Zum Auftakt geht es ans Dreiländereck

Fußball-Oberligist TSG Backnang startet morgen um 15.30 Uhr beim FV Lörrach-Brombach in die neue Saison. Damit sich die weiteste Fahrt der gesamten Runde in den äußersten Südwesten Deutschlands auch lohnt, wollen die Roten gleich die ersten drei Punkte mit nach Hause nehmen.

Der einsatzfreudige Sebastian Gleißner zählt zu den Gewinnern der Vorbereitung und dürfte in der Startelf der Roten stehen. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Der einsatzfreudige Sebastian Gleißner zählt zu den Gewinnern der Vorbereitung und dürfte in der Startelf der Roten stehen. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Bereits in der Vorsaison hatte die TSG ihr erstes Auswärtsspiel in Lörrach absolviert. Damals nahmen die Murrtaler allerdings das Selbstvertrauen des anfänglichen 1:1 gegen den Titelanwärter aus Freiberg mit in das Neulingsduell. Nun ist es der Aufgalopp mit den üblichen Fragezeichen, wenn es um das aktuelle Leistungsvermögen geht. Klar, die Roten haben ihre Pokalduelle in Leinfelden-Echterdingen und Neu-Ulm gewonnen und blieben auch in den Testspielen ungeschlagen, doch der Kampf um Punkte ist etwas anderes. „Ein erneutes 1:0 würde ich sofort unterschreiben“, sagt Spielertrainer Mario Marinic mit Blick auf den knappen Sieg in der vergangenen Runde, für den er mit seinem Treffer selbst gesorgt hatte.

Das gute Gefühl, beim morgigen Rivalen schon einmal die Oberhand behalten zu haben, paart sich beim 36-Jährigen mit der Erinnerung an einen „unbequemen Gegner“. Weil sich im Kader der Hausherren aber einiges getan hat, bemühte er sein Netzwerk. „Ich habe mich schlaugemacht, so gut es geht“, verrät Marinic. Mit Daniel Briegel hat sich Lörrachs Torjäger verabschiedet, doch es kamen auch einige Zugänge, weshalb die vergangene Runde vielleicht nur bedingt als Gradmesser taugt. Der neue TSG-Coach will sich aber ohnehin nicht am Kontrahenten orientieren, sondern die eigenen Stärken in die Waagschale werfen. Wenn das gelingt, „dann bin ich guter Dinge“. Er wolle nicht zu viel verraten, „aber verstecken oder einigeln wollen wir uns sicherlich nicht. Mehr agieren als reagieren“, lautet der Anspruch.

Umgesetzt werden muss es ohne Patrick Tichy, Shqiprim Binakaj, Niklas Pollex und Mika Wilhelm (alle verletzt). Benito Baez-Ayala ist fraglich, der 32-Jährige ist nach monatelanger Pause wegen eines Kreuzbandrisses aber ohnehin noch keine Option für die Startelf. Als Rechtsverteidiger gesetzt ist stattdessen Leon Maier, ihm und Zwillingsbruder Loris bescheinigt Marinic eine gute Vorbereitung. Im 4-2-3-1 werden die Maiers wohl zusammen die rechte Seite beackern, auch sonst zeichnen sich Konturen der Anfangsformation deutlich ab. „Sieben, acht Positionen sind besetzt“, verriet Backnangs Trainer bereits vor dem letzten Training, ohne sich alle Namen entlocken zu lassen. Eine Achse mit Torwart Marcel Knauß, Abwehrchef Michl Bauer, Mittelfeldstratege Oguzhan Biyik und ihm selbst als Stoßstürmer benannte Marinic aber allemal, der Rest lässt sich weitgehend erahnen. Beste Karten haben neben den beiden Maiers auch noch Linksverteidiger Jannik Dannhäußer sowie die beiden Mittelfeldakteure Julian Geldner und Sebastian Gleißner. Bei Letzterem zeigt sich der Trainer „froh, dass er zu seiner alten Form zurückfindet“. In bester Verfassung ist der 26-Jährige für fast jeden Oberligisten ein Gewinn.

Was Ottmar Hitzfeld und der FC Basel mit dem FV Lörrach-Brombach zu tun haben

Historie Den FV Lörrach-Brombach gibt es seit dem 24. Januar 2012, als die Fusion zwischen dem FV Lörrach und dem Ortsteilverein FV Brombach offiziell vollzogen wurde. Die Geschichte der Ursprungsklubs reicht viel weiter zurück. Der FVL wurde 1902 gegründet, der FVB 1911. Im Zuge des Zusammenschlusses baute die Stadt eine neue Sportanlage, den Sportpark „Grütt“. Auf einem der dortigen Plätze und nicht etwa im altehrwürdigen Grüttpark-Stadion findet auch das morgige Heimspiel gegen die TSG Backnang statt.

Erfolge In der Saison 2010/2011, der letzten vor der Fusion, spielten beide Vereine in der Landesliga Südbaden und Brombach landete vor Lörrach. Eine seltene Ausnahme. Insgesamt feierte der FVL die größeren Erfolge, vor allem den Gewinn des südbadischen Pokals 1969. Zudem spielte Lörrach von 1954 bis 1956 und von 1966 bis 1978 in der Ersten Amateurliga Südbaden. 1991 bildete der FVL mit dem TuS Lörrach-Stetten eine Spielgemeinschaft, die schon einmal in die Oberliga Baden-Württemberg aufstieg, als Letzter aber sofort wieder runter musste. Die SG wurde wieder aufgelöst, der FVL stürzte in die Bezirksliga Hochrhein ab. Ab 2007 ging es im Fahrstuhl zweimal als Meister hoch und dazwischen einmal wieder runter, ab 2010 war die Landesliga Südbaden die dauerhafte Heimat. Auf die Fusion folgten die Plätze 6, 4, 2, 2 und 4, die Meisterschaft in der Saison 2016/2017 war der verdiente Lohn für die Konstanz. In der südbadischen Verbandsliga gab es die Ränge 4 und 10 und als die nächste Runde im März 2020 abgebrochen wurde, war Lörrach-Brombach Erster – das bedeutete Oberliga-Aufstieg. In der Vorsaison auf Platz 18 liegend, verhinderte der erneute Abbruch den Abstieg.

Stars Für den FV Lörrach waren Spieler in den Frühphasen ihrer Karrieren am Ball, die groß rauskommen sollten. Zunächst der in der Stadt geborene Ottmar Hitzfeld, späterer VfB-Torjäger und Meistertrainer in Dortmund und bei Bayern München. Dann Christian Streich, seit bald zehn Jahren erfolgreicher Coach mit Kultstatus beim SC Freiburg, oder der gebürtige Lörracher Sebastian Deisler, der rund um den Jahrtausendwechsel als größtes deutsches Talent galt. Zu nennen wäre noch Oliver Freund, im August 1993 gegen die Bayern der Schütze des ersten Bundesliga-Tors des SC Freiburg.

Gegenwart Wie die TSG startet Lörrach-Brombach in die zweite Oberliga-Saison nach dem Aufstieg und will sich im baden-württembergischen Oberhaus etablieren. Der Verein, der über 700 Mitglieder zählt, spielt auch mit den A-Junioren in der Oberliga und pflegt eine enge Kooperation mit dem FC Basel. Von dort kam auch der Leiter der Nachwuchsabteilung, dem in der Schweiz der Ruf als Koryphäe vorauseilt. Werner Mogg wirkte an der Ausbildung von Stars wie Breel Embolo, Ivan Rakitic, Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri oder Yann Sommer mit. Deshalb kann es passieren, dass plötzlich einer wie Embolo beim Jugendtraining in Lörrach auftaucht und Autogramme gibt.

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Erstellt:
6. August 2021, 06:00 Uhr

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