„Karma“

Warum Trump-Fans den Sturz von Lindsey Vonn gehässig bejubeln

Statt Mitgefühl erntet Lindsey Vonn Hass aus dem MAGA-Lager. Warum die tragische Heldin zur Zielscheibe wurde - und wie vergiftet die Stimmung rund um das US-Team ist.

Donald Trump und Lindsey Vonn werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr (Archivbilder).

© Michael Kappeler/AP/dpa

Donald Trump und Lindsey Vonn werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr (Archivbilder).

Von Michael Maier

Es sollte das große Märchen der Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand-Cortina werden: Das Comeback der Ski-Königin Lindsey Vonn mit 41 Jahren – trotz Teilprothese und Kreuzbandriss. Doch der Traum endete abrupt und brutal – mit der Startnummer 13 nach exakt 13 Sekunden. Vonn stürzte in der Abfahrt schwer, brach sich das linke Bein und musste mit dem Hubschrauber ausgeflogen werden.

Während die Sportwelt geschockt den Atem anhielt, strömte in den sozialen Netzwerken eine Welle der Häme über die Amerikanerin hinweg – vor allem aus dem Lager der „MAGA“-Anhänger (Make America Great Again) und Unterstützer von Donald Trump. Doch warum zieht eine verletzte Sportlegende so viel politischen Hass auf sich?

Lindsey Vonn schon seit 2018 gegen Trump

Der Ursprung der Feindseligkeit liegt acht Jahre zurück. Vor den Olympischen Spielen 2018 in Korea positionierte sich Vonn öffentlich gegen den damaligen (und jetzigen) US-Präsidenten Donald Trump – wie auch viele andere Sportler nun wieder bei der Winterolympiade 2026.

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Vonn: „Vertrete die Menschen, nicht Trump“

In einem Interview erklärte Vonn damals, sie wolle bei Olympia „die Menschen der Vereinigten Staaten vertreten, nicht den Präsidenten“. Zudem kündigte sie an, eine Einladung ins Weiße Haus im Falle eines Medaillengewinns abzulehnen. Diese Aussagen haben das Gedächtnis der MAGA-Bewegung nie verlassen.

Im aktuell aufgeheizten Klima wird Lindsey Vonn wieder als Symbolfigur des „Anti-Trump-Sports“ wahrgenommen. Die Reaktionen auf ihren gestrigen Sturz sind ein düsteres Spiegelbild der gespaltenen US-Gesellschaft.

Trump-Fans feiern dramatischen Vonn-Sturz

In rechten Foren und auf X (ehemals Twitter) dominieren drei hämische Anti-Vonn-Narrative:

  • 1. „Karma“: Der Sturz wird als direkte Bestrafung für ihre frühere Respektlosigkeit gegenüber Trump gedeutet.
  • 2. „Go woke, go broke“: Es wird behauptet, ihre politische Haltung habe sie vom Wesentlichen abgelenkt.
  • 3. Ego-Vorwürfe: Kritiker werfen ihr vor, sie habe aus reinem Egoismus einer jüngeren Athletin den Startplatz weggenommen.

Lindsey Vonn kommt aus Metropolregion Minneapolis

Auch gegen die aktuelle Entwicklung mit regelrechten Hetzjagden auf Migranten dürfte Lindsey Vonn sicher Abneigung hegen. Die 41-Jährige kommt aus der Metropolregion Minneapolis-Saint Paul („Twin Cities“) in Minnesota.

Dort wurden jüngst zwei Aktivisten von der US-Einwanderungsbehörde ICE erschossen – der Krankenpfleger Alex Pretti, der beim Protestieren offenbar mit einer Pistole bewaffnet war, sowie Renee Good – eine Mutter von drei Kindern – nach einem gefährlichen Fahrmanöver mit ihrem Auto.

Trump bezeichnet Hunter Hess als „Loser“

Die Stimmung ist bei diesen Spielen besonders aggressiv, was auch an einem Schlagabtausch zwischen Trump und dem US-Freestyle-Skifahrer Hunter Hess liegt.

Hess hatte in einer Pressekonferenz erklärt, er habe „gemischte Gefühle“, die USA unter der aktuellen politischen Führung zu repräsentieren – ganz wie Lindsey Vonn 2018. Trump reagierte daraufhin prompt auf seiner Plattform Truth Social und beleidigte Hess als „echten Verlierer“ („real loser“), der gar nicht erst hätte antreten sollen. Der Schriftzug „Fuck ICE“ (gerichtet gegen die US-Einwanderungsbehörde), der in Cortina mit Urin in den Schnee geschrieben wurde, stammt jedoch nicht von Hunter Hess.

„Fuck ICE“ in den Schnee gepinkelt

Der spontane Urin-Protest kam vielmehr von Half-Pipe-Fahrer Gus Kenworthy. Der Sportler, der früher für die USA startete und nun für Großbritannien antritt, hatte ein Bild der gelben Buchstaben im Schnee auf Instagram gepostet. Dass Trump-Anhänger diese beiden Vorfälle nun vermischen, heizt die Wut auf das gesamte vermeintlich zu „liberale“ US-Team noch weiter an.

Bereits vor Beginn der Spiele war das Gebäude der US-Sportler kurzfristig von „Ice House“ in „Winter House“ umgetauft worden, um den sprachlichen Gleichklang zwischen gefrorenem Eis und der mitunter brutal agierenden Einwanderungsbehörde ICE zu vermeiden. Soweit die Fakten. Ob der Autor trotz deren Nennung noch ungehindert in die USA einreisen darf?

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Erstellt:
9. Februar 2026, 11:24 Uhr
Aktualisiert:
9. Februar 2026, 12:40 Uhr

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