Fragen zum Thema Heimat
„Dilek Güngör, wo fühlen Sie sich zuhause?“
Die Schriftstellerin Dilek Güngör stammt aus Schwäbisch Gmünd. Nun erklärt sie, wie Heimat und Sprache für sie zusammenhängen .
© Ingrid Hertfelder
Schriftstellerin Dilek Güngör
Von Tim Schleider
Die Schriftstellerin Dilek Güngör wurde 1972 in Schwäbisch Gmünd geboren. Dann zog es sie hinaus, schrieb für Zeitungen, schrieb Opern, schrieb Romane.
Frau Güngör, „Heimat“ ist ein großes Wort. Was zeichnet den Ort aus, wo Sie sich derzeit zuhause fühlen?
Zuhause ist meine Wohnung. Zuhause ist mein Bett. Mein Schreibtisch. Mein Küchentisch.
Geboren wurden Sie 1972 in Gmünd, aber seitdem sind Sie ganz schön herum gekommen in der Welt. Fällt es Ihnen leicht, Orte hinter sich zu lassen?
Mir ist es immer leicht gefallen, Orte zurückzulassen, weil ich immer weiter wollte. Wenn es zu vertraut und zu routiniert wird, kriege ich immer Lust auf etwas Neues.
Um Heimat wird politisch gestritten in Deutschland. Wie konnte sie zum Kampfbegriff werden?
Es geht ja selten darum, herauszufinden, was die eigene Heimat und die der anderen ist. Meist soll abgesteckt werden, wer zur eigenen Heimat gehört und was nicht. Wer zum „Wir“ gehört und wer nicht. Wenn Heimat benutzt wird, um eine Trennung und eine Hierarchie zu schaffen, wird sie ein politischer Kampfbegriff.
Welche Rolle spielt Sprache bei der Heimatsuche?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sich an einem Ort beheimatet fühlen kann, wenn man keine gemeinsame Sprache hat, also sich gar nicht versteht. Die gemeinsame Sprache muss vermutlich nicht die Landessprache sein; in Berlin leben viele Menschen, die sich mit anderen auf Englisch unterhalten. Aber wenn mich die anderen nicht verstehen und es mich anstrengt, mit anderen zu sprechen, ist es schwer, eine enge Verbindung mit jemandem einzugehen. Ich bin aber dagegen, jemandem Rechte abzusprechen, weil die Person eine bestimmt Sprache nicht gut genug spricht.
Ist das noch/schon mein Land? Am 2. Februar 2026 ist die PEN-Berlin-Reihe zu Gast in Schwäbisch Gmünd. Mit dem Publikum diskutieren dann die Autorin Dilek Güngör und der Oberbürgermeister der Stadt, Richard Arnold. Moderiert wird der Abend von Tim Schleider. Volkshochschule Gmünd, Münsterplatz 15, 19 Uhr.
