Hämmerle und Leibssle zurück am Tresen

Als „Die Rückkehr der Tresen-Ritter“ kündigten die mehrfach ausgezeichneten baden-württembergischen Comedians und Kabarettisten Bernd Kohlhepp und Eckhard Grauer ihr Programm an, das sie am Wochenende auch im Großhöchberger Kabirinett zum Besten gaben.

Hämmerle und Leibssle sinnieren über vergangene Kreuzfahrten, türkische Basare, Sambatänzerinnen und zänkische Ehefrauen. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Hämmerle und Leibssle sinnieren über vergangene Kreuzfahrten, türkische Basare, Sambatänzerinnen und zänkische Ehefrauen. Foto: A. Becher

Von Gabriella Lambrecht

Spiegelberg. Tatsächlich fühlte sich auch das Programm wie eine vertraute Rückkehr zum heiteren Sinnieren am Tresen über Gott und die Welt an. Mit der Kleinkunstbühne Kabirinett im Spiegelberger Teilort Großhöchberg meinte es das Wetter leider nicht gut: Angekündigte Gewitter und Regen machten einen Open-Air-Auftritt, bei dem zahlreiches Publikum zu erwarten gewesen wäre, unmöglich. Nicht ganz unglücklich für die Künstler Kohlhepp und Grauer alias Hämmerle und Leibssle – denn das Wetter bescherte ihnen so ihren ersten Innenauftritt der gesamten Saison. Glück für diejenigen, die Tickets im Vorverkauf ergattern konnten, denn die Plätze waren komplett ausverkauft.

Vielleicht liegt es an der vertrauten Wohnzimmeratmosphäre sowie der unvermittelten Nähe zwischen Künstlern und Publikum, die Stimmung war sofort bestens. Ob das Lachen der Zuschauer direkt in der ersten Minute nicht auch Vorschusslorbeeren für die Künstler waren, bleibe dahingestellt. Die beiden stiegen jedenfalls unvermittelt in ihr Programm ein: Hämmerle und Leibssle mit dem Wohnwagen auf den Weg in den Urlaub nach Bregenz warten noch auf den Dritten im Bunde, Herrn Schlotterbeck, und sinnieren dabei über Wohnwägen, vergangene Kreuzfahrten, türkische Basare, Sambatänzerinnen, zänkische Ehefrauen und moderne Technik. Viel Potenzial für Satire, aber ebenso viel Nährboden für Stereotype und Klischees.

Dem Publikum scheint es zu gefallen. „Kopfkino“, ertönt es aus dem Publikum unter lauten Lachern heraus. „Kopfkino“ beschreibt die Art Humor von Hämmerle und Leibssle wohl äußerst treffend. Sie punkten beim Publikum nicht mit eher angedeutetem Wortwitz, etwa weil die Kreuzfahrt so „unter die Haut geht“, dass Leibssle sich gleich ein Tattoo stechen lassen wollte, sondern durch das Spiel mit der Fantasie und Vorstellungskraft des Publikums. So berichten die beiden etwa über das Zusammentreffen mit der betagten Erbin eines Tequila-Imperiums Dolores Mezqualito. Die Sprachbarriere war für den Kontakt kein Problem: Denn während Dolores ununterbrochen erzählte, reichte seitens des Mannes ja ein gelegentliches „Uiuiui“ und „Holla, holla, holla... – des hebt scho 3, 4 Stund“. – Ja, offensichtlich verstehen es die Künstler sehr gut, die bildliche Vorstellungskraft des Publikums gekonnt auszureizen und für erheitertes Lachen in den Stuhl- und Tischreihen zu sorgen.

Obwohl Hämmerle und Leibssle etwa in ihren bekannten „Wochenrückblick“-Videos durchaus auch Politsatire mit scharfzüngigen Kommentaren präsentieren, kam diese Facette etwas kurz. Ob man den Witz „Wie gendert man Philippi... Philippi... Philippinin denn richtig?“ – „Na Thailänderin!“ als Spitze gegen gendersensitive Sprache oder kulturelle Diskriminierung sehen mag, bleibt hier ebenso wie das Kopfkino dem Publikum überlassen. Dass es sich hierbei um einen Tanz auf Messers Schneide handelt, scheint den Comedians aber durchaus bewusst, denn später behauptet Hämmerle, er würde über seine Smartwatch mit Einbrechern in seiner Wohnung kommunizieren, wobei er der Sprachbarriere wegen nur schwäbische Verbrecher dulde. Was denn mit Rumänen sei, fragt Leibssle. Aber davon will Hämmerle nichts wissen: „Keine Vorurteile bitte!“ Dem Publikum gefällt es: Hier und da ein verlegenes Lächeln, aber auch viel lautes Johlen und grölendes Lachen.

Mit der Einladung von Bernd Kohlhepp und Eckhard Grauer trafen die Betreiber des Kabirinetts doch deutlich den Geschmack des ihnen vertrauten Publikums, das aus einem „Einzugsgebiet von bis zu 120 Kilometern“, so Betreiber Thomas Weber, nach Großhöchberg kommt. Sicherlich wegen der namhaften Kunstschaffenden und ihres außergewöhnlichen Programms, aber ganz sicher auch aufgrund der einzigartigen Atmosphäre des Kabirinetts, die man einfach erlebt haben muss.

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Erstellt:
13. September 2021, 06:00 Uhr

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