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Hardrock auf Geige und Cello

Die Damenband Manon & Co brilliert beim Sommer-Open-Air in Oppenweiler. Lange war nicht klar, ob der anhaltende Regen dem Konzert einen Strich durch die Rechnung macht. Schließlich kamen die Besucher aber in den Genuss eines vielfältigen Programms.

Nachdem der Regen rechtzeitig aufgehört hatte, zeigten die Musikerinnen von Manon & Co ihr Können. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Nachdem der Regen rechtzeitig aufgehört hatte, zeigten die Musikerinnen von Manon & Co ihr Können. Foto: J. Fiedler

Von Carmen Warstat

OPPENWEILER. Eigentlich sind Manon & Co im Galasektor unterwegs, werden also vorwiegend von Firmen oder Prominenten gebucht, wie Bandleaderin Petra-Manon Hirzel erläuterte. Angesichts der durch Corona bedingten Lähmung im Kulturbetrieb beschloss sie jedoch zu handeln und fungiert seit Kurzem selbst als Veranstalterin. Es war erst die dritte Open-Air-Show, die sie selbst initiiert und organisiert hat, und die sollte sie, der Wetterunbilden wegen, einiges an Nerven kosten. Hilfreich standen ihr die Frauen und Männer vom Chor Klangschmiede Oppenweiler beziehungsweise dem Liederkranz zur Seite. Dessen musikalischer Leiter Armin Scherhaufer fungiert zugleich als Soundtechniker des Streichquartetts Manon & Co und ist der Ehemann von Petra-Manon Hirzel.

Noch eine Viertelstunde vor Beginn war nicht klar, ob das Konzert würde stattfinden können, es tröpfelte, nach heftigem Regen tagsüber, immer wieder von oben, und die Musikerinnen hatten Angst um ihre Instrumente. Dem Wetter zum Trotz waren fast 100 Gäste gekommen, die sich nicht Bange machen ließen. Allmählich wurde der Himmel tatsächlich heller, und alle sollten auf ihre Kosten kommen. Ein schneller Soundcheck musste genügen, mit kleinen Pannen arrangierte man sich. „Wir fangen einfach an“, hieß es zur Freude des Publikums, und das Streichquartett ließ ironischerweise „Wochenend und Sonnenschein“ der Comedian Harmonists vernehmen.

Jimi Hendrix und Abba
statt Mozart und Beethoven.

Kein Mozart oder Beethoven würde heute erklingen, versicherte die Bandchefin, und weiter ging es mit einem temperamentvollen südamerikanischen Tango, für den die Damen sich Federboas umwarfen und zu ihrem feurigen Spiel auch noch tanzten. An Vielseitigkeit war das Programm kaum zu überbieten – außer Klassik fehlte hier wohl nichts. Musicalmelodien wie George Gershwins „I Got Rhythm“ aus „Girl Crazy“ oder sein „Summertime“ aus „Porgy and Bess“ und Andrew Lloyd Webbers „Don’t Cry For Me, Argentina“ aus „Evita“ (Marie Colombat, Cello, trug das stilechte Tüllhäubchen der Perón) begeisterten das Publikum ebenso wie ein gut gelauntes „Hello Dolly“ oder ein sommerliches „The Girl von Ipanema“. Die Cellistin ließ ihr Instrument hier beinahe zur Gitarre werden, und die erste Geige ergänzte das virtuose Spiel mit sanftem Hüftschwung. Das Publikum wurde einbezogen, es durfte raten, schnippen und die Chicken Shakes (schwäbisch: Schetterle) schütteln, und es war mit Begeisterung dabei. Die Musikerinnen mit Augenklappen? Das konnte nur eine Filmmusik sein: „He’s a Pirate“ aus „Fluch der Karibik“, natürlich! Bis hin zu Jimi Hendrix wurde der weite musikalische Bogen gespannt. Dessen „Purple Haze“ sollte demonstrieren, dass „Hardrock auf der Geige“ ausgezeichnet passt. Mit Glenn Miller war man nach der Pause „In The Mood“ mit Chick Coreas „Spain“ – einem der Lieblingsstücke der Hirzel – in Spanien und mit Stevie Wonder bei „Sir Duke“ (Ellington). Mit Abba wurde vom Geld geträumt („Money, Money, Money“) und mit Bill Haleys „Rock Around The Clock“ das Cello quergelegt und endgültig zur Gitarre umfunktioniert. Die Musikerinnen in Höchstform, das Publikum enthusiastisch. Ein Höhepunkt: die Interpretation des „Smooth Criminal“ von Michael Jackson. Dann ging es noch einmal ausgesprochen temperamentvoll zu. Zu „Cotton Eye Joe“, basierend auf einem amerikanischen Folksong von 1861, der durch die Band Rednex populär wurde, durfte ein Gast das Lasso schwingen, die Damen trugen Cowboyhüte, und das Publikum verlangte eine Zugabe. „Eins machen wir noch“, stimmte Hirzel zu und fragte, ob jemand etwas gegen die Beatles habe. Auch „When I’m Sixty-Four“ wurde gefeiert. Zu einer zweiten Zugabe ließen die Musikerinnen Petra-Manon Hirzel (Violine, Kompositionen und Arrangements), Marie Colombat (Cello), Zorana Memedovic (Violine) und Astrid Menzer (Viola) sich nicht erweichen, denn nun fielen wieder vereinzelt Tropfen vom Himmel – was für ein Timing!

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Erstellt:
31. August 2020, 06:00 Uhr

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