Die Juze-Gemeinschaft lebt weiter

Beim Galaabend zum nachgeholten 50-jährigen Geburtstag des Backnanger Jugendzentrums im Bürgerhaus werfen die Verantwortlichen einen Blick zurück auf die reiche Geschichte der Einrichtung. Auch in Zukunft soll es viele neue Projekte geben.

Eine Flasche Bier in der Hand und eine Extraportion Lebensfreude im Ausdruck: So präsentiert sich die Juze-Band „Megacore“ beim Galaabend im Backnanger Bürgerhaus. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Eine Flasche Bier in der Hand und eine Extraportion Lebensfreude im Ausdruck: So präsentiert sich die Juze-Band „Megacore“ beim Galaabend im Backnanger Bürgerhaus. Foto: J. Fiedler

Von Jutta Rieger-Ehrmann

Backnang. Das Juze lebt vor allem vom Engagement und der Begeisterung seiner Mitglieder und der vielen Ehrenamtlichen. Dies zeigt sich auch an diesem besonderen Abend im Jahr 50 plus 1, die Gala musste pandemiebedingt verschoben werden – wie einiges andere auch, nach der Gründung des Vereins Aktion Jugendzentrum am 6. April 1971.

Das Juze Backnang ist das älteste, noch bestehende, selbstverwaltete Jugendzentrum Deutschlands. Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Was heißt nun Selbstverwaltung? Alle Entscheidungen werden gemeinsam und basisdemokratisch im Plenum, der sonntäglichen „Inforunde“ getroffen, alle Aufgaben und Posten, gewählt in der jährlichen Mitgliederversammlung, von Ehrenamtlichen übernommen. „Kein städtischer Sozialarbeiter oder sonstiger Außenstehender hat hier ein Wort mitzureden“, so zu lesen in der Juze-Broschüre. Das betont auch der Erste Vorsitzende Janosch Renner in seiner Rede.

Verschiedene Arbeitskreisekümmern sich um vielfältige Themen

Ehrenamt, Respekt, Solidarität und Demokratie seien die tragenden Säulen des Juze und die Werte, die man dort kennenlernen könne: „Das Juze, dein Sprungbrett ins Leben.“ Schwerpunkte der Arbeit sind die Gemeinschaft, das Haus in der Mühlstraße 3 (seit 35 Jahren) hat täglich geöffnet, dies bedeutet auch täglichen Thekendienst, und die Veranstaltungen: Musikevents, das Straßenfest (2022 zum 50. Mal), die 35. Juze-Murr-Regatta und vieles mehr.

Ein besonderes Highlight ist auch die neu eröffnete Indoor-Mini-Ramp, die mithilfe eigener Tatkraft und der Unterstützung durch Sponsoren realisiert werden konnte. Außerdem gibt es zahlreiche Arbeitskreise, vom AK Konzert über den AK Fußball, AK Elektrogrill und Megacore (ehemaliger „Männerchor“), der am späteren Abend einen etwas „schrägen“ Auftritt hinlegt, bis hin zu den neu geplanten AKs Gentrifizierung (in Bezug auf die Planungen im Rahmen der IBA) und die externe Gruppierung „Rems-Queer Kreis“ – die erste queere Jugendgruppe im Rems-Murr Kreis, die im Juze Räumlichkeiten zu Nutzung bekommt. Darüber hinaus finden auch Kooperationen statt, beispielsweise mit Fridays for Future und den Partnerstädten Annonay, dafür 2007 ausgezeichnet mit dem Europapreis des Rems-Murr-Kreises, sowie Chelmsford. Und welches Juze hat schon einen AK Chronik? Anhand alter Fotos, Dokumente, Zeitungsartikel und Interviews wird die Geschichte aufgearbeitet, ein Buch ist in Arbeit.

In einem Podiumsgespräch informieren die federführenden Jako Richter vom Vorstand und Armin Holp vom Kreisjugendring über die unterschiedlichen Phasen an den drei Standorten: Heininger Weg 22, Schlachthofstraße 4a und Mühlstraße 3. Angefangen hat es in der Flower-Power- und Hippie-Ära. Weiter ging es mit den Friedensbewegten und der Jazz-Phase bis dann der Punk Einzug hielt. Es folgte eine Krise, ausgelöst durch „immer mehr NoFuture-Typen“, bis das Juze dann 1987 dank des Backnanger OB Hannes Rieckhoff (inzwischen Ehrenmitglied des Juze) in den neuen Räumen in der Mühlstraße neu durchstarten konnte. Auch Armin Holp wird bei der Jubiläumsgala zum Dank für seinen unermüdlichen Einsatz die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Zur Feier des Tages überreicht der Erste Bürgermeister der Stadt Backnang Siegried Janocha dem Vorstand ein großes Gebäck mit dem Juze-Logo, verbunden mit den Glückwünschen der Stadt und dem Dank für das große Engagement.

Das Juze soll auch weiterwachsen und gedeihen, so der Wunsch

Neben den namentlich Erwähnten wie den Landtagsabgeordneten Gernot Gruber und Ralf Nentwich, den Stadträtinnen und Stadträten Regina Konrad, Sabine Kutteroff und Heinz Franke, feiern viele Ehemalige, Eltern, Unterstützer und eine große, bunte und vielfältige Zahl junger Menschen im ausverkauften Bürgerhaus. Bei Buffet, Fingerfood, Sekt, dem einen oder anderen „Feierabendbierchen“, einem abwechslungsreichen Programm und vielen lange vermissten persönlichen Begegnungen und Gesprächen. Der Geräuschpegel ist dadurch teilweise etwas hoch. Aber es wird trotzdem an den richtigen Stellen geklatscht und gejubelt. Wichtig sei, so der Moderator Benjamin Wich, dass das Juze „weiter wachse und gedeihe“ und auch in Zukunft viele junge Menschen vom „süßen Honig des Ehrenamtes im Juze kosten werden“.

Das Juze soll ein Ort für alle sein, ein „Safe Space“, das betont auch Ayleen Erb vom Vorstand und verantwortlich für die Pressearbeit. Für viele sei es wie eine „zweite Heimat“. Man sei auch verbunden durch ein umfangreiches Netzwerk mit zahlreichen Interessierten, anderen Jugendzentren, Gemeinden und Partnerstädten. Beeindruckend, was die Ehrenamtlichen des Juze Backnang auf die Beine stellen und wie kreativ, motiviert und lebendig die Juze-Gemeinschaft nach wie vor ist.

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Erstellt:
25. April 2022, 06:00 Uhr

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