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Zum Kegeln geht es in den Keller

Der KVS Waldrems verliert das Finalrückspiel in der Senioren-Verbandsliga gegen den TSV Niederstotzingen knapp

Fast unbeachtet von der Öffentlichkeit spielen die Sportkegler des KVS Waldrems um das Startrecht für die deutsche Senioren-Mannschaftsmeisterschaft. Der Kegelsport ist mit vielen Vorurteilen behaftet und findet daher kaum Anklang. Der Nachwuchs bleibt aus oder sucht sich andere Sportarten.

Die Seniorenkegler geben auf den Bahnen in Waldrems alles, sehen sich aber auch in Zukunft als Randsportart.Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Die Seniorenkegler geben auf den Bahnen in Waldrems alles, sehen sich aber auch in Zukunft als Randsportart.Foto: A. Becher

Von Andreas Ziegele

Der Ort des Geschehens liegt im Keller des Freizeit-Centers im Backnanger Ortsteil Waldrems. Das Betreten der Wettkampfstätte erinnert zunächst an den Besuch eines Gasthauses. Ein Schanktresen dominiert den Raum und es laufen lautstarke Unterhaltungen. Nur die Trainingsbekleidung passt irgendwie nicht zur Örtlichkeit. Auf den zweiten Blick erschließt es sich einem dann: Vier moderne Kegelbahnen bilden den Rahmen fürs Finalrückspiel der Senioren-Verbandsliga Württemberg zwischen dem KVS Waldrems und dem TSV Niederstotzingen.

Seit 1987, also seit es die Kegelbahn hier gibt, sind die Sportkegler nun schon zu Gast im Freizeit-Center. Einmal wöchentlich wird trainiert und auch im Vorfeld des Finalkampfes gab es kein zusätzliches Training. Kondition und Konzentration nennt der Spielleiter Dietmar Zwink als wichtigste Voraussetzungen für einen Sportkegler. Dann erklärt er den Ablauf eines Spieles. „Eine Mannschaft besteht aus sechs Spielern“, erläutert Zwink. Dabei spielen immer zwei aus jeder Mannschaft auf getrennten Bahnen gegeneinander. Innerhalb von zwölf Minuten müssen die Spieler 30 Würfe absolvieren. „15 Volle und 15 Abräumen“, wie Zwink sagt. Das Ganze findet vier Mal mit jeweiligem Bahnwechsel statt, sodass am Ende jeder Kegler 120 Kugeln geworfen hat. Es geht dabei um drei Satzpunkte und wer diese erreicht, gewinnt den Mannschaftspunkt. Dass alles mit rechten Dingen zugeht, überwacht ein Computer an jeder Bahn und am Ende eines Durchganges erfolgt ein Ausdruck zur Dokumentation. Eigentlich alles sehr überschaubar und zuschauerfreundlich.

Aber diese bleiben bei den Wettkämpfen aus. „Von außen verirrt sich leider kaum mal einer zu unseren Spielen“, sagt der Spielleiter und ergänzt: „In der Regel sind es die Angehörigen der Spieler oder Vereinsmitglieder, die uns zusehen. Wir sind halt eine Randsportart und das wird auch so bleiben.“ Dabei sitzt man bei wohl kaum einer anderen Sportart so nah am Geschehen, ist über die LED-Anzeigen der Bahnen so gut informiert und kann dazu gemütlich am Tisch ein Getränk genießen. Vielleicht ist es ja die Dauer, die den einen oder anderen abhält. „Drei Stunden reichen in der Regel nicht für eine komplette Partie“, sagt Zwink. Auch der Nachwuchs fehlt den KVS-Keglern. „Wir haben keine Jugendspieler unter unseren rund 30 Mitgliedern“, sagt Dietmar Zwink und spricht damit zugleich ein Problem für den Verein an.

Bevor der Wettkampf beginnt, steht allerdings noch die Passkontrolle der Spieler an. Dann nehmen die Mannschaften an der Bahn Aufstellung und stehen sich zur Begrüßung gegenüber. Mit einem dreimal lautstarken „Gut Holz“ geht es auf die Bahnen. Apropos lautstark: Die einzelnen Würfe der Spieler werden nahezu alle begleitet von mehr oder weniger einfallsreichen Schlachtrufen der Zuschauer und Mitspieler.

Nach einer fünfminütigen Einspielzeit geht es dann mit dem Finale los. Die Waldremser Starterpaarung Gabor Kinka und Harald Restifo zeigt, dass sie mit den Gegnern mithalten kann und holt den ersten Mannschaftspunkt für die Gastgeber. Auch die Mittelpaarung mit dem Spielführer Patrick Konrad und Sylvio Trost kämpft um die Satzpunkte und erreicht ein Unentschieden bei den Mannschaftspunkten. Trotz allem liegt Waldrems zu diesem Zeitpunkt mit 57 Kegel zurück. Das Schlusspaar Helmuth Reiter und Wolfgang Mayer kann dann wieder etwas von den Kegeln her aufholen. Spannend geht es in den vierten Durchgang und in diesem drehen die Gäste aus Niederstotzingen auf und holen zwei Mannschaftspunkte. Dadurch ist das bessere Gesamtergebnis auf der Seite der Gäste. Durch die beiden Erfolge im Hin- und Rückspiel ist Niederstotzingen Meister der Verbandsliga und hat sich damit das Startrecht für die deutsche Senioren-Mannschaftsmeisterschaft in Schkopau (Sachsen-Anhalt) gesichert.

Ergebnisse: Gabor Kinka (594/1), Harald Restifo (497/0), Sylvio Trost (516/0), Patrick Konrad (576/1), Wolfgang Mayer (543/0), Helmuth Reiter (532/1).

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Erstellt:
11. April 2019, 06:00 Uhr

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