Deutsche Welle

160 Stellen betroffen – Auslandssender beschließt Sparmaßnahmen

Die Deutsche Welle muss in diesem Jahr 21 Millionen Euro aus ihrem Etat einsparen. Nach vielen Jahrzehnten wird etwa das Angebot auf Griechisch eingestellt.

Die Deutsche Welle muss sparen.

© /IMAGO/Sabine Gudath

Die Deutsche Welle muss sparen.

Von red/KNA

Wegen der Kürzung des Bundeszuschusses für 2026 hat die Deutsche Welle umfassende Sparmaßnahmen beschlossen. Rundfunkrat, Verwaltungsrat und Geschäftsleitung des deutschen Auslandssenders hätten über ein Paket beraten, um insgesamt 21 Millionen Euro einzusparen, teilte der Sender am Mittwoch in Bonn mit. „Rechnerisch sind rund 160 Vollzeitstellen betroffen“, hieß es. „Betriebsbedingte Kündigungen wird es nicht geben.“

Konkret soll der Griechisch-Dienst eingestellt werden; in anderen Sprachen werde das journalistische Angebot reduziert. Sinken soll etwa das Budget für die Sprachangebote Portugiesisch für Afrika sowie Dari/Paschtu für Afghanistan. Die Ausgaben der spanischsprachigen TV-News werden ebenfalls reduziert.

Auch Weiterbildungen und Veranstaltungen betroffen

Außerdem wird das deutschsprachige journalistische Angebot mit den Deutschlernkursen zusammengelegt. Mehr als ein Drittel der Gesamteinsparungen entfallen den Angaben zufolge auf Infrastruktur und Verwaltung sowie auf Kosteneinsparungen, die durch KI-Einsatz erzielt werden. Betroffen sind unter anderem Weiterbildungen und Veranstaltungen. Zudem würden Mittel für Technik, die Weiterentwicklung von DW-Apps und für Gebäudesanierungen gekürzt. Die Einrichtung neuer Auslandspräsenz werde verlangsamt.

Der Zuschuss des Bundes für die Deutsche Welle wurde im Haushalt 2026 um 10 Millionen Euro auf 415 Millionen Euro gekürzt. Durch einen fehlenden Ausgleich für Tarifsteigerungen fallen nach Angaben der Verantwortlichen gleichzeitig Mehrkosten von 11 Millionen Euro an. Deshalb muss die DW insgesamt 21 Millionen Euro einsparen.

Reichweitenverluste erwartet

Der Vorsitzende des Rundfunkrates, Karl Jüsten, forderte mit Blick auf die Situation in Russland und Iran, die Deutsche Welle müsse eine starke Stimme der Freiheit bleiben. „Dazu braucht sie langfristig eine solide Finanzierung.“ Jetzt müsse der Sender mit deutlichen Reichweitenverlusten rechnen. „Das ist besonders bitter, da Russland und China ihre staatlichen Propagandasender massiv ausbauen und der Rückzug der Amerikaner aus dem Auslandsrundfunk weitere Lücken reißt“, sagte Jüsten.

Der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Achim Dercks, erklärte, die jetzige Kürzung komme nur zwei Jahre nach einem bereits umgesetzten 20-Millionen-Sparpaket. „Und sie steht im Widerspruch zu der von der Regierung im Koalitionsvertrag angekündigten Stärkung der Deutschen Welle.“ Ohne Wiederaufstockung der Mittel im Bundeshaushalt 2027 drohten langfristige Schäden bei journalistischer Qualität, technischer Infrastruktur und Reichweite.

Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit

Auch Intendantin Barbara Massing sprach von einer Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit in einer Zeit, in der eine starke deutsche und europäische Präsenz geopolitisch immer wichtiger werde. Unterstützung bekam der Sender vom Deutschen Kulturrat. Die Deutsche Welle dürfe nicht verzwergt werden, sagte Präsident Christian Höppner. Der unabhängige Auslandssender sei „ein Aushängeschild unserer freien und demokratischen Gesellschaft“.

Die DW ist Deutschlands internationale Informationsanbieterin. Sie verbreitet Nachrichten und Informationen in 32 Sprachen in alle Welt. Die TV-, Online- und Radioangebote der DW erreichen laut Darstellung des Senders jede Woche 337 Millionen Nutzende.

Zum Artikel

Erstellt:
18. Februar 2026, 16:50 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen