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Flotte Sprüche, Songs mit schrägen Texten

Mirja Boes und die Honkey Donkeys spielen vor rund 700 Zuschauern in der Auenwaldhalle das Programm „Auf Wiedersehen! Hallo“

„Auf Wiedersehen! Hallo!“ sagt Mirja Boes, Comedian und Sängerin, in der Auenwaldhalle den knapp 700 Besuchern. Flotte Sprüche, Betrachtungen und Anekdötchen, eingängige Songs mit schrägen Texten, gut gesungen und auf den Punkt begleitet von der Kölner Band Honkey Donkeys: Das sind die Zutaten für dieses Comedygastspiel.

Zum Erfolg der Show von Mirja Boes tragen wesentlich auch die Musiker der Kölner Band Honkey Donkeys bei, die in die unterschiedlichsten Rollen schlüpfen. Fotos: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Zum Erfolg der Show von Mirja Boes tragen wesentlich auch die Musiker der Kölner Band Honkey Donkeys bei, die in die unterschiedlichsten Rollen schlüpfen. Fotos: T. Sellmaier

Von Thomas Roth

AUENWALD. Jüngeres Publikum zu erreichen, war das erklärte Ziel des Gruschtelkammerimpresarios Charley Graf. Und tatsächlich tummeln sich in der ausverkauften Auenwaldhalle an diesem Samstagabend auch viele, die man in der beschaulichen Sängerhalle in Oberbrüden wohl noch nie gesehen hat. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, mag sich Graf gedacht haben. Am Ende gibt ihm der Besucherzustrom recht: Ein zumindest wirtschaftlich voller Erfolg.

Mit dem Ballermannsong „20 Zentimeter“ („...nie im Leben, kleiner Peter“) hatte Boes alias Möhre 2004 einen Hit. Diesen lässt sie nochmals kurz im Original einspielen, während die Musiker von der Bühne gehen. Kurz darauf erscheinen zwei von ihnen als Wildecker Herzbuben verkleidet (köstliche Kostüme), die den Song ausschnittsweise zu einer volkstümlichen Playbackversion mimen. Ein als Udo Lindenberg verkleideter Musiker mit Weinglas in der Hand zum entsprechend arrangierten Playback folgt auf Elvis, dann eine Rapfassung mit einem Musiker als Sido sowie eine darke Brachialrock-Rammsteinversion. Ein starker Moment an diesem Abend: Neben der schauspielerischen Leistung der Musiker beindruckten vor allem die stark produzierten Playbacks.

Mit Florian Bungardt am Schlagzeug und Philipp Bardenberg am Bass ist ein solides Rhythmusfundament gelegt, über dem sich Gitarrist Simon Manthey und Dirk Schaadt an den Tasten sicher souverän bewegen können. Zwei musikalische I-Tüpfelchen setzen die (Jazz-)Bläser obendrauf. Tobias Weidinger brilliert auf seiner Trompete unter anderem auch mit einem Kurzsolo und Michael Theissing-Tegeler vertritt mit seiner Posaune den erkrankten etatmäßigen Saxofonisten Frank Sackenheim mit hoher Akkuratesse.

Ausgangspunkt der Comedy ist stets der Protagonist selbst, was er vielleicht erlebt hat und seine Interpretation desselben. So auch bei Mirja Boes. Sie ist eine Frau und spricht darüber. Somit fast zwangsläufig auch über Männer. Also nichts Neues natürlich, das machen auch alle anderen und jede(r) auf ihre (seine) Art. Erziehungsfragen, Medizinisches oder Sammelwut thematisiert die nun 47-jährige Sauerländerin. Um ein wenig zuhause auszumisten, hat sie eine schwarze Glitzerhandtasche mitgebracht, die sie nicht mehr braucht, um sie zu verschenken. Eine so beschenkte junge Frau strahlt vor Glück. Auch Delfine interessieren Boes. So toll seien die gar nicht, im Gegenteil, weiß sie nach gründlicher Internetrecherche. Boes wirkt auf der Bühne sehr natürlich und jugendlich. So ist nicht anzunehmen, dass das Motto „Auf Wiedersehen!Hallo!“ einen wirklichen Bühnenabschied bedeutet. Viele Künstler befinden sich ja ihr halbes Musikerleben auf sogenannten Abschiedstourneen, nicht nur im Rockbereich.

Mirja Boes spricht in rasantem Tempo. Dass sich ihre Performance immer wieder durch grenzüberschreitende und durchaus unappetitliche Bemerkungen auszeichnet, ist bekannt und bis zu einem Grad sicherlich dem Genre Comedy selbst geschuldet. Das übliche Gruschtelkammerprogramm besteht ja eher aus Kabarettbeiträgen, ein grundlegender Unterschied, eine andere Zielgruppe. Und so war die Stimmung an diesem Abend gut, aber nicht überbordend. Die Location und die Größe der Veranstaltung an sich mögen daran auch einen Anteil gehabt haben.

Aber man muss eben sagen: So eine Intimität und Gemütlichkeit, so eine wohlige Enge trotz oft dicker Luft wie in der Oberbrüdener Sängerhalle, findet man sowieso ganz selten.

Autogramme schreiben nach dem Auftritt: Die Fans von Mirja Boes kommen auf ihre Kosten.

© Tobias Sellmaier

Autogramme schreiben nach dem Auftritt: Die Fans von Mirja Boes kommen auf ihre Kosten.

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Erstellt:
28. Januar 2019, 06:00 Uhr

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