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Fernsehen auf der Flucht

BerlinaleDas Festival zeigt Serien

Festival - Was ist eigentlich bedrohlicher?Der Weltuntergang, die Flüchtlingskrise oder Netflix? Das TV-Serien-Specialder Berlinale hat versucht, darauf eine Antwort zu finden.

Fernsehen auf der Flucht

Berlin Sie rennt und rennt und rennt – die Berlinale. Zumindest im Serien-Special. Mal nimmt sie vor bösen Agenten Reißaus wie die 15-jährige Titelheldin aus dem Thriller „Hanna“, oder sie flieht vor einer Gefahr aus dem Weltall wie die Steiners in dem Endzeitdrama „8 Tage“, mal jagt sie einem psychopathischen Killer hinterher wie in „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, oder sie stolpert hektisch im Kreis herum, weil sie nicht so richtig weiß, wie sie mit dem Erfolg des Streamingdiensts Netflix umgehen soll, ob sie ihn vertreiben oder ob sie ihm hinterherlaufen soll.

Am Mittwoch jedenfalls bildet sich vor dem Zoo Palast, der ein paar Tage lang die Heimat des Serien-Specials der Berlinale ist, eine selbst für Festivalverhältnisse sehr lange Schlange. Nicht weil es dort etwa vorab das Finale von „Game of Thrones“ zu sehen gibt, sondern weil sich da in einem Kinosaal all die Netflix-Produzenten versammelt haben, die für europäische Produktionen des Streamingdiensts zuständig sind und damit den traditionellen Sendern und einigen Kinobetreibern das Leben schwer machen, aber kreativen Autoren und vor allem den Zuschauern bisher kaum vorstellbare Möglichkeiten bieten. „Wir glauben, eine gut erzählte Geschichte kommt überall auf der Welt an, egal wo sie spielt“, sagt da zum BeispielKelly Luegenbiehl, die Chefin der europäischen Netflix-Serien.

Das Konzept ist einfach: Netflix produziert in immer mehr Ländern eigene Serien, die zwar starke regionale Bezüge haben, aber auch universelle Themen anpacken sollen, so dass auch jemand, der am anderen Ende der Welt lebt, damit etwas anfangen kann. Bei der Mysteryserie „Dark“, dem ersten deutschen Netflix-Original, hat das geklappt, die Serie schauen auch Netflix-Abonnenten in Indien oder Brasilien gerne. Und das Zeug zum internationalen Hit hat auch der verstörende Thriller „Quicksand“, den Netflix auf der Berlinale als seine erste schwedische Originalserie präsentiert. Sie beruht auf Malin Persson Giolitos Krimi „Im Traum kannst du nicht lügen“ und erzählt von einer 18-jährigen Schülerin, die unter Mordverdacht gerät. Aber weil nicht überall auf der Welt Deutsch, Schwedisch oder Türkisch verstanden wird und nicht jeder gerne abends vor dem Fernseher Untertitel lesen will, lernt Netflix gerade noch etwas mühsam das in den USA bisher unübliche Synchronisieren von fremdsprachigen Filmen und Serien – und holt sich da auch Tipps in Deutschland.

Wie umkämpft der Serienmarkt und speziell der in Deutschland ist, zeigen auch die Vorausmeldungen, mit denen die größten Streaming-Konkurrenten – Netflix und Amazon Prime – sich während der Berlinale gegenseitig zu übertrumpfen versuchen. Nachdem Netflix am Mittwoch die Produktion zweier neuer deutscher Originalserien bekannt gegeben hatte („Unorthodox“ und „Biohackers“), setzte Amazon Prime am Donnerstag nach und verriet, dass gerade an einer modernisierten Serienadaption von „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gearbeitet wird. Hauptautorin ist Annette Hess („Weissensee“, „Ku’damm 56/59“), Regie führt Philipp Kadelbach („Parfum“, „Unsere Mütter, unsere Väter“).

Auch sonst eifert Amazon Netflix nach: „Uns geht es in unseren Originalproduktionen darum, in verschiedenen Ländern Stimmen zu finden, die einzigartig, speziell und relevant sind“, sagt Jennifer Salke, die Chefin der Amazon Studios, beim Pressegespräch zur Serie „Hanna“, die Amazons Berlinale-Beitrag ist. Sie ist eine Neuinterpretation des Stoffs des gleichnamigen Films von 2011: Die 15-jährige Hanna (Esmé Creed-Miles) wächst absolut isoliert in den osteuropäischen Wäldern auf und wird von ihrem Vater (Joel Kinnaman) zur Killerin ausgebildet – bis sie vom CIA entdeckt und durch ganz Europa gejagt wird.

Hinter „Hanna“ steckt David Farr („The Night Manager“) der auch das Drehbuch zum Film geschrieben hat und der stolz darauf ist, die Geschichte jetzt so erzählen zu können, wie er es eigentlich wollte: nicht als märchenhafte „Alice im Wunderland“-Variante, sondern als eine in einen Thriller verpackte Coming-of-Age-Story.

Stolz ist aber auch Jennifer Salke, denn obwohl „Hanna“ eine komplett europäische Produktion ist – gedreht etwa in Deutschland, der Slowakei, Spanien und England –, hat es sich der Amazon-Konzern geleistet, einen der unglaublich teuren Werbespot-Slots während der Ausstrahlung des US-Super-Bowl für die Serie zu buchen.

Denn tatsächlich gibt es zurzeit so viele hochwertige TV-Serien, dass das Hauptproblem oft ist, überhaupt Aufmerksamkeit zu erregen,. „Cutting through the Noise“, den Lärm übertönen, nennt das der deutsche Autor und Regisseur Edward Berger, der Serien wie „Patrick Melrose“ und „The Terror“ inszeniert hat und bei der Berlinale mit dem Spielfilm „All my Loving“ vertreten ist. „Heute genügt es nicht mehr, einfach nur eine gute Serie zu machen“, sagt er, „man muss es irgendwie hinkriegen, dass alle glauben, sie sei das ‚Big little Lies‘ der aktuellen Saison.“

Bei einem Berlinale-Showcase für deutsche Serien zielen die ulkig improvisierte Komödie „Andere Eltern“ mit Lavinia Wilson, die Familiengeschichte „Das Wichtigste im Leben“ mit Jürgen Vogel und die etwas staubige Bauhaus-Serie „Die neue Zeit“ mit Anna Maria Mühe und August Diehl zwar nicht wirklich auf den internationalen Markt. Doch beim weltweiten Wettstreit um die besten Qualitätsserien ist inzwischen auch im deutschsprachigen Raum die Konkurrenz groß. Die Berlinale hat zum Beispiel das erschütternde Endzeitdrama „8 Tage“ im Angebot, das die Tage bis zum Weltuntergang in acht Episoden wie bei einem Countdown heruntererzählt und nebenbei einen fiesen Rollentausch vorführt: Weil ein Asteroid in Frankreich einschlagen und ganz Europa auslöschen wird, werden alle Menschen auf dem Kontinent zu Flüchtlingen – aber keiner möchte sie aufnehmen.

Das Flüchtlingsthema und den Rechtspopulismus hat David Schalko („Braunschlag“) auch in seine Hommage an Fritz Langs „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ sickern lassen. Er verlegt die Geschichte vom Jahr 1931 ins Jahr 2018 und von Berlin nach Wien, deckt Parallelen zwischen der Weimarer Republik und der heutigen Zeit auf und lässt die Kindermörderjagd in einer Schneekugelwelt spielen, aus der es kein Entkommen zu geben scheint.https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.die-berlinale-im-netflix-zwist-zaertlichkeiten-unter-jungen-frauen.a56ffb9e-5fbc-4ef0-9525-2b6c9c900632.htmlhttps://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.netflix-produzentin-kelly-luegenbiehl-ueber-dark-gute-geschichten-kennen-keine-nationalen-grenzen.ae9b953d-2b26-444c-b188-5a484003390b.htmlhttps://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.sieben-streaming-tipps-fuer-februar-was-sie-im-februar-bei-netflix-amazon-und-co-nicht-verpassen-sollten.2315b13e-3c81-468a-bf48-21a77b79ef98.html

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Erstellt:
15. Februar 2019, 03:04 Uhr

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