Die Linien gehen ihre eigenen Wege

Die Sommerpause in der Galerie im Helferhaus Backnang ist vorbei. Die Ausstellung „AEO Linie | Licht | Energie – Zeichnung und Cyanotypie“ ist bis 10. Oktober zu sehen. Linien sind das verbindende Element der Künstler Eva Aurich, Hildegard Esslinger und Hartmut Ohmenhäuser.

Die Ausstellung „AEO Linie | Licht | Energie – Zeichnung und Cyanotypie“ des Heimat- und Kunstvereins im Backnanger Helferhaus wird heute eröffnet. Die Künstler sind (von links): EvaAurich, Hildegard Esslinger und Hartmut Ohmenhäuser. Fotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Die Ausstellung „AEO Linie | Licht | Energie – Zeichnung und Cyanotypie“ des Heimat- und Kunstvereins im Backnanger Helferhaus wird heute eröffnet. Die Künstler sind (von links): Eva Aurich, Hildegard Esslinger und Hartmut Ohmenhäuser. Fotos: J. Fiedler

Von Claudia Ackermann

Backnang. Sie haben sich während ihrer Studienzeit an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart kennengelernt: Eva Aurich, Hildegard Esslinger und Hartmut Ohmenhäuser. Auch Ulrich Olpp, Vorsitzender des Heimat- und Kunstvereins, studierte zu jener Zeit dort, kennt ihre Arbeiten und hat jetzt wieder die Verbindung hergestellt. Die Künstlerin Eva Aurich lebt schon seit vielen Jahren in Frankreich und ist extra für die Ausstellung angereist.

AEO – das sind die Anfangsbuchstaben der Nachnamen der drei Künstler. Eva Aurich beschäftigt sich mit Cyanotypie. Das ist eine Technik, die in den Anfängen der Fotografie erfunden wurde. Dabei entsteht die Vervielfältigung nicht auf Silberbasis, sondern durch aufgebrachte Eisensalze. Die Belichtung erfolgt durch Sonnenlicht, wobei eine blaue Färbung entsteht, erläutert die Künstlerin bei einem Vorabrundgang durch die Ausstellung. Es wird kein Fotoapparat oder Film benutzt. „Atelierraum“ heißt eine Arbeit von Eva Aurich. „Es ist eine Bestandsaufnahme von Licht und Schatten“, sagt die Künstlerin. An den Stellen, auf die mehr Licht trifft, entsteht eine dunklere, blaue Färbung. In einer Serie zeigt sie „alternative Landschaften“, bei denen immer eine Linie entsteht, die an einen Horizont erinnert – die Assoziation mit einer Landschaft oder einem Blick auf das Meer wird geweckt. Gegenständliches verschwindet und es entsteht etwas ganz Neues.

Eine Gemeinschaftsarbeit mit Hartmut Ohmenhäuser ist ausgestellt, in der seine Collage mit gefundenen Papieren mit Eva Aurichs Blaudruck kombiniert ist. Der in Schorndorf lebende Künstler und Kunsterzieher zeigt in der Ausstellung Zeichnungen, bei denen Linien im Vordergrund stehen. Etwa bei einer Serie, zu der er auf einer Reise nach Marokko in inspiriert wurde. Die Gitter an Fenstern bestanden aus Linien und Verschnörkelungen, die sich immer wiederholten. Beim Zeichnen stellen sich Ungenauigkeiten ein, die dem zuerst exakt Geplanten eine Eigenständlichkeit verleihen, die durch „das Machen“ entsteht, erläutert Hartmut Ohmenhäuser. Auf weiteren Zeichnungen hat er die Verschnörkelungen weggelassen und die Bilder nur auf das Raster in verschiedenen Ausführungen reduziert. Siebdrucke sind außerdem von ihm zu sehen, bei denen er mit Millimeterpapier und Punkten arbeitet.

Hildegard Esslinger ist erst in späteren Lebensjahren zur Kunst gekommen. Ihr Studium in Stuttgart hat sie begonnen, als ihre Kinder schon erwachsen waren. Auf ihren Bildern in Öl auf grundiertem Karton geht es ihr um die Eigenständlichkeit der Linien. „Sie interagieren miteinander“, sagt die in Waiblingen lebende Künstlerin. „Linien treffen auf eine Raute und geraten in Erregung.“ Auf einem anderen Bild in einem rotbraunen Ton verschwinden die Linien in Schlitzen und treten wieder daraus hervor. Oder sie kommen im Bild von unten, treffen auf ein breites, schwarzes Band, bilden Kurven und Verwirbelungen, bevor sie als ruhige, nur leicht geschwungene Linien daraus wieder heraustreten. In den Bildern der Künstlerin gehen die Linien ihre eigenen Wege.

Werk mit dreidimensionaler Anmutung von Hildegard Esslinger.

© Jörg Fiedler

Werk mit dreidimensionaler Anmutung von Hildegard Esslinger.

Vernissage im Freien

Die Ausstellung wird am Freitag 10. September, um 19 Uhr bei einer Outdoor-Vernissage im Markgrafenhof neben dem Backnanger Helferhaus, Petrus-Jacobi-Weg 5, eröffnet. Eine Einführung hält Ulrich Olpp.

Die Bilder können im Helferhaus bis Sonntag, 10. Oktober, besichtigt werden. Öffnungszeiten sind: Dienstag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 19 Uhr.

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Erstellt:
10. September 2021, 11:30 Uhr

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