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Ein Ausweis als Ausdruck eines Lebensgefühls

Die österreichische Band Bilderbuch wirbt mit einem „EU-Passport“ für ihr neues Album und trifft mit der Aktion einen Nerv

Promotion - Der „EU-Passport“ der Band Bilderbuch trifft einen Nerv. Dabei ist der Ausweis nur ein Werbemittel.

Stuttgart „Be part of the European family“ – mit diesem Aufruf wirbt die österreichische Art-Pop-Band Bilderbuch für ihren „EU-Passport“. Der Ausweis symbolisiert ein offenes Europa, ohne jegliche Ländergrenzen, ist aber lediglich eine fein ausgedachte Werbeaktion der Band. Er ist mitnichten von offizieller Stelle abgesegnet und besitzt daher keinerlei Gültigkeit als amtliches Reise- oder Ausweispapier.

Der dahinterstehende europäische Einheitsgedanke trifft in der Öffentlichkeit aber sehr wohl auf fruchtbaren Boden: Prominente wie der Moderator und Satiriker Jan Böhmermann, der deutsche Rapper Dendemann oder die Autorin Sophie Passmann haben sich bereits ein solches Dokument ausstellen lassen.

Unter dem Hashtag #europa22 finden sich auf Twitter viele weitere Europässe anderer Bürger, die sich den Ausweis ganz einfach online auf der Seite www.bilderbucheuropa.love ausstellen ließen. Alles, was man dazu benötigt, ist ein persönliches Passfoto. Die Nationalität des Besitzers wird als „European“ ausgewiesen, das Dokument ist der Angabe nach unbegrenzt gültig. Eine wunderbare Vorstellung, wenn der „EU-Passport“ doch nur Realität wäre.

Die vier Bilderbuch-Musiker nutzen die Aufmerksamkeit im Zuge der anstehenden Europawahlen vom 23. bis zum 26. Mai mit der Promoaktion jedenfalls geschickt aus. Auf ihrem am Freitag erscheinenden sechsten Album „Vernissage my Heart“ findet sich unter den acht neuen Songs auch ein Lied mit dem Titel „Europa 22“. Darin besingt Bilderbuch-Frontmann Maurice Ernst (30) ein offenes Europa: „Ein Leben ohne Grenzen. Eine Freedom zu verschenken.“

Ernst beschrieb in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur seine Sicht auf Europa folgendermaßen: „Ich bin schon ein verdammt stolzer Europäer. Es nervt mich, dass viele Europa nicht genügend wertschätzen.“ Das europäische Einheitsgefühl und die damit verbundene Reisefreiheit sind für den Oberösterreicher etwas Einzigartiges: „Wir können einfach in den Flieger steigen und ins nächste Land fliegen oder mit dem Auto mal eben über eine Grenze fahren. Das ist ein derart leichtfertiges Erleben von Freiheit, wie es noch vor 50 Jahren kaum denkbar war.“

Neben den genannten Prominenten haben auch deutsche Politiker den Europapass für sich entdeckt, vor allem Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) veröffentlichten ihre Ausweisdokumente im Internet. So beispielsweise die Bundesjustiz- und Verbraucherministerin Katharina Barley, die von der SPD zu ihrer Spitzenkandidatin für die Europawahlen im Mai erklärt wurde. Andere Parteikollegen wie Martin Schulz und Heiko Maas folgten Barley. Schulz kommentierte seinen Pass mit den Worten: „Dafür, dass es diesen schönen Pass eines Tages wirklich geben wird, kämpft die SPD seit 1925.“ Dazu stellte er den Hashtag #europaistdieantwort.

Bei so viel öffentlicher Unterstützung der Aktion bleibt die Frage, ob wirklich alle Politiker den ursprünglichen Werbecharakter des „EU-Passports“ verinnerlicht haben. Möglicherweise hat sich der dahinter stehende Gedanke verselbstständigt und passt einfach nur gut zur anstehenden politischen Agenda in Sachen Europawahl. Denn sicherlich wäre ein echter „EU-Passport“ ein ultimativer Einheitsbeweis der Europäischen Union. Ein länderübergreifend gültiges Ausweisdokument für alle Einwohner Europas, unabhängig von der eigentlichen Zugehörigkeit zu den einzelnen Mitgliedstaaten, bleibt aber vorerst wohl ein Fantasiegedanke.

Jedenfalls hat Bilderbuch damit eine effektive PR-Aktion lanciert und eine gesteigerte öffentliche Aufmerksamkeit erzielt. Außer der besungenen Europaliebe klingt das Bilderbuch-Album auch sonst nach Unbeschwertheit und Freiheit. In „Mr. Supercool“ ist von Sonne und Heirat auf Santorin die Rede, untermalt von verträumten Synthesizerklängen. „LED go“ berichtet mit Zeilen wie „Brauch keine Information, höchstens etwas Lotion“ oder „Fünftausend Likes, aber nie so cool wie Mike“ über die Abkehr von den sozialen Medien. Die Band hat seit ihrer Gründung 2005 im oberösterreichischen Kremsmünster eine Wandlung von Indie-Rock und Progressiv Rock hin zu weicheren R’n’B- und Art-Pop-Einflüssen vollzogen.

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Erstellt:
20. Februar 2019, 03:04 Uhr

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