Wie zuletzt Becker und Stich: Zverev führt Tennis-Trio an

dpa New York. Mit dem 14. Sieg in Serie erreicht Alexander Zverev das Achtelfinale bei den US Open. Die deutschen Herren sind so gut wie seit der Ära von Boris Becker und Michael Stich nicht mehr vertreten.

Alexander Zverev (Deutschland) retourniert einen Schlag. Foto: Frank Franklin II/AP/dpa

Alexander Zverev (Deutschland) retourniert einen Schlag. Foto: Frank Franklin II/AP/dpa

Alexander Zverev wähnte sich fast schon im unfreiwilligen Urlaub in Südfrankreich.

Nach einer Gala von Gegner Jack Sock im ersten Satz verhinderte der Olympiasieger aber doch noch nervenstark das jähe Aus bei den US Open und machte das beste deutsche Abschneiden bei einem Grand Slam seit 24 Jahren perfekt.

Der Hamburger gewann am Samstag (Ortszeit) sein Drittrunden-Match nach verletzungsbedingter Aufgabe seines amerikanischen Kontrahenten beim Stand von 3:6, 6:2, 6:3, 2:1 und trifft nun auf das Südtiroler Toptalent Jannik Sinner. Erleichtert schleuderte Zverev kurz vor Mitternacht von ihm signierte Tennisbälle ins johlende Publikum.

Für die deutschen Damen ist das Turnier dagegen beendet. Angelique Kerber verlor am Sonntag gegen die 18 Jahre alte Kanadierin Leylah Fernandez mit 6:4, 6:7 (5:7), 2:6 und schied im Achtelfinale aus. Die Turniersiegerin von 2016 musste sich nach 2:14 Stunden geschlagen geben. Damit sind nach dem Aus von Andrea Petkovic die beiden einzigen deutschen Starterinnen in New York gescheitert.

„Wenn Jack so weitergespielt hätte, wäre ich in anderthalb Stunden fertig gewesen“, scherzte Zverev gut aufgelegt beim ersten Interview im Arthur-Ashe-Stadium nach seinem 14. Sieg in Serie. „Dann hätte ich meinen Urlaub geplant und hätte nächste Woche eine gute Zeit in Südfrankreich gehabt.“ Stattdessen erreichte Zverev nach Oscar Otte (Köln) und Peter Gojowczyk (München) als dritter Deutscher in der Herren-Konkurrenz das Achtelfinale. Dies gelang bei einem der vier wichtigsten Turniere zuletzt in der Ära von Boris Becker und Michael Stich, als das legendäre Duo gemeinsam mit Nicolas Kiefer 1997 in der Runde der besten 16 von Wimbledon stand.

Während Zverev trotz seines eindrucksvollen Laufs die Favoritenrolle für den Turniersieg schnell wieder dem Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic zuschob, dürfen die beiden deutschen Qualifikanten ihre sensationellen Erfolge einfach nur genießen. „Ich bin froh zu sehen, dass er jetzt auf dem Niveau spielt, auf dem er wirklich spielen kann“, sagte Zverev über Otte. „Er ist einfach nur jemand, dem es an Disziplin gemangelt hat. Ich hoffe, dass er weiter die Arbeit macht und konstant auf dem Level wird.“

Mit einem Gruß an den Kölner Bundesliga-Fußballer Anthony Modeste und einer spektakulären Seitwärtsrolle bejubelte Otte seinen Achtelfinal-Einzug. Der 28 Jahre alte Qualifikant setzte sich gegen Andreas Seppi aus Italien mit 6:3, 6:4, 2:6, 7:5 durch und steht ebenso wie Gojowczyk erstmals in einem Grand-Slam-Achtelfinale. „Das ist ein Charakter-Erfolg. Ich freue mich so für ihn“, lobte Boris Becker, der das Turnier als TV-Experte für den Sender Eurosport begleitet.

In das Duell mit dem an sechs gesetzten italienischen Wimbledon-Finalisten Matteo Berrettini geht der Weltranglisten-144. Otte trotz allen Selbstbewusstseins nun allerdings als klarer Außenseiter.

Ganz anders Zverev. Die Partie gegen den 20 Jahre alten Sinner werde „extrem unterhaltsam“, prognostizierte der Weltranglisten-Vierte. „Er ist ein junger Typ, der sehr hungrig ist und extrem gut spielt.“ Alles andere als der Einzug ins Viertelfinale wäre angesichts der überragenden Form von Zverev allerdings eine Enttäuschung - auch wenn Sinner ihn im vorigen Jahr bei den French Open bezwingen konnte.

Gegen Sock, der nur mit einer Wildcard ins Turnier gekommen war, musste sich Zverev erstmals bei diesen US Open in einem Durchgang geschlagen geben. Der 28-jährige Amerikaner spielte zunächst überragend, traf fast alles, kam im Auftaktsatz auf sieben Asse und 18 direkte Schläge zum Punktgewinn. In den weiteren Durchgängen setzte sich Zverev dank seiner Extraklasse jedoch durch und zermürbte den angeschlagenen Gegner. Immer wieder hatte Sock in seiner Karriere, in der er bereits Rang acht der Weltrangliste erreicht hatte, mit Verletzungen zu kämpfen. Als Zverev vom Publikum im vierten Satz nach einem beeindruckenden Ballgewinn gefeiert wurde, fasste sich Sock entkräftet an den stark bandagierten Oberschenkel und gab wenig später nach dem Break zum 2:1 für Zverev auf.

© dpa-infocom, dpa:210905-99-98351/5

Alexander Zverev (l) tröstet Jack Sock nach dessen verletzungsbedingter Aufgabe. Foto: Frank Franklin II/AP/dpa

Alexander Zverev (l) tröstet Jack Sock nach dessen verletzungsbedingter Aufgabe. Foto: Frank Franklin II/AP/dpa

Zum Artikel

Erstellt:
5. September 2021, 06:14 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!