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Weinzierls nächstes Endspiel

Der Heimpartie des VfB gegen den Vorletzten 1. FC Nürnberg kommt eine besondere Bedeutung zu

Siegt Markus Weinzierl mit dem VfB gegen Nürnberg, bleibt er bis Saisonende Trainer. Doch darüber hinaus ist seine Stuttgarter Zukunft trotz Vertrags bis 2020 äußerst fraglich.

Stuttgart Einmal abgesehen von den Ziffern auf seinem Gehaltsscheck gibt es dieser Tage nicht mehr allzu viele Dinge, um die man Markus Weinzierl ernsthaft beneiden könnte. Wie bereits vor einem Monat, als der VfB letztlich mit einem überzeugenden 5:1-Heimsieg über Hannover 96 das Schlimmste verhinderte, ist es mal wieder Endspielzeit für den Fußballlehrer aus Straubing.

„Ein Muss-Spiel“ nennt der Präsident Wolfgang Dietrich die Ausgangslage mit Blick auf drei dringend benötigte Punkte, wenn der VfB am Samstag (15.30 Uhr) als derzeit virtueller Teilnehmer an den Relegationsspielen um den Verbleib in der ersten Liga den Tabellennachbarn und Vorletzten 1. FC Nürnberg empfängt.

Siegt der VfB, dann erscheint mit sieben Punkten Vorsprung auf die direkten Abstiegsplätze zumindest der drittletzte Platz eingetütet. Verlieren die Stuttgarter aber ihr Heimspiel gegen die Franken, rückt ihnen der Club bis auf einen Punkt auf die Fersen. Auch mit Blick auf die unmittelbare Zukunft des Trainers Markus Weinzierl ist in diesem Fall alles möglich.

Aktuell wird der Trainer von seinen Chefs gestützt, so gut es die prekäre Lage eben zulässt. „Der Austausch mit Markus Weinzierl ist offen und ehrlich“, sagt der neue Sportvorstand Thomas Hitzlsperger, der angesichts des sportlichen Fiaskos, das sein Verein durchlebt, nicht viel weiter gehen kann. Einen Persilschein jedenfalls erhält Weinzierl längst nicht mehr. Und das, obwohl sein Vertrag noch bis Ende Juni 2020 läuft.

„Mir macht die Mannschaft gerade viel Spaß, denn ich sehe, dass die Jungs mitziehen und dass sie wollen“, sagt der 44-jährige Trainer vor dem eminent wichtigen Nürnberg-Spiel – doch gleich im nächsten Moment tragen seine Gesichtszüge wieder diese leicht gequälte Grundnote: „Natürlich haben wir großen Druck und müssen unsere Leistungen jetzt mit Punkten untermauern.“

Schließlich gehört es zum unangenehmen Teil der Wahrheit, dass Weinzierl, der nach dem 7. Spieltag auf Tayfun Korkut folgte, der faktisch schlechtesten VfB-Mannschaft vorsteht, die es in der 125-jährigen Vereinsgeschichte je gegeben hat. Nur fünf Siege und fünf Unentschieden bei 17 Niederlagen weist die Zwischenbilanz aus – so schlecht war der VfB nach 27 Ligapartien noch nie.

Dennoch gilt: Kann Weinzierl bis zum Bundesliga-Finale am 18. Mai auf Schalke zumindest den drittletzten Platz halten, dann geht der VfB mit ihm in die Relegationspartien am 23. und 27. Mai gegen den Dritten der zweiten Liga. „Mein Vertrag gilt nicht für die zweite Liga“, sagt der Trainer, für den im Falle eines Abstiegs beim VfB also definitiv Schluss ist.

Aber auch im Falle des Klassenerhalts – egal ob über die Relegation oder auf direktem Weg – spricht nicht mehr allzu viel für eine große Zukunft des Niederbayern am Neckarufer. Und dies liegt nicht allein daran, dass es Weinzierl zu selten verstand, beim VfB eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen. „Ich würde lügen, wenn ich sage, das ist mir völlig wurscht. Ich konzentriere mich aber auf die Mannschaft, auf die Spiele“, sagt Weinzierl zu dem Umstand, dass in dem Österreicher Oliver Glasner, 44, dem Cheftrainer des Bundesliga-Zweiten Linzer ASK, bereits der Name eines möglichen Nachfolgers für die kommende Spielzeit durch den Blätterwald rauscht.

Ein klares Dementi zur Personalie Glasner jedenfalls, welches Weinzierl in seiner Position deutlich stärken würde, hat es aus der VfB-Chefetage nicht gegeben. Abgesehen von der womöglich bereits laufenden Suche nach einem Trainernachfolger gibt es aber auch hausgemachte Argumente, die gegen eine über die aktuelle Saison hinausgehende Beschäftigung des Coaches sprechen: Mit Pablo Maffeo, Holger Badstuber, Borna Sosa, Erik Thommy, Chadrac Akolo und Anastasios Donis gibt es beim VfB mehr als eine Handvoll Spieler, deren Einsatz unter Weinzierl im Trikot mit dem Brustring nach Saisonende eigentlich nicht mehr vorstellbar erscheint. Auch die Altstars Mario Gomez, Christian Gentner oder Dennis Aogo erlebten unter dem Trainer nicht nur glückliche Stunden. Viel ist passiert, was in den meisten Fällen – siehe den quer im Stall stehenden Pablo Maffeo oder den sich via Heimatzeitung beklagenden Kroaten Borna Sosa – vor allem an den Spielern lag.

„Man kann mir nicht vorwerfen, ich hätte personell nicht alles ausprobiert“, sagt Weinzierl. Tatsächlich testete er lange diverse Formationen, ehe er sich auf eine Stammelf in einem festen taktischen Korsett festlegte. Dieses konsequente Vorgehen, das dem VfB auf dem Feld Stabilität brachte, führte abseits des Rasens aber dazu, dass auch engagierte Spieler wie etwa Akolo und Thommy sportlich auf der Strecke blieben.

Bliebe Weinzierl, müsste der personelle Umbruch gewaltig ausfallen. Also erscheint es logischer, dass der VfB das Ende einer schwarzen Saison nutzt, um die Uhren bei vielen Spielern, aber auch auf der Position des Cheftrainers auf null zu stellen.

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Erstellt:
5. April 2019, 03:14 Uhr

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