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Gelungene Melange von Theater und Kino

Die Übertragung der Salzburger Festspiele im Backnanger Kino Universum kommt bei den Besuchern bestens an. Und das, obwohl die Premiere wegen der widrigen Wetterbedingungen ausfallen muss und nur die Generalprobe vom Vorabend gezeigt werden kann.

Die Veranstalter der Salzburger Festspiele und Kinochefin Annegret Eppler reagierten auf den kurzfristigen Ausfall der Premiere routiniert souverän. Keiner der Gäste verließ den Saal. Fotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Die Veranstalter der Salzburger Festspiele und Kinochefin Annegret Eppler reagierten auf den kurzfristigen Ausfall der Premiere routiniert souverän. Keiner der Gäste verließ den Saal. Fotos: J. Fiedler

Von Gabriella Lambrecht

BACKNANG. Zum Theatersehen ins Kino gehen? „Definitiv ja!“, so die einhellige Meinung aller Gäste, die am vergangenen Samstag ins Kino Universum Backnang kamen, um sich eine ganz besondere Aufführung anzusehen: Die Übertragung der Salzburger Festspiele.

Das Kino Universum ist ja dafür bekannt, abseits der Hollywood-Blockbuster stets mit besonderen Perlen für Kino- und Kulturfans aufzuwarten, so auch an diesem Samstag, als die Übertragung der Premieren der Oper „Elektra“ und des Theaterstücks „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal auf den Backnanger Leinwänden zu sehen waren.

Trotz der Widrigkeiten um die Coronapandemie und des heiß-sommerlichen Wetters waren die Vorstellungen gut besucht und das Publikum mehr als begeistert. „Es ist doch eine tolle Möglichkeit, klasse Theater sehen zu können hier in Backnang! Und die Schauspieler – Tobias Moretti spielt ja mit – sind natürlich auch ein Argument, sich die Vorstellung anzusehen“, so Petra Pabel aus Waldrems vor der Aufführung von „Jedermann“.

Auch Marianne Hanswillemenke freute sich riesig über die Übertragung. Sie war bereits in Salzburg bei den Festspielen persönlich zugegen, genoss es jedoch, sich nun die Aufführung „direkt in Backnang in gemütlicher Atmosphäre“ ansehen zu können. Auch Elisabeth Pirner und ihr Mann, beide aus Backnang, haben sich an diesem Abend für Theater im Kino entschieden. Sie kennt das Drama gut, hat es ebenfalls in Schwäbisch Hall und in Salzburg bereits gesehen: „Lassen wir uns mal überraschen, wie die Inszenierung diesmal ist und wie es auf der Leinwand rüberkommt“, verkündete sie lachend. Für viele Kinogäste war es die erste Theaterübertragung, entsprechend optimistisch-neugierig blickten sie der technischen Umsetzung entgegen. Ines Nytsch aus Backnang zum Beispiel ist große Verehrerin der Schauspielerin Caroline Peters und freute sich sehr, sie diesmal auf der Leinwand Theater spielen zu sehen.

Und tatsächlich war diese Vorstellung gespickt mit Überraschungen aller Art: Aufgrund der widrigen Wetterbedingungen musste die Premiere kurzfristig abgesagt werden, wie die Gäste und auch Annegret Eppler selbst aus dem versehentlich übertragenen Ton hintern den Kulissen aus Salzburg erfuhren – schon war Backnang mittendrin im Geschehen statt „nur“ dabei.

Doch Salzburg und Annegret Eppler reagierten routiniert souverän: Übertragen wurde die Generalprobe vom Vorabend, wenn auch nicht live, die Backnanger Gäste konnten wählen, ob sie auch damit einverstanden wären, oder den Saal lieber verlassen wollten. Einhellig entschieden sie sich für das Bleiben und es lohnte sich vollends: Die Generalprobe war grandios gespielt und zog ihr Publikum sofort in den Bann. Wie die Schauspielenden mit Tobias Moretti, Peter Lohmeyer und Edith Clever eine hochkarätige Vorstellung unter hervorragender Regie von Michael Sturminger darboten, und Hofmannsthals Mysterienspiel mit ihrer Darbietung ehrten, hat alle Überwartungen übertroffen. Überraschend gelungen war auch die filmische Übertragung des Spiels auf den Leinwänden, die die Aufführung selbst bereicherte. Eingeleitet wurde mit Panoramaaufnahmen der Stadt Salzburg, die auch die Backnanger Kinobesucher in die atmosphärische Stimmung der Alpenmetropole versetzte. Und dann begann nebst dem großen Theater das große Kino: Der Tod trat auf die Bühne – gruselig, sodass es den Kinobesucher in den Sitz drückte, wie das überschminkte Gesicht Peter Lohmeyers gespenstisch in einer Großaufnahme auf der Leinwand auftauchte – übermächtig seine Darstellung! Anders als vielleicht auf einem Theaterplatz der mittleren Kategorie, hatte man im Kino von jedem Sitz aus das Gefühl, nicht nur in der ersten Reihe, sondern direkt mit auf der Bühne zu sein – jede Schweißperle auf Morettis Stirn zu sehen, den Zorn der sich in seine Falten legte und von einer übermächtigen Akustik zu profitieren, die das Mysterienspiel zu jeder Minute gewaltig wirken ließ.

Abgerundet wurde der Abend von Annegret Eppler selbst, einer wunderbaren Gastgeberin, die mit einem Begrüßungsgetränk auf Kosten des Hauses bereits vorab für eine heitere und entspannte Atmosphäre gesorgt hatte, der auch die Umstände der Coronapandemie keinen Abbruch taten und das Tor zu einer anderen Welt – wenn auch nur für zwei Stunden – öffnete.

Dem Ehepaar Petra und Herwig Pabel ist es wichtig, ein so tolles Angebot vor Ort zu unterstützen. Petra Pabel sieht auch die Nähe als großen Vorteil: „Salzburg ist einfach zu weit weg.“

© Jörg Fiedler

Dem Ehepaar Petra und Herwig Pabel ist es wichtig, ein so tolles Angebot vor Ort zu unterstützen. Petra Pabel sieht auch die Nähe als großen Vorteil: „Salzburg ist einfach zu weit weg.“

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Erstellt:
3. August 2020, 06:00 Uhr

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