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Ein Greifkran für die Lederindustrie

Vom Güterbahnhof zum Galgenberg (1): Einblicke in das Archiv des Backnangers Peter Wolf mit historischen Fotos

In seiner Reihe „Backnang im Zeitspiegel“ in Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Kunstverein lenkt der Fotodesigner und ambitionierte Hobbyhistoriker Peter Wolf aus Backnang den Blick nun auf den Bereich vom Güterbahnhof zum Galgenberg. Weil dieser kleine Schatz an historischen Bildern aber wegen der Schließung des Helferhauses zurzeit nicht zugänglich ist, zeigen wir die Bilder in einer kleinen Serie.

Mit dem elektrischen Greifkran wurden die Waren be- und entladen. Repro: P. Wolf

Mit dem elektrischen Greifkran wurden die Waren be- und entladen. Repro: P. Wolf

Von Ingrid Knack

BACKNANG. Auf einem der Fotos sieht man den elektrischen Greifkran der Spedition Ulmschneider. In einer Stunde konnten damit rund 20 Tonnen Leimleder, Kohlen und dergleichen auf- beziehungsweise abgeladen werden.

Zum Thema Leimleder sagt Wolf: „Beim Entfleischen in der Lederproduktion fällt das sogenannte Leimleder an, das neben dem Fett- und Bindegewebe (Eiweiß) die Chemikalien aus dem Äscher und Wasser enthält. Der Leimlederanfall beträgt zirka 10 bis 30 Prozent des Gesamtgewichts der Rohware. Der Begriff Leimleder stammt aus der früher üblichen Weiterverarbeitung zu tierischen Leimen, für die heute kaum mehr Bedarf besteht. Daher ist Leimleder heute eher ein Abfall für die Gerbereien. Einige Gerbereien arbeiten daran, die Fette und Eiweißanteile zu trennen und weiterzuverkaufen oder für die Energiegewinnung einzusetzen.“

Die Firma Ulmschneider wurde vor knapp 130 Jahren gegründet. Maximilian Ulmschneider legte am 1. November 1890 als Güterbeförderer der Königlich Württembergischen Eisenbahn am Bahnhof Backnang den Grundstein, wie die Ulmschneider Logistik GmbH&Co. KG auf ihrer Homepage schreibt. Sogenannte Rollfuhren, die Beförderung von Frachtgut vom und zum Bahnhof, Wagenladung und -entladung wurden von 1890 bis nach dem Zweiten Weltkrieg mit Pferdekutschen und einem Bestand von bis zu zwölf Zugpferden bewältigt. Da die Pferde täglich Bewegung brauchten, spannte die Familie Ulmschneider die Pferde auch für Sonntagsausflüge an.

Um zirka 1924 kaufte die Firma ihren ersten Magirus-Lkw mit Vollgummireifen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Pferdehaltung mangels Kutschern bald Geschichte.

Das Unternehmen erweiterte seinen Fuhrpark um einen Schlepper der Marke Allgaier (Lizenz Kaelble) mit nachgerüsteter Druckluftbremse und druckluftgebremstem Anhänger – ein Unimog war zu teuer. Ab 1950 setzte es im Fernverkehr Kaelble-Lastkraftwagen ein. 1972 zog es nach Waldrems um.

Im Jahr 2012 übernahm nach der Insolvenz der Traditionsfirma die Biermann-Unternehmensgruppe aus Büren den Betrieb, der seither als Ulmschneider Logistik GmbH&Co. KG firmiert.

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Erstellt:
23. März 2020, 16:00 Uhr

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