Schauspieler Oliver Wnuk

„Das Beste kommt nicht, es ist schon da“

Schauspieler und Autor Oliver Wnuk wird am 28. Januar 50 und schenkt sich zum runden Geburtstag ein nachdenkliches Buch über die Dinge des Lebens.

Oliver Wnuk weiß, auf einem Bein steht man schlecht.

© IMAGO/Eventpress

Oliver Wnuk weiß, auf einem Bein steht man schlecht.

Von Tilma

Bekannt wurde er durch Stromberg, weitergemacht hat er mit Filmen, weiteren Serien und Büchern. Heute, kurz vor seinem 50. Geburtstag, macht sich Oliver Wnuk Sorgen um die Unterhaltungsbranche.

Herr Wnuk, im Vorwort zu Ihrem Buch „Besser wird’s nicht“ bezeichnen Sie sich als Clown und Hofnarr. Gleichzeitig wollen Sie mit Ihrem Beruf der Allgemeinheit dienen. Ein Widerspruch?

Im Gegenteil. Ich sehe mich nach wie vor als Clown, mal lustig, mal traurig. Wir alle in der Unterhaltungsbranche sind abhängig Beschäftigte, denn wir sind davon abhängig, dass uns jemand zuhört oder zusieht. Das Fernsehpublikum hat die Fernbedienung in der Hand und kann jederzeit umschalten.

Dass die ARD Ihre Reihe „Das Leben ist kein Kindergarten“ eingestellt hat, muss andere Gründe haben. Wissen Sie, welche?

Nein, das weiß ich bis heute nicht. An der Beliebtheit kann’s in der Tat nicht gelegen haben, die Filme werden regelmäßig in den dritten Programmen wiederholt. Ich bekomme nach wie vor Zuschriften von Menschen, die bedauern, dass die Reihe nicht fortgesetzt worden ist. Für mich war das Schreiben der Drehbücher eine tolle Erfahrung.

Erklärt sich so auch der pessimistische Titel Ihres Buchs? „Das Beste kommt noch“ wäre optimistischer gewesen.

Der Titel soll etwas Anderes signalisieren: Wenn du jetzt nicht erkennst, wie gut es dir geht, wirst du es nie erkennen. Es gibt in jedem Leben so viel, dessen man sich glücklich schätzen kann; wer das nicht sieht, dem wird auch kein noch so hoher Kontostand helfen. Das Beste kommt nicht, es ist schon da.

Ihre erste Reihenrolle war ab 2003 „K3 – Kripo Hamburg“, 2011 folgte „Nord Nord Mord“. Als Sie vor dreißig Jahren Ihre Ausbildung zum Schauspieler begonnen haben, war Ihr Hauptmotiv vermutlich nicht die Hoffnung, ständig Kommissare zu verkörpern.

Das stimmt, doch damals bestand das TV-Angebot an Filmen und Serien auch noch nicht zu gefühlt achtzig Prozent aus Krimis. Wer da nicht mitmachen will, ist faktisch arbeitslos. Man kann das aber auch anders betrachten. „Nord Nord Mord“ ist die erfolgreichste Krimi-Marke des ZDF, inklusive Mediathek haben wir regelmäßig bis zu zwölf Millionen Zuschauer; das ist für die heutige Zeit eine enorme Zahl. Außerdem habe ich das große Glück, mit „Stromberg“ an einem der beliebtesten Comedy-Formate der letzten zwanzig Jahre beteiligt zu sein.

Die Medienweltverändert sich gerade rapide. Wie nehmen Sie das wahr?

Wir Schauspieler tauschen uns ja regelmäßig untereinander aus, und da gibt es einige, die durchaus bekannt sind, aber keine Angebote bekommen. Die Gesamtsituation entwickelt sich dramatisch, das betrifft die gesamte Branche.

Woran liegt das?

Corona war ein drastischer Einschnitt. Ein Film, der vor der Pandemie eine Million Zuschauer hatte, hätte heute nur noch eine halbe Million. Mit „Der Schuh das Manitu“ hatten wir 2001 zwölf Millionen Besucher. „Das Kanu des Manitu“ hatte sechs Millionen Zuschauer, aber die Zahl ist genauso hoch einzuschätzen wie damals die zwölf Millionen; die Erfolge haben sich halbiert.

Gilt das nur fürs Kino?

Nein. Ich bin derzeit mit meinem Bühnenprogramm unterwegs, die Veranstaltungen sind zum Teil ausverkauft, aber das ist alles andere als selbstverständlich. Ich höre immer wieder von Veranstaltern, wie schwer es ist, die Säle zu füllen. Die Leute gehen einfach nicht mehr so oft raus wie früher.

Davon müsste doch eigentlich das Fernsehen profitieren.

Leider nicht, weil die Finanzierung von TV-Projekten gerade bei ARD und ZDF deutlich schwieriger geworden ist: Die Produktionskosten sind nicht zuletzt wegen der Inflation ungleich höher als vor fünf Jahren, aber die Rundfunkbeiträge sind das letzte Mal 2021 gestiegen; deshalb wird insgesamt deutlich weniger produziert als damals. Angesichts dieser Rahmenbedingungen in einer derart erfolgreichen Reihe wie „Nord Nord Mord“ mitwirken zu dürfen, bringt daher eine gewisse Planungssicherheit mit sich. Eine Rolle wie den Hinnerk Feldmann spielen zu dürfen, mit der man identifiziert wird, ist ein echtes Privileg.

Obwohl der Klugscheißer Feldmann nicht unbedingt ein Typ ist, den man sofort ins Herz schließt?

Ja, das merke ich auch an den Kommentaren in Social Media: Die Figur polarisiert, es gibt da regelrechte Hasskommentare, das ist in den letzten Jahren echt krass geworden. Heute wird es viel weniger akzeptiert, wenn jemand aus der Reihe tanzt. Die Zahl der positiven Kommentare ist aber um ein Vielfaches höher.

Kämen Sie auch ohne die Schauspielerei über die Runden? Könnten Sie allein vom Verkauf Ihrer Bücher und der Eintrittskarten für Ihre Auftritte leben?

Ich denke schon, aber die Frage erübrigt sich, denn ich arbeite wahnsinnig gerne als Schauspieler. Dass ich außerdem meine eigenen Gedanken vortragen darf und dafür auch noch Applaus bekomme, ist doch toll. Auf der Bühne und vor der Kamera kann ich wie nirgendwo sonst meine Impulse ausleben und meiner Intuition vertrauen.

Muss man als Entertainer heutzutage auch Unternehmer sein?

Unbedingt. Die Branche wird durch Künstliche Intelligenz einen großen Umbruch erleben, daher bin ich sehr froh, mehrere Standbeine zu haben. Ich rate allen Kolleginnen und Kollegen, nicht allein auf die Schauspielerei zu vertrauen, wenn sie auch musizieren, schreiben oder tanzen können. Niemand von uns kann sich darauf verlassen, dass die Leute einen morgen noch sehen wollen.

Viel mehr als ein „TV-Clown“

Schauspiel Oliver Wnuk, am 28. Januar 1976 in Konstanz geboren, gehört dank der ProSieben-Serie „Stromberg“ (2007 bis 2012) und den ZDF-Krimis „Nord Nord Mord“ (seit 2011) zu den bekanntesten deutschen Schauspielern. In den letzten 25 Jahren wirkte er in über 130 Film- und Fernsehproduktionen mit.

Schreiben Zudem hat er mehrere Romane, Kinderbücher, Theaterstücke und Hörspiele verfasst. Zur dreiteiligen ARD-Reihe „Das Leben ist kein Kindergarten“ (2020 bis 2023) hat er auch die Drehbücher geschrieben. Einen Tag nach seinem Geburtstag erscheint im Carlsen-Verlag das Buch „Besser wird’s nicht“ (160 Seiten, 16 Euro), eine um Zeichnungen von Tobias Vogel (alias kriegundfreitag) ergänzte Sammlung heiterer und nachdenklicher Gedanken zu Themen wie Liebe, Freundschaft, Streitkultur, Glaube, Identität und Heimat.  

Termine  Wnuk ist derzeit auf Lesereise und macht am 29. 1. Halt in München, am 30.1. in Hannover, am 1.2. in Hamburg, am 5.2. in Tübingen. Alle Termine: oliverwnuk.de .

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Erstellt:
26. Januar 2026, 14:58 Uhr

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