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Ein Neoromantiker unter Reimzwang

Martin Herrmann thematisiert den Zeitgeist – Veranstaltung im Rentamtskeller in Oppenweiler im Rahmen der Winterkulturtage

Umwerfend komisch: Martin Herrmann im Rentamtskeller mit seinen Liedern und skurrilen Texten. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Umwerfend komisch: Martin Herrmann im Rentamtskeller mit seinen Liedern und skurrilen Texten. Foto: J. Fiedler

Von Carmen Warstat

OPPENWEILER. „Keine Frau sucht Bauer!“, lautet Martin Herrmanns aktueller Programmtitel. Er lässt vermuten, dass schlichte Medienkritik auf das Publikum im Rentamtskeller wartet. Aber der mehrfach ausgezeichnete Stand-up-Comedian ist vielseitig und alles andere als moralinsauer oder einfallslos.

Die Analyse seines Nachnamens ergibt, dass sich hier ein „doppelt maskulin(er)“ Mann vorstellt, na, eben: Herrmann – Mann und Herr in einem. Ein „Östrogen-Seismograf“ also, eine „Herausforderung für Gleichstellungsbeauftragte“, einer, der „schon im Stehen in die Windel gepinkelt“ hat.

Dabei sieht er gar nicht so aus. Kein Machogehabe, sondern feiner Humor, der vor dem Körperlichen nicht haltmacht, aber nie ordinär wird. Martin Herrmann bietet gute alte Stand-up-Comedy, die an Dieter Hildebrandt und Harald Schmidt (minus Zynismus) erinnert und mit bizarr-witzigen Songs kombiniert wird. Er sei katholisch, „also dringeblieben“, bekennt Herrmann und macht sich über seine Kirche her: Zölibat habe den männlichen Artikel „der“, weil es ja auch „der Eid“ heißt und es sich um einen solchen handele: Eid, Meineid, mein Eid: Zölibat.

1956 im bayerischen Günzburg an der Donau geboren, wurde Martin Herrmann Lehrer für Sport und Biologie, bevor er seine Laufbahn als Bühnenkünstler antrat. Der sogenannte Pillenknick machte ihm dies nach Abschluss des Studiums leicht. Eine bayerische Wurzel habe er, aber auch eine CSU-Allergie. Dabei ist er kein politischer Kabarettist, im Gegenteil: Martin Herrmann findet, dass das Publikum im politischen Kabarett über sich selbst lacht, ohne es zu bemerken, und er sieht keinen Sinn darin. Allerdings dürfen manche seiner Scherze makaber und sarkastisch genannt werden, etwa jene über Ärzte und Patienten oder die über „hummeldumme“ Schüler und Studenten.

Auch Stuttgart ist ein Thema, Stichwort Feinstaubalarm. Das sei ja eigentlich „ein vornehmes Wort für ‚Kehrwoche‘“. Und dann: Die Ehe und die Ehescheidung mit „finanzieller Kompetenz“ als Kriterium, „aktiver Attraktivitätsrückbau“ durch Ernährung, also: „Wenn Frauen mehr essen, um verlassen zu werden“, die Frage, was eine Frau in die Arme eines wildfremden Bauern treibt, eine „Nie-mehr-allein-CD“ mit „Partnergeräuschen“ von Schnarchen bis Pinkeln, der „Idealpartner“ („Man merkt’s schon am Titel – ein kurzes Lied“).

Überhaupt präsentiert Herrmann Lieder, die umwerfend komisch sind in ihrer Skurrilität, er jongliert mit Worten, Gedanken, Ideen und verblüfft mit kuriosen Wendungen, die bis ins Groteske reichen. Ein Eierschneider wird zu einem „alttibetanischen Instrument“, dem überraschende Klänge zu entlocken sind, der „Reimzwang muss raus“, und die #MeToo-Debatte fehlt nicht, der Song dazu: „Männererziehungslied“. Originell auch das „Kuhsortenlied“ oder die Georg-Kreisler-Adaption „Trauben vergiften im Rewe“ und sein Gedicht „Vom Atmen“, mit dem Herrmann das unersättliche Publikum geschickt hinauskomplimentiert. Immer freundlich, der Mann, aber auch bissig. Ein „von der Realität enttäuschter Romantiker“, ein Satiriker eben.

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Erstellt:
25. Februar 2019, 06:00 Uhr

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