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„Es gab viele magische Momente“

Das Interview: Martin Schick spricht über seine Zeit als Amtsleiter für Kultur und Sport in Backnang und seine Pläne als Galerieleiter. Der Start des Technikforums, Kultur mit Weltklassekünstlern und die Kindersportmesse tragen seine Handschrift.

1997 begann Martin Schick seine Arbeit als Leiter der Galerie der Stadt Backnang. 2009 wurde er Leiter des Amts für Kultur und Sport. Nun entschied er sich für eine 80-Prozent-Stelle, um mehr Zeit für seine Familie zu haben, und konzentriert sich beruflich vor allem auf die Galerie. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

1997 begann Martin Schick seine Arbeit als Leiter der Galerie der Stadt Backnang. 2009 wurde er Leiter des Amts für Kultur und Sport. Nun entschied er sich für eine 80-Prozent-Stelle, um mehr Zeit für seine Familie zu haben, und konzentriert sich beruflich vor allem auf die Galerie. Foto: A. Becher

Von Ingrid Knack

Sie arbeiten weiterhin als Leiter der Galerie der Stadt Backnang und übergeben dem neuen Kulturamtsleiter Johannes Ellrott ein gut bestelltes Haus. Auf welche Projekte in den Bereichen Kultur und Sport, die Sie mitgestaltet haben, sind Sie besonders stolz? Welche waren vielleicht eher anstrengend?

Man bewegt ja nichts alleine. Ohne das Engagement der Mitarbeiter, die gute Zusammenarbeit mit anderen Ämtern und anderen externen Partnern wäre das alles nicht möglich gewesen. Es freut mich, dass wir es geschafft haben, das Technikforum auf den Weg zu bringen. Das Kulturamt war dabei federführend beteiligt.

Was im Bürgerhaus auf die Beine gestellt wurde, war auch sehr beachtlich.

Natürlich war mir das städtische Kulturprogramm im Bürgerhaus sehr wichtig, da haben wir uns richtig reingekniet. Ich denke, das haben wir auch ganz gut hinbekommen. Das Backnanger Bürgerhaus muss sich im Moment mit seinem Kulturprogramm überhaupt nicht verstecken. Ich glaube, dass wir auch im Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen sehr gut liegen.

Und im Sportbereich?

Wir haben ein gutes Auskommen mit den Vereinen. Die Vereine werden von der Stadt auch gut gefördert. Anstrengend fand ich eher die Komplexität des Amtes mit seinen doch sehr unterschiedlichen Bereichen. Der Sportbereich war aber insgesamt eher ein angenehmer.

Dazu gehört auch die Kindersportmesse . . .

Die haben wir damals sozusagen erfunden. Da war ich federführend beteiligt. Es war auch eine Gelegenheit, mit den Vereinsvertretern intensiv zusammenzuarbeiten. Davon zehren wir noch heute. Die Kindersportmesse ist ein paarmal gut gelaufen. Jetzt wurde sie ja leider wegen Corona wieder abgesagt. Die Messe wird aber sicher in irgendeiner Form wiederkommen, dann in einer neuen Karl-Euerle-Halle. Da hat man sicher noch bessere Möglichkeiten.

Neben der Galerie werden auch die kulturellen Angebote im Bürgerhaus über die Region hinaus beachtet. Fällt da der Abschied als Verantwortlicher dieser Sparte nicht schwer?

Ich gebe es zu: Es fällt mir gerade in dieser Sparte etwas schwer. Aber die Entscheidung ist gefallen. Das ist auch in Ordnung. Man muss nicht alles ein Leben lang machen. Es hat mir großen Spaß gemacht. Ich bin oft in Vorstellungen gesessen und habe gedacht: Wie schön, dass ich das erleben darf – hier in Backnang. Es gab aus meiner Sicht – und ich habe fast alle Vorstellungen selbst erlebt – viele magische Momente. Das waren aber nicht nur Pat Metheny oder Jacob Collier, sondern auch beispielsweise Lesungen etwa mit Rudolf Guckelsberger in der Literaturreihe, bei denen auch mal weniger Zuschauer da waren. Ich glaube, unser Publikum ist uns sehr gewogen, und das Bürgerhaus wird von den Leuten geschätzt.

Sehen Sie noch Entwicklungspotenzial im Backnanger Kulturleben? Manche Kommunen machen sich beispielsweise Gedanken über die Förderung von Pop- und Subkultur. Oder muss man jetzt mit Corona auf der anderen Seite froh sein, wenn man erhalten kann, was man hat?

Ich fürchte, dass es so ist. Dass man froh sein muss, dass man es erhält. Mit der Pop- und Subkultur ist das so eine Sache. Sobald man das sehr stark von der öffentlichen Hand angeht, ist es keine Subkultur mehr. Schon die Versuche, nach Bandproberäumen zu suchen, sind nicht erfolgreich gewesen. Da hat man in Backnang nicht viele Möglichkeiten. Da hätte ich gerne mehr getan. Wir hatten ja auch probiert, Ateliers für Künstler aufzutun, und sind dabei ebenfalls nicht sehr weit gekommen. Wenn ich das Kulturangebot in Backnang betrachte, sehe ich aber keine gravierenden Lücken. Ich glaube, wir haben im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten eine ziemliche Bandbreite abgedeckt.

Und wie sieht es im Sport aus?

Hier stehen wir vor gewaltigen Herausforderungen. Wenn ich jetzt mal bloß die Karl-Euerle-Halle nehme: Die ist gesetzt. Sie wird über die Jahre hinaus Mittel binden. Doch es müssen irgendwann Kunstrasenplätze saniert werden, die in die Jahre gekommen sind, und vieles mehr. Da steht einiges an, was auch viel Geld kostet. Wir sind gut beschäftigt, wenn wir das alles schaffen wollen. Aber das sind auch politische Fragen der Schwerpunktsetzung, der ich nicht vorgreifen will.

Das Thema Digitalisierung hat durch Corona ordentlich an Fahrt aufgenommen. Welche Pläne haben Sie in dieser Hinsicht?

Zum einen sind wir gerade dabei zu überlegen, wie wir unsere Sammlung digital öffnen können. Dabei geht es in erster Linie um die Riecker-Sammlung. Wir werden versuchen, sie ein Stück weit im Netz zugänglich zu machen. Derzeit ist es schon so, dass wir die Ausstellung, die normalerweise im Riecker-Zimmer im Helferhaus stattfindet, nur digital anbieten, weil wir coronabedingt ein Problem mit der Luftfeuchtigkeit beziehungsweise mit der Belüftung haben. Wer auf der Homepage der Galerie der Stadt Backnang unter der Rubrik Graphik-Kabinett nachschaut, sieht dort kleine Texte zu einzelnen Bildern. Diese Ausstellung läuft im Moment tatsächlich nur virtuell. Vielleicht können wir in dem Bereich auch Weiteres anbieten.

Auch in der Galerie gibt’s da Neues.

Wir haben bei den letzten beiden Ausstellungen einen virtuellen Rundgang im Internet angeboten. Das war für uns eine neue Erfahrung. Eine ganz gute. Ich frage mich zwar, ob wir das jedes Mal schaffen. Das ist auch eine finanzielle Frage. Gelegentlich werden wir von dieser Möglichkeit, auf einem anderen Weg an die Öffentlichkeit zu gehen, aber schon Gebrauch machen wollen.

Wie sieht die Galerie der Zukunft aus? Da gibt es ja viele Ideen wie Digitales in Analoges zurückzuführen und dabei noch das Publikum am Ausstellungsprozess zu beteiligen. Auch die Museumsshops wurden in der Coronazeit als digital zugängliche Geschenkshops entdeckt.

Vor einigen Jahren haben wir ein Projekt realisiert, das partizipativ war. „Das Kabinett der Bürger“ zum zehnjährigen Bestehen des Graphik-Kabinetts. Da konnte man sich ein Bild aussuchen und einen kleinen Text dazu schreiben. Den haben wir dann mit ausgestellt. Das war ein schönes kleines partizipatives Projekt, das wir auch im Nachhinein positiv beurteilen. Vielleicht können wir was Ähnliches noch einmal machen. Dann haben wir digitale Ausstellungsrundgänge. Diese kann man vor allem auch nachträglich anschauen. Ich glaube, dass die klassische Ausstellung, also „Künstler zeigt Kunstwerk, Betrachter kommt und schaut’s an“, Bestand haben wird. Das ist eine sehr gut eingespielte Kulturtechnik, für die man aber auf neuen Wegen werben kann. Den Museumsshop kann man noch einmal überdenken. Auch das Museum als „dritter Ort“, der ein informelles Zusammenkommen ermöglicht, ist ein Thema für die Zukunft. Das werden wir auf jeden Fall ernst nehmen. Ich bin ganz allgemein mit solchen Konzepten gerade am Anfang. Denn die Phase, in der ich mehr Zeit habe, über so etwas nachzudenken, geht jetzt erst los.

Wollen Sie verraten, welche Künstler in der nächsten Saison in der Galerie ausstellen?

Wir werden eine Ausstellung mit dem Berliner Maler Maik Wolf machen. Von ihm hingen schon zwei Bilder in der Ausstellung „Schwarze Romantik“. Weitere Künstler, die nach Backnang kommen, sind die in Dresden geborene Fotografin Ricarda Roggan, die als Professorin an der Kunstakademie in Stuttgart lehrt, und die in Neuss geborene Malerin Simone Lucas.

Den Backnanger Beitrag des Kulturregion-Projekts gestaltet Dirk Schlichting Ende September mit einer Installation in der Oberen Walke. Wie kann man sich das vorstellen?

Wir haben ja alle zwei Jahre ein Projekt mit der Kulturregion. In dieser Reihe gab es zum Beispiel die Lichtstäbe in der Murr, zwei Jahre später die Klanginstallation in der Johanneskirche. Der Titel der Kulturregion heißt 2020 „Unter Beobachtung – Kunst des Rückzugs“. Die Coronakrise hat der Thematik eine überraschende Aktualität verschafft, die aber gar nicht beabsichtigt war. Dirk Schlichting schlägt ein Objekt vor, das auf der Oberen Walke steht. Es sieht aus, als sei es eine Art Forschungsstation. Mit Antenne und blinkenden Lichtern. Da fragt man sich: Wohnt oder arbeitet da jemand drin? Dieser interessanten Frage kann man parallel dazu im Internet nachgehen. Da gibt es dann etwas zu sehen – mehr möchte ich aber noch nicht verraten.

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Erstellt:
6. August 2020, 06:00 Uhr

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