Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Zwillinge mit den Roten auf Titelkurs

Leon und Loris Maier zählen mit ihren 20 Jahren beim Fußball-Verbandsligisten TSG Backnang schon zu den Leistungsträgern

„Es verwirrt den Gegner schon ab und zu“, weiß Leon Maier und meint damit, dass neben ihm auch sein Zwillingsbruder Loris das Trikot des Fußball-Verbandsligisten TSG Backnang trägt. Die Wirkung wird noch dadurch verstärkt, dass beide in der laufenden Runde zu den Stammkräften zählen. In 14 von 15 Partien standen die 20-Jährigen zusammen in der Startelf und vieles spricht dafür, dass es auch am morgigen Samstag (14.30 Uhr) beim VfL Pfullingen so ist.

Stiften mit ihrer Ähnlichkeit hin und wieder Verwirrung in den Reihen der Rivalen: Leon Maier (links) und Loris Maier. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Stiften mit ihrer Ähnlichkeit hin und wieder Verwirrung in den Reihen der Rivalen: Leon Maier (links) und Loris Maier. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

„Das sind ja zwei“, habe der Trainer des Kontrahenten beim 0:0 in Berg vor knapp zwei Wochen überrascht festgestellt. Und das nicht etwa vor dem Anpfiff, sondern als die Zwillinge nach ihren Einwechslungen bereits einige Minuten gemeinsam auf dem Platz gestanden hatten. Leon Maier lacht herzhaft, wenn er diese Episode zum Besten gibt, die ihm auf dem Platz zufällig zu Ohren gekommen war. Dass es das bislang einzige Duell in dieser Saison war, in dem die Brüder ihr Können nicht von Beginn an zeigen durften, trübt seine Laune nicht sonderlich. Schließlich änderte sich das zuletzt beim souveränen 4:1-Heimsieg gegen Normannia Gmünd schon wieder.

„Unser Zusammenspiel klappt gut, wir kennen unsere Laufwege“, sagen die Maiers und man könnte hinzufügen, dass das auch kein Wunder ist. Sie gibt es nämlich nur im Doppelpack, seit sie mit der Jagd nach dem runden Leder begonnen haben. Seit mittlerweile sechs Jahren tun sie das in den Etzwiesen, wo sie den Sprung vom Jugend- in den Aktivenbereich schafften und in den vergangenen beiden Spielzeiten auch schon ordentlich Oberliga-Luft schnupperten. „Wir wurden in der ersten Mannschaft sofort gut aufgenommen“, berichten die Rotschopfe, „es hat auch mit allen Trainern gut gepasst.“ In der ersten Saison nach dem Aufstieg ins baden-württembergische Oberhaus waren die Dienste von Loris Maier unter Beniamino Molinari etwas gefragter als die seines Bruders, unter Kurzzeittrainer Andreas Lechner war es zu Beginn der vergangenen Runde eher umgekehrt. Vor zwölf Monaten kam dann Evangelos Sbonias, unter dem inzwischen beide Talente eine wichtige Rolle spielen.

Dass es trotz des starken fünften Platzes in der Rückrunden-Tabelle nicht mehr für den Klassenverbleib reichte, stimmte auch die Maiers traurig, aber sie nahmen die Situation schnell an: „Wir hören öfters, dass wir ein gefühlter Oberligist sind, aber das stimmt nicht. Wir sind die, die abgestiegen sind. Niemand anderes.“ Nicht zuletzt sei es ein Verdienst des Trainerstabs, dass die Truppe den Abstieg spätestens mit Beginn der Vorbereitung abgehakt und sich auf die Mission Wiederaufstieg konzentriert hat. Die läuft bisher optimal, die Murrtaler sind nach 15 Partien noch ungeschlagen. Zwölf Siege und drei Remis bedeuten ein Polster von 13 Punkten auf den Zweiten, trotzdem sei die sofortige Oberliga-Rückkehr „kein Selbstläufer. Wir hatten auch schon schwächere Spiele, in denen wir etwas Glück hatten“, sagt Loris Maier und denkt ans 1:1 in Ehingen oder ans knappe 2:1 gegen Heiningen. „Es ist für jeden Rivalen ein spezieller Anreiz, uns die erste Niederlage zuzufügen“, gibt Leon Maier zu bedenken, der aber auch nicht der Tiefstapelei bezichtigt werden will und deshalb festhält: „Wenn wir konzentriert dranbleiben, können wir unser Ziel erreichen.“

Profikarriere im Hinterkopf, die Oberliga-Rückkehr vor Augen

Auf welchen Positionen sie ihr Scherflein zum Erfolg beitragen, ist den Jungs so gut wie egal. Leon Maier sieht sich zwar im zentralen Mittelfeld zu Hause, hat aber auch kein Problem damit, den derzeit verletzten Benito Baez-Ayala als Rechtsverteidiger zu vertreten: „Ich spiele, wo mich der Trainer hinstellt.“ Sein Bruder besetzt meistens die rechte Offensivseite, schlüpfte aber auch schon in die Rolle des Zehners. „Loris ist eigentlich fürs Toreschießen zuständig“, betont Leon Maier und vergisst natürlich nicht, darauf hinzuweisen, dass in dieser Saison bislang er mit 4:3 Treffern die Nase vorne hat. „Es kommt auch auf die Torvorbereitungen an“, entgegnet Loris Maier und kann fünf Assists ins Feld führen, sein Bruder lediglich deren zwei.

So gekonnt wie sich die beiden am Gesprächstisch die Bälle zuspielen, tun sie es auch auf dem Platz. Insofern ist es schwer vorstellbar, dass sich die sportlichen Wege irgendwann trennen. Bislang habe es sich stets angeboten, miteinander zu wechseln, „schon alleine wegen den Eltern, damit sie nicht zwei Strecken fahren mussten“. Mittlerweile haben Leon und Loris Maier, die Sport und Mathematik auf Lehramt beziehungsweise Technische BWL studieren, selbst den Führerschein und bilden eine Fahrgemeinschaft mit TSG-Keeper Marcel Knauss, damit fällt dieses Argument weg. „Es könnte auch mal auseinandergehen, aber es wäre schon cool, wenn wir zusammenbleiben könnten“, sagen die Zwillinge, die von der Profikarriere träumen: „Dazu würde niemand Nein sagen, aber erst einmal zählt nur der Aufstieg.“ Wie schnell es gehen kann, zeigt das Beispiel von Keven Schlotterbeck: Der Innenverteidiger gehörte 2017 zur Backnanger Aufstiegself, wechselte danach zum SC Freiburg II und spielt inzwischen im deutschen Oberhaus.

Zur Person
Leon und Loris Maier

Am 27. April 1999 kommen Leon und Loris Maier in Schwäbisch Gmünd zur Welt und wachsen im Rudersberger Ortsteil Michelau auf, wo sie bis heute wohnen. Die Zwillinge beginnen mit dem Fußball beim TSV Schlechtbach: „Das war naheliegend, weil schon ein Opa, unser Vater und ein Onkel dort gespielt haben.“

In der D-Jugend wechseln die Brüder zum VfB Stuttgart, aber „wir waren vor allem körperlich hinterher, deshalb ging unser Weg dort nicht weiter“. Der FSV Waiblingen wurde nach eineinhalb Jahren zur nächsten Station, in der B-Jugend schlossen sich die Maiers der TSG Backnang an.

Ihre Verträge in den Etzwiesen laufen noch bis 2021 und gelten für die Oberliga ebenso wie für die Verbandsliga.

Zum Artikel

Erstellt:
15. November 2019, 11:30 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!