flüssigkeitsverlust nicht im Fahrzeug ausgleichen“, erklärt Hellerich.

Sein Fahrzeug ist mit dem Getriebe und Motor aus der Serie ausgestattet. Der Reihensechszylinder-Benzinmotor mit einem Hubraum von knapp drei Litern leistet 340 PS und ein maximales Drehmoment von 460 Newtonmetern. „Auf bestimmten Abschnitten der Strecke sind dann schon Geschwindigkeiten von 250 Stundenkilometern möglich“, sagt Hellerich, schränkt aber ein: „Da bei diesem Wettbewerb alle 140 Fahrzeuge gleichzeitig auf der Strecke sind, ist es oft nicht möglich, die Höchstgeschwindigkeit auch zu erreichen.“ Und ein Safety Car gibt es auf der 24 Kilometer langen Nordschleife, die auch als „Grüne Hölle“ bekannt ist, ebenfalls nicht. „Alles wird hier über Streckenposten geregelt.“

Ohne Geld geht nichts. Um vom Rennteam das Fahrzeug, die Wartung, die Techniker in den Boxen, den feuerfesten Anzug sowie den Helm zur Verfügung gestellt zu bekommen, muss der Backnanger 30000 Euro pro Jahr berappen. „Wenn man will und kein Interesse an dem ganzen Drumherum hat, kann man kommen, fahren und dann wieder gehen“, erklärt Hellerich das Geschäftsmodell der VLN-Teams. Wichtig, aber auch schwierig sei es, einen möglichst hohen Teil des Betrages durch Sponsoren abzudecken, erläutert der 27-Jährige. Der Fahrer kann den Vertrag für die Rennsaison erst dann unterschreiben, wenn er den Nachweis geleistet hat, das Geld aufbringen zu können. Reich werden kann man in dieser Rennsportklasse nicht. Für den Gewinn der Gesamtmeisterschaft aller Teams gibt’s 25000 Euro, die dann zwischen dem Team und den Fahrern aufgeteilt werden.

Seine motorsportliche Zukunft sieht der Murrtaler trotzdem weiterhin in der VLN, hier möchte er sich weiter etablieren. Ein Highlight seiner Karriere erwähnt Hellerich erst zum Schluss: „Kürzlich durfte ich beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring fahren.“ Spätestens wenn man ihm in diesem Moment ins Gesicht schaut, weiß man, dass es ein Leben ohne Autorennsport für Mark Hellerich auf absehbare Zeit nicht geben wird. Das gefällt nicht allen: „Meine Mutter sieht es nicht gern, wenn ich Rennen fahre. Aber mittlerweile hat sie realisiert, dass sie sagen kann, was sie will. Ich werde nie damit aufhören.“

Das vierte Rennen der VLN-Serie in dieser Saison findet am kommenden Samstag auf der Nordschleife des Nürburgrings statt. Weitere Infos gibt es unter www.vln.de.

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Erstellt:
10. Juli 2019, 06:00 Uhr

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