Das große Wiedersehenskonzert

An diesem Samstagabend spielt das Städtische Blasorchester Backnang ein Konzert im Bürgerhaus. Nachdem die Jahreskonzerte in den vergangenen zwei Jahren ausfallen mussten, ist die Freude entsprechend groß. Die hohen Coronafallzahlen machen es dem Dirigenten allerdings schwer.

Christian Wolf hatte als professioneller Dirigent und Leiter einer Musikschule ungewohnt viel Zeit in der Pandemie. Archivfoto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Christian Wolf hatte als professioneller Dirigent und Leiter einer Musikschule ungewohnt viel Zeit in der Pandemie. Archivfoto: A. Becher

Von Anja La Roche

Backnang. Sie sind wieder da. Endlich können die Musiker des Städtischen Blasorchesters Backnang wieder ihr jährliches Konzert zum Besten geben. Nachdem 2020 und 2021 das Jahreskonzert pandemiebedingt ausfallen musste und die Proben über die längste Zeit der Pandemie hinweg auf Eis lagen, steht morgen ein Wiedersehenskonzert im Backnanger Bürgerhaus an. „Die Freude ist nicht wirklich in Worte zu fassen. Wir haben eine lange Durststrecke hinter uns und freuen uns, endlich wieder das, was wir lieben, an die Menschen geben zu können“, sagt der Vorstand des Städtischen Blasorchesters Patrick Wolff.

Um 19.30 Uhr beginnt das Konzert, das zunächst vom Bläsernachwuchsorchester und Jugendblasorchester eröffnet wird. Das Städtische Blasorchester wird dann ein bunt zusammengestelltes Programm spielen. Es werden sowohl sinfonische Stücke auf anspruchsvollem Niveau als auch unterhaltsame Kompositionen zu hören sein. Zum Beispiel stehen Auszüge aus „Das Phantom der Oper“ sowie „Fluch der Karibik“ auf dem Programm. Auch ein solidarisches Zeichen für die kriegsleidenden Ukrainer plant das Orchester zu setzen; es hat hierfür die ukrainische Nationalhymne einstudiert.

Die Coronapandemie schränkte die Orchesterproben stark ein

Der Dirigent des Städtischen Blasorchesters Christian Wolf freut sich, wie auch der Vorstand Patrick Wolff, enorm auf das anstehende Konzert im Bürgerhaus. Dass dieses nicht wie sonst üblich den Namen „Jahreskonzert“ trägt, ist nicht nur der großen Freude auf das Wiedersehen geschuldet. Es soll auch verdeutlichen, dass es sich nicht um das gleiche Angebot handelt wie bei den vergangenen Jahreskonzerten. Denn nach zwei Jahren Pandemie, in denen besonders Blasmusiker stark in ihrem Schaffen eingeschränkt wurden, ist das einstige Niveau des Städtischen Blasorchesters verständlicherweise noch nicht wieder erreicht. Das Orchester gilt zwar als eines der besten Amateurblasorchester in Deutschland und steigerte sein Niveau mit dem Profimusiker Christian Wolf noch weiter – doch viele Monate ohne Proben hinterlassen ihre Spuren. „Wir sind alle sehr gespannt, was wir morgen auf die Bühne bringen werden“, so der Dirigent.

Um seinen Musikern in der Zeit ohne Präsenzproben zumindest etwas Motivation zu vermitteln, probierte Christian Wolf einige Alternativen aus, die den üblichen Proben im Vereinshaus nahekommen sollten. Zum Beispiel dirigierte er sein Orchester in Form einer Videokonferenz. Doch als zukunftsträchtiges Format stellte sich das nicht heraus. „Die Gemeinschaft fehlt da einfach“, sagt der Dirigent über Online-Proben. Zuletzt probte das Orchester auch ein paarmal im großen Saal des Bürgerhauses, denn dort ist Abstand halten platztechnisch möglich. Doch jetzt, wo das Bürgerhaus sein eigenes Programm wiederaufgenommen hat, ist das nicht weiter möglich. Klar ist: Die Auswirkungen der Pandemie auf das Städtische Blasorchester Backnang sind weiterhin zu spüren, beispielsweise daran, dass viele Musiker sich umorientierten und das Orchester verlassen haben. Vor Corona umfasste es etwa 90 Musiker, aktuell sind es nur noch etwa 65.

Die Pressewartin des Orchesters, Christine Wolff, spielt dort Querflöte und kann den Eindruck des Dirigenten bestätigen. Besonders nach der recht kurzfristigen Absage des Jahreskonzerts 2020 sei es schwierig gewesen, die Motivation hochzuhalten und alleine daheim zu proben. Deswegen sei das anstehende Wiedersehenskonzert umso toller für die Blasmusiker, so Christine Wolff. „Alle haben jetzt große Motivation, ein richtig tolles Konzert auf die Beine zu stellen“, weiß die Flötistin von ihren Kollegen. Sie selbst kann aus privaten Gründen nicht am Konzert teilnehmen.

Das Jugendblasorchester ist gut durch die Pandemie gekommen

Mit der Pandemie besser zurechtgekommen ist hingegen das Jugendblasorchester. Dieses habe im Gegensatz zum Städtischen Blasorchester keinen Musikerschwund zu verzeichnen, berichtet die Pressewartin. Das hänge zum einen damit zusammen, dass der Dirigent des Jugendblasorchesters, Sebastian Rathmann, sehr viele Online-Probeformate für die Jugendlichen angeboten hatte. Zum anderen konnte das nur halb so große Orchester bereits früher wieder in Präsenz proben, als es für das Städtische Blasorchester möglich war.

Christian Wolf muss nun noch bis zum Konzertabend zittern. Fatal wäre es, wenn er sich selbst kurz vorher positiv auf das Coronavirus testen würde. Spannend bleibt auch, welche Musiker überhaupt morgen mitspielen können. Aktuell seien zehn Blasmusiker des Orchesters in Quarantäne. Davon können sich allerdings einige heute oder morgen freitesten. „Wir wissen erst am Samstag, mit welcher Besetzung wir auf der Bühne stehen werden“, so der Dirigent Christian Wolf.

Es gibt noch Karten

Abendkasse Es sind noch Karten an der Abendkasse im Bürgerhaus Backnang erhältlich. Der Eintritt kostet zehn Euro für Erwachsene und fünf Euro für Schüler und Studenten.

Solidarität Ukrainische Geflüchtete erhalten an der Abendkasse kostenfreien Eintritt, wenn sie sich entsprechend ausweisen. Hierfür ist vorab eine Anmeldung unter info@blasorchester-backnang.de notwendig, mit Anzahl und Namen der Personen.

Regeln Es sind die am Samstag noch geltenden Coronaregeln wie die Maskenpflicht und der 3-G-Nachweis vorgeschrieben.

Zum Artikel

Erstellt:
1. April 2022, 11:30 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Kultur im Kreis

Fast vergessene Oper wieder ausgegraben

Frieder Bernius präsentiert morgen im Backnanger Bürgerhaus Conradin Kreutzers romantische Oper „Der Taucher“ in zwei Akten nach einer Ballade von Friedrich Schiller. Die Musik Kreutzers ist inspiriert von der italienischen Oper.