Auftritt in Stuttgart

Bülent Ceylan in der Schleyerhalle: Schwäbisch als erste Fremdsprache

Der Mannheimer Supertürke schwingt sich in seinem neuen Programm zum Diktator auf und marschiert in Holland ein.

Der Comedien stand am Freitagabend in der nahezu ausverkauften Hanns-Martin-Schleyer-Halle auf der Bühne (Archivbild).

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Der Comedien stand am Freitagabend in der nahezu ausverkauften Hanns-Martin-Schleyer-Halle auf der Bühne (Archivbild).

Von Thomas Morawitzky

Möglicherweise steckt ja in jedem Menschen ein kleiner Diktator, der mangels Gelegenheit nie ganz zur Entfaltung kommt. Nur bei Bülent Ceylan ist das anders. In ihm steckt geschätzt ein halbes Dutzend Diktatoren. Der Comedien, der am Freitagabend in der nahezu ausverkauften Hanns-Martin-Schleyer-Halle auf der Bühne steht, hat teils deutsche, teils türkische Vorfahren.

Sein neues Programm heißt: „Diktatürk“. Premiere hatte es vor einem Monat im hessischen Wetzlar, nun ist Bülent Ceylan auf seinem Siegesmarsch in Stuttgart angekommen. Da steht er, in protziger Uniform, und nimmt sich vor, in Holland einzumarschieren: „Ich brauche mehr Strände!“ Für eine solche Eroberung würde Bülent Ceylan gerne auch das eine oder andere Opfer bringen. Karlsruhe zum Beispiel hält er für verzichtbar.

„Schlank ist er nicht“ – Ceylan parodiert Diktatoren

Ganz zu Beginn ist Ceylan mit Orden behängt, schaut aus seinem Diktatorenkostüm hervor, ein Glucksen im Gesicht, und grüßt Kollegen wie Kim Jong-un, den „nordkoreanischen Sitzball mit Beinen“ – „Schlank ist er nicht, aber es heißt ja auch nicht Dünntator. Das war ein Diktatorenwitz“. Ceylans „R“ rollt feucht über die Lippen, er lässt Menschen, die wählten, kurzerhand verhaften, er verordnet ein Lachübung, und wenn ein Witz nicht sitzt, dann wird der Witz, wer hätte das gedacht, getürkt.

Ceylan selbst ist der badische Wohlfühltürke mit Winnetoufrisur, ein allzeit sprudelnder Quell der Albernheit, ein quasselnder Superheld der Komik, der sich im Laufe des Abends mehrfach verwandeln wird. Der Diktator ist die neue Figur in seinem Kabinett. Sein Bühnenbild ist ein großer goldener Rahmen, in dem Bülent Ceylan als Portrait in seiner jeweils aktuellen Rolle erscheint – als „Dikta-Thor“ mit Hammer und schlecht sitzendem Muskelanzug, als „Mompfred“, Harald oder als Anneliese, die nur über Frauen herzieht, die noch dümmer sind als sie.

Erst einmal aber steigt er aus seiner Uniform, steht dann in Zivil da: „Es ist so schwer, sich aus einer Diktatur zu befreien!“ Für seine realen Politkollegen hat er nur sehr unschöne Worte übrig, egal in welchen Teil der Welt. Als er begonnen habe, sein neues Programm zu schreiben, sagt Bülent Ceylan, habe er noch nicht geahnt, wie weit sich dieses Thema entwickeln werde.

Am Freitag jedenfalls sorgt er dafür, dass die Wirklichkeit doch noch einmal von der Komödie überholt wird, tauft Deutschland um zu Ceyland, erklärt den Mannheimer Dialekt zur Amtssprache und den schwäbischen, so nett ist er nun mal, zur ersten Fremdsprache. Was noch? „Headbangen wird Schulsport!“

Flammenwerfer und Pyroshow in der Schleyerhallle

Längst schon hat Bülent Ceylan sich als Freund und Interpret harter Musik zu erkennen gegeben. Er trat mit Metal-Bands auf, gastierte bei ihrem Festival in Wacken. In der Schleyerhalle spielt er ein wenig mit dem Flammenwerfer und grollt zuletzt, mit großer Pyroshow, zu peitschenden Gitarren, seinen eigenen Rocksong: „Habt euch endlich wieder alle lieb!“

Lange davor steigt er ins Publikum hinab („Ali, hol die Leiter!“) dreht die Runde, kommandiert Euphorie, beklagt die Diktatur der Mobiltelefone, fürchtet sich vor „Trumpelstilz“, dichtet den Erlkönig neu in Döner-Deutsch, guckt und grinst und ist ansonsten doch auch sehr zufrieden: „Ah, des isch schee, wenn ma bled isch! Des dud guat!“

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Erstellt:
21. März 2026, 14:48 Uhr

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