„The Abyss“, „True Lies“ und „Aliens“ neu fürs Heimkino

Cameron bügelt seine „Aliens“ glatt

James Cameron ist nicht nur für Filme wie „Titanic“ berühmt, sondern auch für sein Faible für technische Innovationen. Nun bringt er KI-bearbeitete Neuauflagen dreier historischer Werke in die Heimkinos.

Szene aus dem alten Film „Alien “

© picture-alliance / dpa/20th_Century_Fox

Szene aus dem alten Film „Alien “

Von Kathrin Horster

Seufzend und mit Leidensmiene hebt der Youtube-Vlogger „Ramboraph4life“ in einem altmodischen Ohrensessel sitzend zu einer Verbalvernichtung von Hollywood-Regisseur James Cameron an. Grund für die einundzwanzigminütige Tirade ist eine Neuveröffentlichung dreier zentraler Filme aus dem Werkkorpus des „Avatar“- und „Titanic“-Schöpfers, die Ende April auch auf dem deutschen Markt in einer von Cameron selbst abgesegneten 4K-Abtastung erschienen sind.

Eigentlich ein Grund zur Freude, denn bisher waren weder das Science-Fiction-Abenteuer „The Abyss“ (1989) über die mysteriöse Tiefseehavarie eines U-Bootes, noch die Actionkomödie „True Lies“ (1994) mit Arnold Schwarzenegger als Geheimagent in der Terrorbekämpfung als Bluray-Heimkinoausgaben zu bekommen. Mit „Aliens – Die Rückkehr“ (1984) liegt nun auch eine restaurierte Fassung des viel gelobten, zweiten Teils der Alien-Reihe vor, in der Sigourney Weaver als kämpferische Offizierin im All das Menschenkind Newt vor der wütenden Alienkönigin beschützen muss.

Viele Filmliebhaber sind wütend

James Cameron ist bekannt für sein Faible, sich mit innovativen Techniken und Spezialeffekten zu beschäftigen. Seit den inzwischen historischen Drehtagen von „Aliens“, „The Abyss“ und „True Lies“ hat sich allerdings die Filmtechnik erheblich weiter entwickelt. Statt auf analogem Filmmaterial wird inzwischen rein digital gedreht. Setzte man etwa für „Aliens“ noch auf Puppen und aufwendige Masken, werden heutige Monster mit Hilfe computergenerierter Bilder, kurz CGI, zum Leben erweckt.

All das nimmt Einfluss auf den Look eines Films; genau da setzt die Wut von Filmliebhabern wie dem US-Vlogger „Ramboraph4Life“ an. Denn Cameron hat seine alten Werke für die Neuausgaben mit Hilfe von KI bearbeiten lassen. Dave Lee, ein australischer Kollege von „Ramboraph4Life“, würdigt die Effekte dieser Bearbeitung in seiner Videorezension sachlicher und lobt immerhin, die Bilder wirkten nun „crisp and clear“, also „knackig und klar“. Doch er moniert das fehlende Filmkorn, die teils von der KI glattgebügelte Mimik der Darsteller, den besonders im Fall von „The Abyss“ unnatürlichen Look.

Altersspuren sollen weg

Bei „Aliens“ und „True Lies“ leide die bewusst schmutzige und düstere Atmosphäre, meint Lee. Solche kritischen Stimmen finden sich zuhauf im Netz. Die Passion mancher Filmemacher, das eigene Werk über Alter und Vergessen hinweg zu retten, ist nachvollziehbar und in vielen Fällen angebracht. Die Frage ist nur, welcher Mittel sich dieser Erhaltungswille bedienen sollte.

James Cameron arbeitet offenkundig mit Hochdruck daran, Altersspuren aus seinen Filmen zu tilgen, um sie – kassenträchtig – heutigen Sehgewohnheiten angepasst neu zu vermarkten. Damit überschreibt er bewusst die eigene Entwicklung als kreativer Autor, der sich im Laufe seiner Karriere verschiedener, inzwischen überholter Techniken bedienen musste, um seine Geschichten auf die Leinwand bringen zu können. Wer Filme jedoch auch als Zeitmaschinen versteht, die neben dem puren Plot vergangene Produktionsweisen und Ästhetiken konservieren, wird mit solchen nachträglich bearbeiteten Versionen wohl kaum glücklich werden.

The Abyss/True Lies/Aliens. Ab sofort als 4K UHD-Blurayausgaben im Handel erhältlich. Als Streamingangebot sind die Filme bei Amazon Prime und bei Apple verfügbar.

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Erstellt:
7. Mai 2024, 14:30 Uhr

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