Bibliothek als „dritter Ort“ gewinnt an Bedeutung

Marion Busch ist die neue Leiterin der Backnanger Stadtbücherei – Ausbau von Kooperationen im Blick

„Mich hat es schon immer fasziniert, mit Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und mit Medien zu arbeiten“, sagt Marion Busch, die neue Leiterin der Backnanger Stadtbücherei. In den vergangenen zehn Jahren hatte sie die Gemeindebücherei in Altbach im Landkreis Esslingen geleitet.

Ungefähr 400 Menschen kommen jeden Tag in die Stadtbücherei Backnang, die nun von Marion Busch geleitet wird. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Ungefähr 400 Menschen kommen jeden Tag in die Stadtbücherei Backnang, die nun von Marion Busch geleitet wird. Foto: A. Becher

Von Ingrid Knack

BACKNANG. Der Ausbildungs- und Berufsweg von Marion Busch ist gradlinig. Studium des Bibliothekswesens und Medienmanagements, Angestellte in einer Bücherei, Leiterin einer kleineren Bibliothek in Altbach und nun der großen Backnanger Stadtbücherei. Die Arbeit in der Bücherei der Gemeinde Altbach, die knapp 6000 Einwohner zählt, hatte den Vorteil, dass Busch in allen Bereichen des Bibliothekswesens tätig war. Dies reicht von der Etatverantwortung über die Ausleihe an der Theke bis hin zur konzeptionellen Ausrichtung der Institution und zur Veranstaltungsarbeit. Wie in Backnang gab es auch Spieleabende. „Das finde ich eine ganz tolle Idee“, so Marion Busch. Die Spieleabende möchte sie beibehalten. Drei- bis viermal im Jahr werden die Backnanger in die Stadtbücherei eingeladen, um dort mit Gleichgesinnten Gesellschaftsspiele zu spielen.

Seit 22. Oktober arbeitet die 34-Jährige in Backnang als Nachfolgerin von Marianne Engelhardt, die in den Ruhestand ging. Vieles, was bisher als gesetzt galt, wird es auch weiterhin geben. „Toll sind die Puppentheater im Sommer“, findet Busch. Und der Lesespaß für Bücherzwerge – für Kinder ab drei Jahren. „Es wird hier einiges für die Leseförderung getan“, freut sie sich und nennt die „Heiß-auf-Lesen-Aktion“ während der Sommerferien als Beispiel. Auch die Backnanger LiteraTour, das große Lesefest für alle Kinder und Jugendlichen aus den Backnanger Schulen und für die Backnanger Bevölkerung, das alle drei Jahre über die Bühne geht, findet sie faszinierend. „2020 wird die Bücherei sich wieder beteiligen wollen“, signalisiert sie schon einmal ihre Bereitschaft, sich wie ihre Vorgängerin für die größte Kinder- und Jugendbuchwoche weit und breit engagieren zu wollen. Eine feste Größe in der Stadt sind mittlerweile auch die „Backnang Stories“. Eine Lesung aus dem neuen, im Leseratten-Verlag erschienenen Buch „Backnang Stories 2018 4kids“ in der Stadtbücherei hat sie kurz nach ihrem Antritt der neuen Stelle als Chefin der Bibliothek miterlebt.

Seit einigen Wochen gibt es in der Stadtbücherei frei zugängliches WLAN. „Es war das Erste, mit dem ich mich befasst habe“, lässt Busch wissen.

Was aber möchte sie verändern oder neu einführen? „Wichtig ist mir die Leseförderung. Da würde ich gerne die Kooperationen in Backnang ausbauen“, erklärt Marion Busch. Im Blick hat sie beispielsweise Kindergärten und weiterführende Schulen und „dass wir als aktiver Bildungspartner auftreten“.

Die Bücherei ist auf unterschiedlichen Ebenen ein Lernort – Stichworte Medien- und Informationskompetenz. Zwar gehört die Vermittlung solcher Kompetenzen schon immer zu den Kernaufgaben einer Bibliothek, in einer digitalen Welt werden sie aber zunehmend wichtiger und komplexer. Es geht nicht nur darum, wie man sich Informationen beschafft (Medienkompetenz), sondern vor allem auch um die Frage: „Wie kann man Informationen bewerten?“ Schließlich gilt es, die guten und hochwertigen Informationen aus der Flut seriöser und unseriöser Veröffentlichungen herauszufiltern. Medien- und Informationskompetenz gehören dazu, wenn Schüler für ihre Referate recherchieren. In der Bücherei bekommen sie dabei Unterstützung. „Wir werden zwei weitere PC-Arbeitsplätze bekommen, dass Schüler dort für ihre Referate arbeiten können“, freut sich Marion Busch. In diesem Zusammenhang spricht sie die Chancengleichheit in Sachen Informationen an. Und dies nicht nur in Bezug auf die Schüler. „Wir versuchen, auch ein bisschen der digitalen Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken. Jeder kann die Angebote nutzen, unabhängig von Alter, Herkunft und sozialen Status.“ Der Zugang zu Informationen wird auf vielfältige Weise bereitgestellt. Künftig soll es in der Stadtbücherei möglich sein, auf wichtige Datenbanken wie Munzinger (unter anderem Biografien), Brockhaus und Genios (etwa Veröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften) zugreifen und Wissenswertes abrufen zu können. Die Hauptzielgruppe sind dabei Schüler weiterführender Schulen. Auch eine digitale Sprechstunde kann sich Busch vorstellen. Dabei geht es um digitale Bildung vor Ort.

Überdies werde in Zeiten des digitalen Wandels die Rolle der Bibliothek als „dritter Ort“ immer wichtiger, macht Marion Busch deutlich. Der „erste Ort“ sei das Zuhause, der „zweite Ort“ die Schule oder der Arbeitsplatz und der „dritte Ort“ die Bibliothek als Lernort, als Informationszentrum, als Aufenthaltsort (Lesecafé), als Ort der Begegnung und des Austauschs, als generationenübergreifender Treffpunkt. Ein Trend sei, dass die Ausleihzahlen von Medien weltweit zurückgingen, die Bibliothek als Aufenthaltsort aber immer wichtiger werde. Die Aufenthaltsdauer der einzelnen Besucher nehme hingegen zu.

Was liest Marion Busch privat? „Ich lese so ziemlich alles, es wechselt je nach Stimmung“, verrät die Büchereileiterin. Soeben habe sie „Königskinder“ von Alex Capus gelesen. Den Autor hat sie live erlebt und war begeistert. „Schön wäre ab und zu eine Veranstaltung für Erwachsene – vielleicht ein Vortrag oder eine Autorenlesung“, hatte Marion Busch zuvor geäußert.

Mit Blick auf andere Veranstalter hat sie vor, „Felder, in denen wir uns betätigen, zu komplettieren. Es ist keine Konkurrenz. Man ergänzt sich.“ An Ideen mangelt es nicht. Doch bei Neuerungen möchte sie bedacht vorgehen: „Man muss erst einmal wissen, was gefragt ist.“

Info
Berufsweg

Marion Busch, geboren in Heilbronn, besuchte in Weinsberg das Justinus-Kerner-Gymnasium. Noch in der Schulzeit absolvierte sei ein Praktikum in der Stadtbibliothek Heilbronn. Während ihres Studiums an der Stuttgarter Hochschule der Medien folgte ein weiteres, diesmal halbjähriges Praktikum in einer Bibliothek.

Arbeit in der Stadtbücherei Albstadt. Anschließend übernahm sie 2008 die Leitung der Gemeindebücherei in Altbach.

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Erstellt:
28. Dezember 2018, 06:00 Uhr

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