Der Bauwagen geht wieder auf Reisen

Bürger sind eine Woche lang im Oktober eingeladen, selbst zu Protagonisten zu werden und sich mit persönlichen Dingen an der Gestaltung des Raums um den Wagen zu beteiligen. Nachdenken über lebenswerte Orte ist das Ziel.

Im Kulturregion-Bauwagen befand sich 2019 ein Pop-up-Friseursalon. Unter Trockenhauben hörten die Besucher Geschichten aus der Region an. Foto: Kulturregion Stuttgart

Im Kulturregion-Bauwagen befand sich 2019 ein Pop-up-Friseursalon. Unter Trockenhauben hörten die Besucher Geschichten aus der Region an. Foto: Kulturregion Stuttgart

Von Ingrid Knack

BACKNANG. Die Festivals der Kulturregion Stuttgart haben es in sich. Sie konfrontieren Kunstfreunde und auch oft ganz zufällig vorbeikommende Passanten mit ungewöhnlichen Ideen und Installationen. Das kann so aussehen: Alltägliche Gegebenheiten oder Objekte werden mit anderen bekannten Einrichtungen kombiniert. Im realen Leben sind die hier in einem Kontext auftauchenden Dinge aber nicht miteinander verknüpft. Durch den Zusammenklang entsteht ein Kunstprodukt, dem etwas Irreales anhaftet. Nicht Zusammengehöriges verschmilzt in der Kunst zu einer Einheit. Wie zum Beispiel die Installation im Rahmen des Festivals 2020 unter dem Thema „Unter Beobachtung. Kunst des Rückzugs“. In Backnang positionierte Dirk Schlichting einen wenige Quadratmeter großen Kunstbunker auf der Oberen Walke. Und er ließ uns die Illusion, er wohne darin. Wie das aussah, kann man noch heute in einem Youtube-Video sehen (Stichwort: „Station-P“ von Dirk Schlichting). Im Jahr davor wurden in einem als Friseursalon eingerichteten Bauwagen Geschichten erzählt. Nun schickt die Kulturregion diesen Bauwagen wieder auf Reisen. Auch in Backnang macht er Station. In der Woche vor dem Gänsemarkt und am Gänsemarkt-Sonntag, also vom 25. bis 31. Oktober, wird er in Backnang stehen, lässt die Stadt Backnang auf Anfrage wissen. Auf seiner Tour 2021 dient er als Transporter für verschiedene Materialien und Module, mit denen der ihn umgebende öffentliche Raum gestaltet wird. Bürger können sich mit persönlichen Dingen, die ein lebenswertes Leben symbolisieren, daran beteiligen. Reiner Gauger lässt in seiner Funktion als Pressesprecher der Stadt dazu wissen: „Der so entstehende Raum soll Anlass und Bühne sein für Gespräche zwischen und mit den Menschen vor Ort: Ein Radioteam soll mit den Menschen ins Gespräch kommen über Fragen wie: Was ist ein lebenswerter Ort, was macht das Leben lebenswert? Zu diesen Themen werden Sendungen beziehungsweise Podcasts produziert.“ Welcher Radiosender dies sein wird, stehe noch nicht fest. Die Radio-AG des Backnanger Max-Born-Gymnasiums wird sich darüber hinaus voraussichtlich an der Kampagne beteiligen. Gauger: „Der genaue Standort des Bauwagens in Backnang steht noch nicht fest. Angedacht sind der Platz gegenüber dem Helferhaus oder der Markgrafenhof.“

Zum Hintergrund: Für den Zeitraum 2021 bis 2025 hat die Kulturregion Stuttgart das Leitthema „Lebensräume“ gewählt. In diesem Zusammenhang ist auch beabsichtigt, gezielt Themenbereiche zu bearbeiten, die auf die IBA’27 Bezug nehmen. 2021 soll der Frage nachgegangen werden: Wie wird man eigentlich kreativ und was kann man dadurch nachhaltig bewirken?

Die Kulturregion Stuttgart möchte den öffentlichen/halb öffentlichen Raum in eine Ideenschmiede verwandeln und dazu anregen, sich mit dem Übermorgen zu beschäftigen. In einer Veröffentlichung über die Pläne heißt es: „Hier ist alles erlaubt – malen, werkeln, bauen, aber auch nachdenken über die kreative Gestaltung eines Miteinanders. Der Bauwagen der Kulturregion Stuttgart wird zum mobilen Kreativlabor der Region. Bespielt werden der Wagen und seine Umgebung von Künstlerinnen und Künstlern aus der Region. Diese bieten Workshops mit verschiedenen Schwerpunkten an.“

Was macht unser Leben eigentlich aus? Und was kann ich eigentlich mit einem alten Instrument, Autoreifen oder auch einem vermeintlich kaputten Drucker machen? Fragen wie diese sollen dabei im Mittelpunkt stehen. Eine Ausstellung im Inneren des Bauwagens ist als Inspirationsquelle gedacht.

Die Kampagne 2021 führt auf die Thematik des Projekts 2022 hin: „Was benötigen wir tatsächlich zum Leben? Wie viel ist uns ein nachhaltiges Leben wert? Das Projekt befasst sich mit Themen wie nachhaltige Lebensräume oder auch dem Minimalismus. Dies kann zum einen auf provokative Weise geschehen, zum anderen sollen Lösungsansätze durch die Kunst aufgezeigt werden.“

In und vor dem Bauwagen wurden 2019 Geschichten aus der Region erzählt. Nun wird der Bauwagen wieder auf die Reise geschickt. Foto: F. Kleinbach

In und vor dem Bauwagen wurden 2019 Geschichten aus der Region erzählt. Nun wird der Bauwagen wieder auf die Reise geschickt. Foto: F. Kleinbach

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Erstellt:
11. Juni 2021, 06:00 Uhr

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