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„Wollen wild spielen, aber attraktiv wild“

Das Interview: VfB-Mittelfeldspieler Daniel Didavi lobt vor dem heutigen Drei-Ligen-Cup in Aspach die neue Herangehensweise

Den Erstliga-Abstieg hat Daniel Didavi verdaut, der offensive Mittelfeldspieler peilt mit dem VfB Stuttgart den sofortigen Wiederaufstieg an. Vor dem Drei-Ligen-Cup in Großaspach, der heute ab 17 Uhr in der Mechatronik-Arena stattfindet und an dem noch Lustenau und die SG Sonnenhof teilnehmen, spricht der 29-Jährige über den guten Saisonstart und den speziellen Spielstil unter Trainer Tim Walter, der ihm bestens liegt.

Daniel Didavi ist selbst torgefährlich, hat aber auch stets ein Auge für die Mitspieler. Foto: Baumann

© Pressefoto Baumann

Daniel Didavi ist selbst torgefährlich, hat aber auch stets ein Auge für die Mitspieler. Foto: Baumann

Von Steffen Grün

Aue, Regensburg oder Osnabrück statt München, Dortmund oder Schalke – haben Sie sich schon ein wenig mit der Zweiten Bundesliga und den neuen Kontrahenten angefreundet?

Wir haben uns das selbst eingebrockt, daher dürfen wir uns nicht beschweren. Seit dem Moment, an dem die Vorbereitung auf die Saison begonnen hat, geht es für uns um das Ziel, wieder aufzusteigen. Es macht auch in der Zweiten Bundesliga Spaß, wenn man gewinnt – zumal die Zuschauerkulisse bei den Heimspielen weiterhin super ist.

Elf Punkte aus fünf Partien, Platz zwei hinter Hamburg, der Einzug in die zweite DFB-Pokal-Runde – sind Sie damit bisher zufrieden?

Mit den Ergebnissen auf jeden Fall. Wir sind noch ungeschlagen und haben alle Heimspiele gewonnen. Dafür, dass wir im Sommer so einen großen Umbruch hatten, ist es mehr als in Ordnung.

Die Resultate sind das eine, aber die Spielweise – die Sie selbst nach dem Bochum-Spiel als „wild“ bezeichneten – ist auch wichtig. Inwieweit hat das Team die Vorstellungen des neuen Trainers Tim Walter schon verinnerlicht?

Ich habe wild gesagt, aber das wurde negativer aufgefasst, als ich es gemeint hatte. Wir wollen wild spielen, aber attraktiv wild. Klar ist auch, dass wir noch zu viele Fehler machen und deshalb die Gegner noch zu leicht zu Torchancen kommen. Wir waren gegen Bochum spielerisch überlegen, aber es wurde auch von einem glücklichen Sieg gesprochen, da der VfL drei große Möglichkeiten hatte und unser Torwart Gregor Kobel überragend gehalten hat. So gesehen hätten wir die Partie 8:4 gewinnen können, weil auch wir sehr gute Chancen hatten.

Ihnen scheint der Spielstil, der auf Ballbesitz setzt, eine Menge Spaß zu machen, oder?

Wir hatten in jedem Spiel zirka 70 Prozent Ballbesitz und immer mehr Großchancen als der Gegner. Die Zuschauer, die das Bochum-Spiel gesehen haben, haben mehr Unterhaltung bekommen als in vielen Partien der letzten Saison. Unsere Spielweise ist attraktiver, aber für die Nerven vielleicht ab und zu noch ein wenig belastend (lacht). Wir arbeiten daran, dass wir uns für den vielen Ballbesitz, den wir haben, und den Aufwand, den wir betreiben, noch mehr belohnen.

Wäre es auch ratsam, manchmal noch schneller den Weg in die Spitze zu suchen, und welche Bedeutung hat ein Turnier wie der Drei-Ligen-Cup in der Länderspielpause bei dem Versuch, bestimmte Defizite abzustellen?

Unsere Spiele waren bisher meistens in zwei Abschnitte aufgeteilt. Anfangs mussten wir geduldig spielen, um Lücken zu finden. Wenn wir führen, bekommen wir Räume: Da müssen wir noch klarer spielen. Daher gehen einige mögliche Torchancen schon im Ansatz kaputt – das wollen wir verbessern. So ein Turnier in der Länderspielpause wie jetzt in Großaspach hilft dabei natürlich – gerade dann, wenn nicht so viele Spieler bei den Nationalteams sind.

Sie waren in allen Pflichtspielen die vollen 90 Minuten dabei, haben zwei Tore erzielt und zwei vorbereitet. Bei wie viel Prozent Ihres Leistungsvermögens sehen Sie sich derzeit?

Ich mag es nicht so, das in Prozenten auszudrücken. Machst du ein Tor und spielst gut, ist alles super, aber genauso schnell geht es in die andere Richtung. Ich bin ein Offensivspieler, deshalb werden von mir Tore und Vorlagen erwartet. Ich habe aber auch viel mehr Aktionen nach vorne als vergangene Saison – deshalb ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ich treffe oder Tore vorbereite. Das Auf und Ab in der persönlichen Bewertung blende ich aus. Ich habe wieder viel mehr Spaß am Fußball, darüber bin ich froh.

Wegen des Ausfalls von Marc-Oliver Kempf trugen Sie gegen den VfL Bochum sogar die Kapitänsbinde. Was bedeutet Ihnen dieser zusätzliche Vertrauensbeweis des Trainers?

Ich spiele mit kurzen Pausen bereits seit der F-Jugend für diesen Verein, von daher ist es schon etwas Besonderes, jetzt im Profikader als Kapitän aufzulaufen. Das macht mich stolz und vom Trainer war es auch ein schönes Zeichen, dass er mir vertraut. Das Wichtigste bleibt aber, dass ich meine Leistung bringe. Wir brauchen elf Kapitäne auf dem Rasen, jeder sollte sich einbringen.

Sie feiern am 21. Februar 2020 Ihren 30. Geburtstag. Wie überzeugt sind Sie, dass Sie mit dem VfB Stuttgart rund drei Monate später den Wiederaufstieg ins Oberhaus feiern?

Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir es schaffen werden, weil ich von unserer Qualität überzeugt bin, aber das alleine bringt nichts. Ich war mir vergangene Saison auch sicher, dass wir nicht absteigen. Wir müssen unsere Spiele gewinnen, aber die Gegner werden gegen uns stets 120 Prozent geben, das haben wir bereits gemerkt. Es wird grundlegend nicht einfach, sondern auch mal eklig, aber dessen sind wir uns bewusst.

Alle reden in Sachen Aufstieg vom Hamburger SV und vom VfB Stuttgart. Haben Sie auch noch andere Vereine auf dem Zettel?

Es wird meistens von den üblichen Verdächtigen geredet – also von uns, Hamburg und Nürnberg, aber auch von Hannover, obwohl die sich bisher noch etwas schwertun. Die Saison ist aber noch sehr jung und sie werden sich wahrscheinlich auch noch fangen, zudem ist der Abstand noch nicht groß. Ich denke, dass diese vier Vereine vorne dabei sein werden, aber es auch noch Überraschungen geben wird. Sandhausen und Osnabrück stehen bislang gut da, Karlsruhe hat teilweise gut gespielt. Die Liga ist sehr eng, aber wir werden unseren Weg gehen.

Zur Person
Daniel Didavi

1990 wird Daniel Didavi am 21. Februar in Nürtingen geboren, beim dortigen SPV 05 lernt er das Fußball-Einmaleins. Sein aus Benin stammender Vater Ignace trainiert derzeit die erste Mannschaft des Vereins.

1997 wechselt das Talent zum VfB Stuttgart und durchläuft alle Nachwuchsteams, nur aus schulischen Gründen spielt Didavi zwischenzeitlich noch einmal eine Runde in Nürtingen. Eigentlich noch für die U 19 spielberechtigt, rückt der offensive Mittelfeldspieler im August 2008 zum damals noch in der Dritten Liga spielenden VfB II auf und trifft in 30 Saisonspielen fünfmal.

2010 feiert Didavi am 29. Juli im Europa-League-Qualifikationsspiel in Molde sein Debüt in der Ersten, einen Monat später folgt gegen Dortmund die erste von bisher 151 Erstliga-Partien (42 Tore, 21 Vorlagen). So richtig startet der Linksfuß im Oberhaus als Leihspieler in Nürnberg 2011/2012 durch: Er erzielt in 23 Partien neun Tore und bereitet drei vor. Kurz vor der Rückkehr zum VfB zieht sich Didavi einen Knorpelschaden im linken Knie zu, spätestens ab dem Zeitpunkt sind Verletzungsprobleme sein ständiger Begleiter.

2015/2016 geht’s wieder richtig bergauf: Bei 31 Einsätzen sammeln sich 13 Tore und 5 Assists an. Der VfB muss trotzdem runter. Didavi wechselt nach Wolfsburg, kehrt nach zwei Jahren zurück. Stuttgart steigt erneut ab, dieses Mal bleibt er aber und hat noch einen Vertrag bis 2021.

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Erstellt:
6. September 2019, 06:00 Uhr

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