Tennis-Ass Zverev muss sich in French Open reinbeißen

dpa Paris. Fast wäre Alexander Zverev als Grand-Slam-Champion nach Paris gereist. Doch am Ende fehlten in New York zwei Punkte. Die große Frage ist: Wie hat sich die deutsche Nummer eins davon erholt?

Alexander Zverev trifft bei den French Open in der ersten Runde auf den Österreicher Denis Novak. Foto: Frank Franklin II/AP/dpa

Alexander Zverev trifft bei den French Open in der ersten Runde auf den Österreicher Denis Novak. Foto: Frank Franklin II/AP/dpa

Alexander Zverev ist wieder da. Nach seiner bitteren Final-Niederlage bei den US Open in New York war Deutschlands bester Tennisspieler erst einmal abgetaucht.

Zusammen mit seiner Familie versuchte der 23-Jährige in Monte Carlo das Erlebte zu verarbeiten, verzichtete auf einen Start beim Turnier in seiner Geburtsstadt Hamburg. Seelenmassage statt Matchpraxis hieß es für Zverev, dem in Flushing Meadows gegen den Österreicher Dominic Thiem zwei mickrige Pünktchen zum ersten Grand-Slam-Titel seiner Karriere und dem ersten deutschen Triumph bei einem der vier Klassiker seit Boris Becker 1996 bei den Australian Open gefehlt hatten.

Doch das ist nun schon wieder Vergangenheit, bereits am Sonntag beginnen in Paris die French Open. Und für das wegen der Corona-Krise aus dem Mai in den Herbst verlegte Sandplatz-Spektakel hat sich Zverev ganz besondere Unterstützung geholt. Erstmals ist sein neuer Trainer David Ferrer mit dabei, der aus privaten Gründen auf eine Reise nach New York noch verzichtet hatte. Eigentlich hatte das Duo in der vergangenen Woche beim Masters-1000-Event in Rom seine Premiere feiern sollen, doch dann war Zverev in New York einfach zu erfolgreich.

Nun also Paris, wo Ferrer 2013 als Spieler im Finale stand. Kaum einer, mit Ausnahme des zwölfmaligen Roland-Garros-Champions Rafael Nadal natürlich, kennt sich besser mit dem Spiel auf Sand aus als der 38 Jahre alte Spanier, der seine Karriere im vergangenen Jahr beendet hatte. „Die Sandplatz-Saison steht vor der Tür. Ich habe genau den richtigen Mann dafür gefunden“, schrieb Zverev bei Instagram über Ferrer.

Seit Mitte der Woche ist das Duo in Paris, auf Fotos auf der Homepage des Turniers ist zu sehen, wie beide konzentriert bei der Arbeit sind. Ferrer galt während seiner aktiven Laufbahn als harter Arbeiter und Perfektionist. Zverev haftet dagegen hin und wieder immer noch das Image an, es hier und da auch mal lockerer anzugehen.

In New York zuletzt war bei Zverev aber ein deutlicher Reifeprozess zu erkennen. Sowohl auf dem Platz, wo seine sonst traditionellen Wutausbrüche gen Null tendierten, als auch außerhalb des Courts wirkte die Nummer sieben der Welt hoch professionell. „Er ist erwachsen geworden“, sagte Deutschlands Tennis-Legende Boris Becker. „Ich glaube, dass das Tennis aktuell mit dem Leben in der Blase ihm ganz gut tut. So kann er sich voll und ganz auf das Wesentliche konzentrieren“, sagte Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann.

Körperlich dürfte Zverev die Strapazen von New York inzwischen ganz gut weggesteckt haben, die Frage ist, wie es um seine Psyche bestellt ist. Zudem geht er ohne jede Matchpraxis auf Sand in das mit rund 38,4 Millionen Euro dotierte Turnier, das wie zuletzt die US Open unter strengen Hygiene-Regeln stattfindet. „Normalerweise würde ich sagen, ist er auf Sand einer der Favoriten. Er hat bei den French Open zum ersten Mal bei einem Grand-Slam-Turnier das Viertelfinale erreicht und fühlt sich in Paris normalerweise sehr wohl“, sagte Becker. Nun fehle aber die Matchpraxis.

Viel wird daher darauf ankommen, wie Zverev ins Turnier findet. Zum Auftakt geht es gegen den Österreicher Denis Novak, Nummer 91 der Welt. „Wenn er dann seine ersten zwei, drei Matches hat, dann ist in der zweiten Woche wieder alles möglich für ihn“, sagte Becker, dem es in seiner Karriere nie vergönnt war, bei den French Open den Titel zu gewinnen.

Zu den ganz großen Favoriten zählt Zverev aber nicht. Schließlich ist Nadal anders als in New York wieder dabei. Novak Djokovic kommt mit der Empfehlung des Turniersieges in Rom und nach der Disqualifikation in New York mit jeder Menge Wut im Bauch. Und Dominic Thiem stand in den vergangenen beiden Jahren in Paris bereits im Endspiel - und kann nach seinem Triumph gegen Zverev in New York befreit aufspielen.

© dpa-infocom, dpa:200924-99-697555/5

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Erstellt:
24. September 2020, 20:04 Uhr

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