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Arbeiten mit der Kettensäge

Michael Weick beim Bildhauersymposium 2019: Zum vierten Mal ist er bei dieser Kunstaktion in St. Blasien mit dabei

Mitten in der Domstadt St. Blasien entstehen beim Internationalen Bildhauersymposium im öffentlichen Raum Skulpturen. In diesem Jahr wählte eine Jury aus 236 Bewerbern aus über 50Nationen die wenigen Künstler aus, die zur Teilnahme zugelassen werden. Michael Weick aus Backnang war schon zum vierten Mal dabei.

Motiv Aktentasche: Michael Weick mit dem fertigen Werk in St. Blasien. Foto: privat

Motiv Aktentasche: Michael Weick mit dem fertigen Werk in St. Blasien. Foto: privat

Von Claudia Ackermann

BACKNANG/ST. BLASIEN. Eine Woche lang zieht das Internationale Bildhauersymposium in St. Blasien im Schwarzwald zahlreiche Besucher an. Mitten in der Stadt können sie den insgesamt 16 ausgewählten Künstlern über die Schulter schauen, wenn ihre Skulpturen aus Holz entstehen.

Michael Weick aus Backnang besuchte vor Jahren im Urlaub diese Kunstveranstaltung. Im Jahr 2013 entschloss er sich, sich selbst mit dem Entwurf einer geschwungenen Regenbogenwürfelsäule zu bewerben und wurde prompt angenommen. Er arbeitet seine Skulpturen mit der Kettensäge aus dem vollen Holz heraus und bevorzugt dabei ausgeklügelte, geometrische Formen.

2016 ging Michael Weick in St. Blasien etwa mit sich durchdringenden Holzringen aus einem einzigen mächtigen Stamm an den Start. „Ich kann ziemlich gut dreidimensional denken“, sagt der diplomierte Ingenieur, der sich in seinem Berufsleben mit Konstruktionsmethoden an Computerarbeitsplätzen beschäftigte. Für das diesjährige 24. Internationale Bildhauersymposium ging er erstmals andere Wege. Er wollte die Skulptur eines Alltagsgegenstands erschaffen und entschied sich für eine überdimensionale Aktentasche. Das Holz aus dem Schwarzwald wird den Künstlern zur Verfügung gestellt.

Aus Argentinien, dem Iran oder Syrien wurden Teilnehmer ausgewählt. Jedem wird ein Arbeitsplatz in der Stadt zugewiesen, der mit einer Überdachung vor Sonne und Regen geschützt ist. Dieses Mal hatte man Glück mit dem Wetter, und es gab nur an einem Tag einen kleinen Regenguss. Michael Weick ließ seine Skulptur direkt auf dem Vorplatz des Doms entstehen. „Von morgens bis abends ist man umringt von Zuschauern“, erzählt er. Die Künstler inspirieren und helfen sich gegenseitig. Weick ist geübt beim Umgang mit der Kettensäge und gibt auch schon mal anderen Hilfestellung, wie einer jungen Künstlerin aus Ägypten, der er half, mit der Motorsäge einen Sockel für ihr Kunstwerk „Archaische Ägyptische Harfe“ zur besseren Präsentation anzufertigen.

Unterkunft und Verpflegung sind für die Teilnehmer kostenlos, und es wird eine Aufwandsentschädigung für die Anfahrt gestellt. Dafür verpflichten sich die Künstler, ihre Werke der Stadt St. Blasien zur Versteigerung zu überlassen, die am Ende der Woche stattfindet. Von 16 Skulpturen fanden 14 einen Käufer. Ein Erlös von insgesamt 31700 Euro wurde erzielt, der wiederum in die Organisation der Veranstaltung fließt, so Weick.

Von Montag bis Freitag wird an den Skulpturen gearbeitet. Samstags werden alle auf den Domvorplatz transportiert, wo eine Bühne aufgebaut ist und Bands das Publikum unterhalten. Höhepunkt ist jedes Jahr eine Feuerperformance, bei der das Duo Pialeto aus der Schweiz eine riesige Konstruktion aus gebrauchtem Holz abbrennt. Die ganze Woche haben die Performancekünstler daran gebaut, und es entwickelt sich ein Schattenbild, wenn das etwa 10 Meter hohe und 30 Meter breite Werk in Flammen aufgeht. Pyrotechnik kommt eindrucksvoll zum Einsatz, berichtet Michael Weick. Die Versteigerung der Skulpturen fand dann am vergangenen Sonntag statt und wurde dieses Mal von Entertainer Hansy Vogt geleitet.

Dass Michael Weick zur Holzbildhauerei gekommen ist, war eigentlich reiner Zufall. Als er Anfang der 1990er-Jahre in Backnang ein Haus kaufte, standen 25 Fichten auf seinem Grundstück, die bis zu 13 Meter hoch waren. Weick kaufte sich eine Kettensäge und fertigte aus dem Stammholz seine erste Skulptur an. Es war eine polynesische Figur. Eine Reise nach Hawaii hat ihn zu dem Motiv inspiriert. Dort hatte er übrigens am Ironman-Triathlon teilgenommen. Körperliche Fitness kommt ihm auch beim Arbeiten mit der schweren Kettensäge zugute.

Das Holz der Fichten ist längst aufgebraucht. Sein Haus und den Garten zieren zahlreiche Skulpturen. Aus verschiedenen Quellen bekommt er mittlerweile sein Material. So hat ihm etwa ein Landwirt aus Schöntal einen vier Meter langen Buchenstamm, der einen Durchmesser von einem Meter hat, geliefert. „Da habe ich für die Wintermonate wieder zu tun“, schmunzelt Weick. Sein Arbeitsplatz ist auf einer Wiese hinter dem Haus. Auch für das Internationale Bildhauersymposium im nächsten Jahr will er sich wieder bewerben. Ideen für neue Skulpturen hat er schon genug.

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Erstellt:
5. September 2019, 06:00 Uhr

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