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Akteure begeistern das Publikum

Große musikalische und emotionale Bandbreite beim 22. classic-ope(r)n-air – Trotz Unwetterwarnung herrscht „Summertime“

Das Glück ist bekanntlich mit den Tüchtigen. Wenn man dem weisen Spruch glauben darf, sind die Veranstalter und Ausführenden des Backnanger classic-ope(r)n-airs besonders tüchtig. Denn obwohl Regen und Unwetter angesagt waren, blieb der Himmel über Backnang trocken und friedlich und die Veranstaltung konnte im Freien stattfinden.

Rissen die Zuschauer und Zuhörer auf dem Backnanger Marktplatz mit ihrem Gesang mit: die Solisten (von links) Matias Tosi (Bass-Bariton), Jana Marie Gropp (Sopran) und Aaron Cawley (Tenor).

© Jörg Fiedler

Rissen die Zuschauer und Zuhörer auf dem Backnanger Marktplatz mit ihrem Gesang mit: die Solisten (von links) Matias Tosi (Bass-Bariton), Jana Marie Gropp (Sopran) und Aaron Cawley (Tenor).

Von Marina Heidrich

BACKNANG. Kaum zu glauben, dass es dieses mittlerweile traditionelle Konzert nun schon 22 Jahre gibt. Immer noch strahlt das Ereignis Frische, Natürlichkeit und einen ganz eigenen Charme aus. Und immer noch ist die Resonanz darauf riesig, die Backnanger möchten ihr „kleines Verona auf dem Marktplatz“ nicht missen. Das liegt einerseits am deutlich fühlbaren Herzblut der Macher und andererseits an der hohen Qualität der Musiker und Sänger, auf die sich das Publikum jedes Jahr wieder freuen darf.

Auch 2019 begeisterten die Akteure ausnahmslos. Ein von Beginn bis Ende bestens gelaunter Rainer Roos dirigierte als musikalischer Leiter ein durch und durch homogenes Ensemble aus Mitgliedern des Württembergischen Staatsorchesters Stuttgart und den Stuttgarter Philharmonikern. Künstler, die zwar die Musik ernst nehmen, aber trotzdem sichtlich Spaß haben. Das galt auch für die Solisten.

Für die Sopranistin Jana Marie Gropp gibt es nur ein Wort: bezaubernd. In jeglicher Hinsicht. Die junge Sängerin besitzt eine gigantische Bandbreite in puncto Ausstrahlung und Stimme. Ihr klassischer Sopran klingt angenehm weich (Puccini: O mio babbino caro), in den Höhen brillant und kristallklar ohne schrill zu sein. Auch mit ihrer „normalen“ Singstimme konnte Gropp mehr als überzeugen. So machte sie aus dem Musicalhit „Don’t cry for me Argentina“ und aus „Summertime“ (Porgy and Bess) gefühlvolle musikalische Perlen mit einer ganz eigenen Note.

Der irische Tenor Aaron Cawley glänzte mit der Arie des Radames „Celeste Aida“ aus Verdis Oper und verlieh Othello die nötige Wut des vermeintlich Betrogenen. Auch Cawley ist beim Backnanger Ope(r)n Air kein Unbekannter und eroberte sich alte und neue Fans.

Matias Tosis quirlige Bühnenpräsenz bewirkte viel Emotion, der Bariton lieferte sich mit Tenor Cawley amüsante Scheingefechte, denn schließlich geht ein Bariton in der Operngeschichte oft leer aus: Das Mädchen bekommt am Ende der strahlende Tenor. Daher entführte Tosi einfach die hübsche Sopranistin. Doch der Argentinier sorgte auch für feuchte Augen. Seine ergreifende Interpretation von „Caruso“ bewegte viele im Publikum.

Gesangliche Topleistungen, schauspielerisch augenzwinkernd dargebracht und eine große musikalische Stilvielfalt machten auch das 22. Backnanger Ope(r)n Air wieder zu etwas ganz Besonderem. Das Motto lautete 2019 „Summertime“ und was lag näher, als dieses Leitthema mit Vivaldis bekanntestem Werk (Die vier Jahreszeiten) zu untermalen? Rainer Roos Wahl fiel natürlich auf den Sommer, und auf der Marktplatzbühne tobte zumindest musikalisch das Sommergewitter des letzten Satzes.

Matthias Wächter von den Stuttgarter Philharmonikern zeigte hier wahre Virtuosität und riss das Publikum mit seinem Violinspiel zu Bravorufen hin. Ob Instrumentales wie Zimmers Fluch der Karibik oder Tschaikowski, ob spanische Canzone, Musical, Mozart, Verdi oder Puccini, alles zusammen ergab auch 2019 einen zauberhaften musikalischen Cocktail mit großartigen Momenten.

Einziger kleiner Wermutstropfen war dieses Jahr die viel zu enge Bestuhlung der Reihen, die vor allem für Ältere oder Zuhörer mit Gehhilfen beim Erreichen des Sitzplatzes ein Handicap darstellte. Positiv daran war: Man kam sich im wahrsten Sinne des Wortes sehr nah. Vielleicht nehmen die Veranstalter diese von vielen Zuschauern angesprochene Kritik ja als Anregung fürs nächste Jahr. Damit auch 2020 alle Gesichter wie die Sonne strahlen, wenn zum Schluss das traditionelle „O sole mio“ erklingt.

Sie kennen sich seit Jahren: Dirigent Rainer Roos und Musiker des Staatsorchesters Stuttgart sowie der Stuttgarter Philharmoniker. Fotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Sie kennen sich seit Jahren: Dirigent Rainer Roos und Musiker des Staatsorchesters Stuttgart sowie der Stuttgarter Philharmoniker. Fotos: J. Fiedler

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Erstellt:
17. Juni 2019, 06:00 Uhr

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