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Historische Fotos aktuell betrachtet

Peter Wolf stellt heute sein neues Buch „Das Backnanger Wirtschaftenwunder“ im Helferhaus vor

Dass die Backnanger im 19. und 20. Jahrhundert ein sehr geselliges Völkchen waren, zeigt sich an der Vielzahl der Wirtschaften in der Stadt. Für sein neues Buch „Das Backnanger Wirtschaftenwunder. Ein kleiner Überblick“ hat Peter Wolf historische Fotos zusammengetragen und sie aktuellen Ansichten gegenübergestellt. Heute Abend stellt er das Buch im Helferhaus vor.

Peter Wolf hat sich intensiv mit der Vielzahl an Gaststätten in Backnang auseinandergesetzt und historische sowie moderne Ansichten in seinem Buch zusammengestellt. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Peter Wolf hat sich intensiv mit der Vielzahl an Gaststätten in Backnang auseinandergesetzt und historische sowie moderne Ansichten in seinem Buch zusammengestellt. Foto: A. Becher

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Bei seinen Recherchen für die Ausstellungsreihe „Backnang im Zeitspiegel“, die mit immer wieder anderen Themen historische Fotos aus Backnang zeigt, stieß Peter Wolf auf zahlreiche Aufnahmen von Gaststätten. Zu Bäckereien oder Metzgereien gehörte oft ein Ausschank. An Möglichkeiten einzukehren, fehlte es in der Stadt nicht. Eine Ausstellungsbesucherin brachte ihn auf die Idee: „Da sollte man mal ein Buch daraus machen.“

Immer mehr Fotos wurden Peter Wolf aus der Backnanger Bevölkerung zugetragen, sei es aus Nachlässen oder Funden zu Hause in Familienalben. In verschiedenen Quellen wie etwa dem Backnang-Lexikon oder den Backnanger Jahrbüchern hat er akribisch recherchiert, um Informationen über die Wirtschaften zu erhalten. Wann wurden sie eröffnet? Wer hat sie geführt? Wann sind sie aus dem Stadtbild von Backnang verschwunden? Mit der Kamera hat sich der Diplom-Designer aufgemacht, um den historischen Fotos aktuelle gegenüberzustellen. In seinem Buch geht er alphabetisch vor.

Innenansichten von damals sind aufgrund der Lichtverhältnisse rar

Mit einer Gaststätte am heutigen Adenauerplatz beginnt die Zeitreise. „Wirtschaft von C. Ackermann“ steht auf der Fassade geschrieben auf einem Foto, das um 1890 entstanden ist. Im Begleittext ist die wechselvolle Geschichte aufgeführt bis zum Jahr 1978, als der Gastronomiebetrieb unter dem Namen „Café am Burgplatz“ geschlossen wurde. Heute befindet sich dort ein Friseurgeschäft. Innenaufnahmen gibt es nur sehr wenige aus alter Zeit – das lag an den Lichtverhältnissen und der damals noch nicht ausgereiften Fototechnik. Vom Backnanger Bürgerhaus (früher Bahnhofhotel) gibt es eine Innenansicht des Restaurants aus den 1920er-Jahren. Auch die Speisefolge bei der Hochzeitsfeier von Elise Kaess und Wilhelm Stahl von 1902 ist erhalten. Beginnend mit „Brieslesuppe“ wurden Gänsebraten und Rehbraten aufgetischt.

Peter Wolfs Buch zeigt nicht nur den Wandel in der Gastronomie auf, sondern ist auch ein Dokument der städtebaulichen Veränderungen. Besonders deutlich wird dies an der „Engelkreuzung“ oberhalb des Schillerplatzes mit dem ehemaligen Gasthaus Engel, das 1785 erbaut wurde. Verschiedene Aufnahmen von 1893 bis heute zeigen den Wandel. Von der Gaststätte Krone an der Aspacher Brücke mit dem charakteristischen Kuppeldach konnte Peter Wolf eine originale Schwarz-Weiß-Vergrößerung aus dem Jahr 1911 bekommen, mit der alten, schmalen, gewölbten Steinbrücke. Wo sich einst die Gaststätte Napoleon befand, steht heute die Neubau-Erweiterung des Universum-Kinos.

In den Wirtschaften ging es um mehr als nur Speis und Trank

Manche Wirtshäuser waren Sitz von politischen Gruppierungen, wie das Gasthaus Germania in der Schillerstraße, das das Stammlokal der Backnanger KPD war. Parolen sind an der Fassade im Jahr 1930 angebracht. Andere Gaststätten waren über viele Jahre hinweg der Treffpunkt für Stammkunden. So wie etwa die Rose in der Stuttgarter Straße, die 1881 eröffnet wurde. Eine Anzeige im Murrtal-Boten, dem Vorläufer der Backnanger Kreiszeitung, ist im Buch angefügt. Später wurde die Rose über 30 Jahre lang von dem legendären Wirt Eugen Hammer betrieben. Die „Restauration zur Uhr“ wurde 1877 am Ölberg eröffnet. Nach einer wechselvollen Geschichte eröffnete das Gastwirtspaar Dimitrios (Mitzu) und Despina Siasiakis 1992 die Wirtschaft neu.

Zu den ältesten noch erhaltenen Wirtshäusern, die Speisen und Getränke anbieten und Gäste beherbergen konnten, zählen der Löwen in der Marktstraße, der schon seit rund 300 Jahren besteht, und das Waldhorn in der Sulzbacher Straße, zu dem früher eine eigene Brauerei gehörte. Sehr zahlreich waren die kleinen Ausschank- und Weinstuben, wie etwa die Harmonie bei einer Kutscherei in der Uhlandstraße. Hier konnte eine Ausfahrt mit einer Pferdekutsche unternommen werden, und man konnte sich bei einer Erfrischung stärken.

Im Vorwort von Ernst Hövelborn, dem Ersten Vorsitzenden des Heimat- und Kunstvereins, zitiert er Gerhard Dieterich, der einmal in einem Vortrag die Frage stellte: „Waren die damaligen Backnanger größere Wirtshaushocker als wir, oder uff Schwäbisch: Ja hend dia bloß no gsoffa?“ Diese Frage könne mit einem Nein beantwortet werden. „Man ging nicht nur allein wegen Speis und Trank in eine Gaststätte, sondern auch wegen der Unterhaltung, um Neuigkeiten zu erfahren oder auch um Geschäfte zu machen.“ Informationsfluss und Kommunikation spielte sich vor der Zeit von Fernsehen und Internet eben viel mehr in Wirtschaften ab.

Heute stellt Peter Wolf um 19 Uhr sein Buch mit einem Vortrag und Fotoprojektionen im Backnanger Helferhaus, Petrus-Jacobi-Weg 5, vor. Anlässlich der Buchpräsentation wurde die Ausstellung „ Backnanger Wirtschaftenwunder Teil II“ im Kabinett des Helferhauses verlängert und kann bis 16. Juni besichtigt werden. Öffnungszeiten sind dienstags bis freitags von 17 bis 19 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen von 14 bis 19 Uhr.

Das 109 Seiten umfassende Buch ist im Helferhaus für 15 Euro erhältlich.

Die „Restauration zur Uhr“ wurde 1877 am Ölberg eröffnet. Heute wird das Lokal vom Ehepaar Siasiakis betrieben und verfügt laut Wolf über „Backnangs schönsten Biergarten“.

Die „Restauration zur Uhr“ wurde 1877 am Ölberg eröffnet. Heute wird das Lokal vom Ehepaar Siasiakis betrieben und verfügt laut Wolf über „Backnangs schönsten Biergarten“.

Aus dem Jahr 1911 stammt dieses Bild der Gaststätte Krone an der Aspacher Brücke mit dem charakteristischen Kuppeldach. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Aspacher Brücke abgebrochen.

Aus dem Jahr 1911 stammt dieses Bild der Gaststätte Krone an der Aspacher Brücke mit dem charakteristischen Kuppeldach. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Aspacher Brücke abgebrochen.

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Erstellt:
6. Juni 2019, 11:30 Uhr

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