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Aus Douglasienholz wird ein Naturwesen

Zum dritten Mal arbeiten bei den Rietenauer Holzkunsttagen unter Leitung von Miklós Vajna Amateure und Profis an ihren Objekten

Eine Woche lang wurde auf dem Pfarrgütle mit Kettensägen gearbeitet, mit Klüpfel und Beitel geklopft und mit scharfen Eisen geschnitzt, um Skulpturen entstehen zu lassen. Heute gehen die dritten Rietenauer Holzkunsttage zu Ende. Ob Laie ohne Vorkenntnisse oder ausgebildeter Künstler – jeder konnte mitmachen.

Naturwesen sind ein beliebtes Motiv, mit ihnen verknüpfen die Menschen ganz besondere Bilder und Fantasien: Jo Nagel bei seiner Arbeit auf dem Pfarrgütle in Rietenau. Fotos: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Naturwesen sind ein beliebtes Motiv, mit ihnen verknüpfen die Menschen ganz besondere Bilder und Fantasien: Jo Nagel bei seiner Arbeit auf dem Pfarrgütle in Rietenau. Fotos: A. Becher

Von Claudia Ackermann

ASPACH. Schon von Weitem ist das Motorengeräusch der Kettensägen zu hören, nähert man sich dem Pfarrgütle, einer Wiese am Ortsrand von Rietenau. Mächtige Teile von Baumstämmen werden grob bearbeitet. Hilfestellung gibt Miklós Vajna vom Heimat- und Kulturverein Rietenau, der die Holzkunsttage 2017 ins Leben gerufen hat. Der Pianist hat außer Musik auch Kunst studiert. 37 Jahre lang war er Lehrer an der Jugendmusikschule Backnang. Seit Mai ist er im Ruhestand und kann sich jetzt umso ausgiebiger seinen verschiedenen künstlerischen Interessen und Aktivitäten widmen.

Jüngste Teilnehmerin an den Holzkunsttagen ist Xenia Weller aus Rietenau. Die 18-Jährige hat noch nie mit Holz gearbeitet und wollte einfach mal mitmachen. Zeit dafür hat die Schülerin in den Sommerferien. Aus weichem Lindenholz arbeitet sie die Skulptur eines Bären heraus. Miklós Vajna hilft beim Absägen grober Stücke und gibt Tipps. Seine Tochter Katharina Vajna ist ebenfalls unter den Teilnehmern. Sie lebt in Freiburg, wo sie Bildhauerei studiert hat, und ist zu den Holzkunsttagen in ihre alte Heimat Rietenau gekommen. Eine Freiform aus Eschenholz mit gerundeten Formen entsteht. Gekonnt hantiert sie mit der schweren Motorsäge.

Ein Experte beim exakten Arbeiten mit der Kettensäge ist Michael Weick. Aus einem Eschenstamm hat er zwei große Stelen herausgesägt. In einer davon wurden geometrische Formen herausgearbeitet, die auf beiden Seiten unterschiedlich sind und so interessante Lichtdurchbrüche ergeben. Er wurde mit seiner speziellen Holzkunst schon viermal zum Internationalen Bildhauersymposium nach St. Blasien in den Schwarzwald eingeladen. In der Gruppe bei den Holzkunsttagen mitzumachen, eröffne ihm neue Einflüsse und Anregungen, sagt der Backnanger.

Da ist etwa der freischaffende Bildhauer Jo Nagel aus Althütte, der künstlerisch ganz anders mit dem Material Holz umgeht. Er hat einen mächtigen Douglasienstamm gewählt, aus dem er das Gesicht eines Naturwesens herausarbeitet. Dabei nutzt er die natürliche Zweifarbigkeit und die Linien des Holzes. Auch seine Lebensgefährtin Dani Lüdecke ist mit von der Partie. Sie hat vor Jahren bei einem Kurs in der Toskana ihre Leidenschaft für die Bildhauerei entdeckt und die Bildhauerklasse der Kunstschule Waiblingen besucht. Ihre abstrakte Holzskulptur ist ein Spiel zwischen harten und weichen Linien mit ineinander verschachtelten Formen.

Die Holzkunsttage bieten für Laien und Künstler den Vorteil, Equipment wie die Kettensäge benutzen zu können. Auf dem Pfarrgütle, dessen Nutzung der Rietenauer Obst- und Gartenverein erlaubt hat, hält sich die Lärmbelästigung für Anwohner in Grenzen. Vor Regen oder Sonne schützen die großen Schirme, die die Gemeinde Aspach zur Verfügung gestellt hat. Besucher kommen vorbei und beobachten die Entstehung der Werke.

So ist auch die Teilnehmerin Claudia Weiß dazugekommen. Bei früheren Holzkunsttagen hat sie sich das Ganze erst einmal angeschaut und sich in diesem Jahr entschieden, selbst mitzumachen. Die gebürtige Rietenauerin hat lange in der Pfalz gelebt und sich dort in Workshops mit Tonskulpturen oder Bildhauerei mit Sandstein beschäftigt. Jetzt arbeitet sie erstmals mit Holz und es entsteht ein Tischlein aus einem einzigen Stück eines Eschenstamms. Eberhard Rapp hat sich ebenfalls für einen Nutzgegenstand entschieden. Es soll eine künstlerisch gestaltete Sitzgelegenheit für den Garten werden. Außerdem arbeitet der Mitbegründer des Kunstvereins Aspach, der dort zehn Jahre lang Vorsitzender war, an einer abstrakten Skulptur für seinen Garten.

Abstrakt arbeitet auch Sylvia Bollinger aus Aspach, die bereits zum zweiten Mal dabei ist. Sie lässt sich von der Form des Holzes inspirieren. „Das Holz zeigt mir den Weg“, sagt sie. Dass man seine Arbeit den Gegebenheiten des Materials anpassen muss, hat auch Gunda Strohmaier erfahren. Ihr ursprünglicher Plan eines Kunstobjekts mit Schubladen war aufgrund eines Risses im Holz nicht mehr durchführbar. „Man muss sich mit dem Material beschäftigen und darauf eingehen“, so die Aspacherin, die sich mit verschiedenen Formen von Kunst beschäftigt. Auch Andrea Blum, die Kunst an der Freien Kunstschule Stuttgart studiert hat, ist vielseitig künstlerisch aktiv. Als freischaffende Künstlerin widmet sie sich vorwiegend der Malerei, aber auch der Glaskunst und Bildhauerei. Für ihre Holzskulptur, eine Figur mit zwei Köpfen, hat sie zuvor eine Vorlage aus Ton angefertigt. Künstler und Kunstinteressierte mit ganz unterschiedlichen Vorkenntnissen treffen aufeinander.

Die Arbeiten können am Sonntag, 15. September, zum Tag des Schwäbischen Waldes bei der traditionellen Hocketse am Rathaus Rietenau besichtigt werden. Auch im nächsten Jahr finden die Holzkunsttage wieder im August statt.

Sylvia Bollinger hat sich ein abstraktes Objekt vorgenommen.

© Pressefotografie Alexander Beche

Sylvia Bollinger hat sich ein abstraktes Objekt vorgenommen.

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Erstellt:
23. August 2019, 11:30 Uhr

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