„Das Stück passt perfekt in diese Zeit“

Mit dem Weihnachtsklassiker „Hilfe, die Herdmanns kommen!“ beginnt am 5. Dezember die neue Spielzeit im Bandhaus-Theater. Kernstück des Winterprogramms ist aber die Komödie „Kunst“. Sie hat den Leiterinnen Jasmin Meindl und Juliane Putzmann zufolge eine aktuelle Botschaft.

Jasmin Meindl (links) und Juliane Putzmann mussten wegen Corona oft ins Nichts planen. Jetzt aber steht das Winterprogramm – und für 2022 sind auch schon Ideen da. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Jasmin Meindl (links) und Juliane Putzmann mussten wegen Corona oft ins Nichts planen. Jetzt aber steht das Winterprogramm – und für 2022 sind auch schon Ideen da. Foto: A. Becher

Backnang. Eigentlich hätte die neue Spielzeit ein bisschen anders aussehen sollen, sagen die Bandhaus-Chefinnen Jasmin Meindl und Juliane Putzmann. Doch wie so oft hatte die Pandemie Einfluss auf den Gang der Dinge. Dennoch sind Meindl und Putzmann zufrieden mit ihrem Winterprogramm. Im Interview sprechen sie über das neue Stück „Kunst“, das am 11. Dezember Premiere feiern wird, über die eventuelle Fortführung des Backnanger Kultursommers und über Corona. Natürlich.

Frau Meindl, Frau Putzmann, warum haben Sie sich für das Stück „Kunst“ von Yasmina Reza als Herzstück des Winterprogramms entschieden?

Meindl: „Kunst“ ist ein Stück, das wir schon länger in Backnang machen wollten, schon vor Corona. Aber es hat bisher nie geklappt, aus verschiedenen Gründen. Jetzt weiß ich, warum. Obwohl das Stück lange vor der Pandemie geschrieben wurde, passt es perfekt in diese Zeit. Es zeigt: Wenn uns in zwischenmenschlichen Konflikten der Humor abhanden kommt, wird es schwer, wieder zueinanderzufinden. Außerdem ist es als Dreipersonenstück für uns momentan gut umzusetzen: Je weniger Personen beteiligt sind, desto einfacher.

Den Auftakt bildet aber nicht „Kunst“, sondern der Weihnachtsklassiker „Hilfe, die Herdmanns kommen!“. Wieso?

Putzmann: Die „Herdmanns“ kamen gleich zu Beginn zu uns, als Jasmin und ich neu in Backnang angefangen haben. Das ist einfach eine tolle Geschichte, ein tolles Stück. Mittlerweile haben wir die „Herdmanns“ jedes Jahr im Programm.

Ein Abend der Gedichtinterpretationsreihe „Lyrik ist nicht schwyrik“ komplettiert das Programm.

Meindl: Christian (Muggenthaler, Anm. d. Red.) macht in jeder Spielzeit ein bis zwei Lyrikabende für uns. Dieses Mal geht es um den Romantiker Novalis. An den Abenden geht es darum, mit dem Publikum in die Gedichte der Lyriker einzutauchen, sie gemeinsam zu entdecken, um herauszufinden, welche Techniken die Dichter verwenden und in welcher Weise sie den Zeitgeist der jeweiligen Epochen wiedergeben.

Eine Komödie, ein Weihnachtsklassiker und ein Lyrikabend – man hat den Eindruck, dass Sie mit Ihrem Angebot alle abholen möchten. Ist das so?

Putzmann: Das war von Beginn an unser Ansatz. Wir wollten immer schon für alle und mit allen zusammen Theater machen.

Meindl: Eigentlich haben wir immer ein Spielzeitmotto. Dieses Mal wollten wir uns mit dem Thema Arbeit auseinandersetzen, aber bei den Stücken, mit denen wir geplant hatten, sind die Besetzungen riesig. Deshalb haben wir das erst einmal verschoben.

Putzmann: Wir hätten in dieser Spielzeit eigentlich auch noch ein weiteres Stück im Programm gehabt. „Der goldne Topf“ von E.T.A. Hoffmann – auch ein Romantiker. Das Märchen ist Sternchenthema im Abitur. Aber das Stück musste krankheitsbedingt verschoben werden. Wir planen damit in der kommenden Saison.

Der Backnanger Kultursommer war ein großer Erfolg. Dürfen wir uns 2022 auf eine Neuauflage freuen?

Putzmann: Eigentlich war das nur eine einmalige Aktion. Aber so viele Leute sind hinterher auf uns zugekommen und haben gesagt: „Wir freuen uns schon aufs nächste Jahr!“ Jedes Jahr schaffen wir das allerdings nicht. Das war ein wahnsinniger Kraftakt, der sehr viel Vorlauf hatte.

Meindl: Wir würden uns über ein neues Freilichtstück im nächsten Jahr freuen. Vor der Kulisse der Stiftskirche auf dem Freithof würde sich die Geschichte des Gänsekriegs richtig schön erzählen lassen. Und wenn die Bühne schon eingerichtet ist, könnte man auch noch ein Kinderstück aufführen und Konzerte organisieren. Aber das können wir nur, wenn uns die Stadt, so wie 2017, dabei unterstützt. Das hatte damals richtig gut geklappt.

Steht das Programm für den Beginn des neuen Jahres auch schon fest?

Meindl: Wir sind auf jeden Fall schon in der Planung für die nächste Saison – die dann tatsächlich unter dem Motto Arbeit stehen soll. Am 19. Februar soll das Stück „Kleiner Mann – was nun?“, nach dem Roman von Hans Fallada, aufgeführt werden.

Putzmann: Es geht um einen einfachen Arbeiter und seine Frau, die zusammen auf keinen grünen Zweig kommen.

Meindl: Im März folgt dann eine Lesung mit Julia Friedrichs in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Kreutzmann. Ihr Buch „Working Class“ handelt davon: Wer sind die Arbeiter von heute? Das Thema Arbeit ist in vielerlei Hinsicht spannend: Was bedeutete Arbeit früher für die Menschen, was heute? Wie wird sie sich in Zukunft verändern? Und wie wirken sich diese Veränderungen auf den Zusammenhalt in einer Gesellschaft aus? Die Industriegeschichte der Stadt gehört zur DNA von Backnang.

Putzmann: Außerdem wird es noch ein Konzert der Band Roots’n’Branches mit Biggi Binder geben. Die Band hat eigentlich für Januar angefragt, aber so wie es momentan aussieht, ist nicht sicher, ob das Konzert dann auch wirklich stattfinden kann. Es wird aber auf jeden Fall kommen, sobald die Pandemie es zulässt.

Wie hat die vierte Coronawelle Ihr Schaffen beeinflusst?

Meindl: Wir wussten lange nicht, ob wir in den Wintermonaten überhaupt aufmachen dürfen. Aktuell gilt bei uns 2Gplus und wir dürfen nur die Hälfte der Sitzplätze besetzen, das heißt 50 von 100. Das ist für uns sehr schwierig, weil die Abendgagen wieder eingespielt werden müssen. Corona hat bei uns wirklich Sand ins Getriebe gebracht.

Putzmann: Seit der Pandemie planen wir eigentlich ins Nichts hinein. Man stellt das Programm zusammen, druckt den Spielplan – und plötzlich steht die Frage im Raum, ob wir überhaupt öffnen dürfen. Bisher waren wir immer sehr lösungsorientiert. Aber so langsam nervt’s einfach.

Meindl: Deswegen ist unser neues Stück „Kunst“ auch so wichtig. Es wirkt wie eine Antidepressivapille. Bei mir und um mich herum nehme ich eine um sich greifende Resignation wahr. Ich glaube, wir können alle eine ordentliche Dosis Humor gebrauchen. Lachen ist doch die beste Medizin.

Das Gespräch führte Melanie Maier.

Die Bandhaus-Chefinnen und das neue Winterprogramm

Jasmin Meindl wurde 1975 in Regensburg geboren. Seit 2013 leitet die studierte Theaterpädagogin mit Juliane Putzmann das Bandhaus-Theater. Zuvor besuchte sie die Akademie für darstellende Kunst in Ulm und die Theaterwerkstatt Heidelberg. In den vergangenen 15 Jahren hat die Theatermacherin und Autorin viele Stücke geschrieben und teils selbst inszeniert, etwa das Stück „Clara Schumann – Die Patriarchin“.

Juliane Putzmann, 33, ist im Allgäu aufgewachsen und hat viele Jahre in München gelebt, wo sie als Jugendliche das erste Mal mit dem Theaterspiel in Berührung kam. 2012 machte sie an der Theaterwerkstatt Heidelberg die Ausbildung zur Theaterpädagogin. Regelmäßig arbeitet sie mit Kindern und Jugendlichen an Schulen und inszeniert Stücke mit der Backnanger Bürgerbühne am Bandhaus-Theater.

Programm Der Weihnachtsklassiker „Hilfe, die Herdmanns kommen!“ wird am 5. Dezember von 17 Uhr an aufgeführt. Der Abend aus der Reihe „Lyrik ist nicht schwyrik“ mit Christian Muggenthaler beginnt am 17. Dezember um 19 Uhr. Die Komödie „Kunst“ wird am 11. (20 Uhr), 12. (17 Uhr), 18. (20 Uhr), 19. (17 Uhr) sowie am 31. Dezember (18 und 21 Uhr) gespielt. Alle Infos gibt es unter: www.bandhaus-theater.de

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Erstellt:
3. Dezember 2021, 14:24 Uhr

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