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Ansingen gegen den Nachwuchsmangel

Männerchor-Event in Althütte mit sieben Chören aus der Region – Gemeinsamer Appell „Singt wieder mehr!“

Für Liebhaber von Männerchören war diese Veranstaltung ein besonderes Ereignis. Lang ist es her: Die Idee hatte damals „Sängervereinigung Welzheimer Wald“ geheißen. Fünf bis acht Chöre trafen sich immer wieder zum gemeinsamen Singen. Die Idee fanden die Verantwortlichen der Chorgemeinschaft Althütte-Sechselberg so faszinierend, dass ihnen eine Neuauflage in den Sinn kam. Ein halbes Jahr wurde geplant. Jetzt war es so weit: Sieben Männerchöre trafen sich in der Festhalle Althütte.

Zum Abschluss treten alle Chöre gemeinsam auf. Als Schlusslied ist „La Montanara“ angesagt. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Zum Abschluss treten alle Chöre gemeinsam auf. Als Schlusslied ist „La Montanara“ angesagt. Foto: J. Fiedler

Von Hans-Christoph Werner

ALTHÜTTE. Gut gefüllt ist die Festhalle. In einer kurzen Pause müssen nochmals Stühle aus dem Lager geholt werden, damit alle Gäste einen Sitzplatz bekommen. Herbert Schäfer begrüßt alle Anwesenden und kommt gleich auf den Punkt. Chorgesang hat es schwer in unserer Zeit, vor allem der reine Männerchorgesang. Da muss Abhilfe geschaffen werden. Flammende Appelle müssen hinaus in die Welt. „Singt wieder mehr! Singen ist schön. Und es wird euch guttun“, sagt Herbert Schäfer. Und auch dies, Herbert Schäfer wendet sich besonders an die Frauen, könne man sagen: „Der Mann wird wieder aktiver in allen Bereichen.“ Ein Lachen geht durch die Runde aller Anwesenden. In schnellem Wechsel folgen nun die Chorbeiträge. Jeder Verein hat ungefähr 20 Minuten Zeit, sich singend zu präsentieren. Altes wie Neues ist dabei, die unterschiedlichsten Lieder, so wie sie die Verantwortlichen eben ausgesucht haben. Und auf nahezu alle Vereine trifft zu: Dirigent oder Dirigentin sind die Jüngsten in der Runde.

Ganz unterschiedlich auch die Geschichte der einzelnen Gesangvereine. Da ist der „Liederkranz Welzheim“ dabei. Er wurde 1829 gegründet und ist damit der älteste unter den teilnehmen Gesangvereinen. Die Chorgemeinschaft „MGV Großheppach-Strümpfelbach“ existiert gerade mal ein Jahr. Markus Specht, der Dirigent, ergriff die Initiative. Er wollte die auf 13 bis 14 Mitglieder geschrumpften Gesangvereine vor Ort nicht sterben lassen und wandte sich mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit. So sind es beim Männerchor-Event 25 Sänger, die auf der Bühne stehen. Durchschnittsalter 70 Jahre. Eine besondere Entstehungsgeschichte hat der „Männerchor Spätlese Wieslauftal“. Mehr oder weniger zufällig, so sagt Sprecher Thomas Baum, hat die Sache begonnen. Vor zehn Jahren. Sangeswillige trafen sich. Bis zum heutigen Tag ist „Spätlese“ kein Verein. Und so war auch kein Vereinsheim für die Gesangsproben vorhanden. Man fragte Gastwirtschaften an und wurde fündig. Der Wirt der Aspergler „Rose“ stellte den Sänger seine Gastwirtschaft zur Verfügung unter der Bedingung, dass er mitsingen dürfe. So geschah es. Allesamt sind sie Rentner. Und unter diesen fand sich einer, der sich die Leitung zutraute. Bei der Darbietung der „Spätlese“ erklatschen die Zuhörer zum ersten Mal eine Zugabe. Anders ist die Entstehung der „Chorgemeinschaft Althütte-Sechselberg“. Weil nur noch neun Sangeswillige zusammenkamen, ging man auf Kooperationspartnersuche. So ist man jetzt, was den Männerchor angeht, mit dem Liederkranz Backnang-Steinbach zusammen. Neben dem so verstärkten Männerchor gibt es in Althütte noch einen Frauenchor und einen gemischten Chor. Ganz neue Wege geht man mit Voices InTakt. Im Mai 2018 kamen zur Gründung dieser jungen Gesangsformation 28 Sangeswillige zusammen. Und gerade ist eine Initiative für einen Kinderchor am Laufen. Das Musical „Florian auf der Wolke“ soll erarbeitet werden. Ein erstes Treffen vor Kurzem macht Hoffnung, dass die Sache gelingen könnte. In Alfdorf wiederum, so sagen die Vorstände des „Sängerkranzes Alfdorf 1858“ Stefan Hientz, Axel Strobel und Anselm Barth, ist es so, dass sich die Zahl der Männer bei 30 eingependelt hat. Durchschnittsalter 72. Man bezeichnet sich selbst als „Traditionschor“, singt klassisches Liedgut.

Neben dem Singen wird auch ein geselliges Programm gepflegt

Besondere Aktionen zur Nachwuchsgewinnung unternimmt man nicht. Und dennoch, so geben die Vorstände an, finden pro Jahr ein bis zwei Sänger hinzu. Allerdings sind in Alfdorf auch erschwerte Bedingungen: Im Ort gibt es drei Männerchöre. Der „Liederkranz Kirchenkirnberg“ wurde 1879 gegründet. Gegenwärtig hat der Männerchor 26 aktive Sänger, im Alter zwischen 30 und 80 Jahren. Neue Sänger, so sagt Vorstand Gerhard Moser, kommen dadurch hinzu, dass man Leute anspricht. Der „Liederkranz Welzheim“, so sagt Vorstand Eberhard Lieb, versucht es mit Kooperationen. Im Männerchor sind sie 22 Sänger, Durchschnittsalter 70. Alljährlich gibt es ein größeres Konzert, die sogenannte Serenade. Die Zuhörerzahl hält sich konstant. Aber das wird auf die Dauer nicht genügen. So kooperiert man. Die Partner sind vor Ort. Es gibt einen evangelischen und einen katholischen Kirchenchor. Eine Besonderheit ist sicherlich der „Gesangverein Harmonie Waldrems-Heiningen“. Das fällt schon rein zahlenmäßig bei dem Gesangs-Event auf. Während die anderen Chöre um die 20 Sänger auf die Bühne brachten, sind es bei der „Harmonie“ ungefähr 35. Dazu erblickt man unter den Sängern auch junge Gesichter. Die Altersspanne reicht, so sagt Sänger Alfred Sammet, von 16 bis 80 Jahren. Wolfgang Wurst, 48, ist seit sieben Jahren dabei. Neue Sänger, so sagen die beiden Vereinsmitglieder, kämen von sich aus hinzu. Zum Teil sind es auch Angehörige der aktiven Sänger, die auch mitmachen wollen. Neben dem Singen wird auch ein großes geselliges Programm gepflegt. Jedes Jahr gibt es einen gemeinsamen Ausflug. Und die Jahresfeier, zum Teil mit Theaterstück, ist der Höhepunkt des Vereinsjahres. Knappe vier Stunden nehmen die Gesangsdarbietungen in Althütte in Anspruch. Zum Abschluss treten alle Chöre gemeinsam auf. Als Schlusslied ist „La Montanara“ angesagt. „Doch meine Sehnsucht brennt“, heißt es im Liedtext, „im Klang alter Lieder.“ Beifall brandet auf. Als der letzte Ton verklungen ist, wollen einige Sänger noch eins draufsetzen. Sie animieren die anderen, dass jetzt noch der „Bajazzo“ dran ist.

Noten sind nicht zur Hand. Das muss jetzt jeder Sänger, weil zum ständigen Repertoire gehörig, auswendig wissen. Und so klingt es durch die Festhalle: „Ich bin kein Bajazzo, bin auch ein Mensch wie du, und leise schlägt mein Herz dir zu.“ Im Lied sind die Worte an eine namenlose Geliebte gemeint. In Althütte konnte es jeder Zuhörer auf sich beziehen: Komm, sing doch mit!

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Erstellt:
29. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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