Neu im Kino

Horst Schlämmer ist zurück

Nach fast 17 Jahren Abstinenz blödelt Hape Kerkeling in „Horst Schlämmer sucht das Glück“ wieder in seiner Kult-Rolle eines Grevenbroicher Lokalredakteurs. Ein gelungenes Comeback ?

Auf der Suche nach dem Glück: Horst Schlämmer (Hape Kerkeling) unterwegs in Deutschland

© Sandra Hoever/Leonine/dpa

Auf der Suche nach dem Glück: Horst Schlämmer (Hape Kerkeling) unterwegs in Deutschland

Von Kathrin Horster

Nä, Schätzelein, isset denn die Möchlichkeit? Wir haben uns ja ewich nich jetroff’n! - Bei niederrheinischen Frohnaturen fällt ein Wiedersehen nach langer Zeit für gewöhnlich besonders herzlich aus. Die Aussicht, Hape Kerkeling nach fast 17 Jahren Abstinenz in seiner Paraderolle des stellvertretenden Chefredakteurs des „Grevenbroicher Tagblattes“ Horst Schlämmer wieder auf der Leinwand zu begegnen, dürfte eingefleischte Fans noch in ganz anderen Winkeln der Republik in Schnappatmung versetzen.

Witze zünden in der kurzen Form

Zuletzt wollte die Katastrophe von Mann 2009 mit seiner Horst-Schlämmer-Partei, kurz HSP, den öden Wahlkampf zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier ums Bundeskanzleramt aufmischen. Zur Wahrheit gehört, dass „Horst Schlämmer – Isch kandidiere!“ als 90-Minüter nicht wirklich zünden konnte. Die Figur des körperlich abstoßenden, übergriffigen und trotzdem seltsam liebenswerten Dornkaat-Dauerkonsumenten wirkte vor allem in der kurzen Form und im Zusammenspiel mit anderen Flitzpiepen wie der feschen Gisela („Isch möschte nischt!“), in die sich Schlämmer Hals über Kopf am Tresen seiner Lieblingskneipe „Wilddieb“ verguckte.

Über die Realsatire rustikaler Zeitgenossen im Biotop der niederrheinischen Dorfkneipe hinaus konnte – oder wollte – Hape Kerkeling seinen politisch unkorrekten Horst Schlämmer aber nie in der politischen Comedy verankern.

Das neueste Werk „Horst Schlämmer sucht das Glück“ könnte dieses Manko wettmachen und den versoffenen Lokalreporter im verfleckten 70er-Jahre-Trenchcoat mit AOK-Kassenbrille auf der Nase und Herrentäschchen am Handgelenk in der harschen Wirklichkeit des Jahres 2026 nun neu positionieren.

Vielversprechend realitätsnah wagt Regisseur Sven Unterwaldt Jr. („Catweazle“) zu Beginn des Films einen Blick zurück auf die Corona-Pandemie, den mutmaßlichen Ausgangspunkt der aktuellen Misere. „Grevenbroich hat Corona“, titelt Schlämmers Arbeitgeber, worauf Unterwaldt in Schlaglichtern die bekannten Nebenwirkungen des monatelangen Lockdowns beschreibt: das Kneipen- und Geschäftssterben, den aus Existenzangst und Langeweile resultierenden Frust der Menschen, der auch nach überstandener Pandemie nicht weichen will. Deshalb macht sich Schlämmer mit einer Praktikantin hinter der Kamera auf, um in Deutschland nach dem Glück zu fahnden, etwa in den Lachyoga-Kursen eines Sauerländer Kurhotels oder in einem Fischkutter auf der Nordsee. Er trifft den vor Glück strotzenden Bayern Markus Söder und den Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki. In einem Zug der Deutschen Bahn begegnet er Mandy (Meltem Kaptan), einer Zugbegleiterin und Domina mit eigenem Sado-Maso-Salon, die er gleich umgarnt. Er verwechselt Thüringen mit Sachsen auf der Suche nach der Wurzel allen Unglücks. Heitere Zerstreuung gönnt sich Horst beim Betrachten alter TV-Schmonzetten mit seiner Lieblingsdarstellerin Gaby Wampel (Tahnee Schaffarczyk) auf seinem Smartphone.

Was hätten die Macher nicht alles anpacken können

Man ahnt es: Zwischen Cannabis-Eskapaden, dreisten Sprüchen und der für Horst Schlämmer typischen Hypochondrie-Anfälle („Ich habe Hämatokrit!“) reihen Sven Unterwaldt, der Autor Claudius Pläging und Hape Kerkeling Episoden, die für sich genommen nett lustig sind, im Zusammenhang mit der großen Filmerzählung aber wirkungslos verpuffen. Was hätten die Macher diesmal nicht anpacken können!

Angefangen bei der Medienkrise, die auch vorm „Grevenbroicher Tagblatt“ nicht Halt gemacht hat und sämtlichen realen Lokalzeitungen Deutschlands in wenigen Jahren den Garaus machen könnte. Horst Schlämmer witzelt bloß über das Aussehen seiner 25-jährigen Onlinekollegin hinter der Kamera, die den gesamten Film lang nur als körperlose Stimme mit merkwürdig bestrumpften Beinen präsent bleibt.

Anstatt Markus Söder mit Fragen zur eigenen Selbstherrlichkeit und Selbstdarstellung zu nerven, bietet Kerkeling als Schlämmer dem CSU-Chef eine Plattform, sich bundesweit als humorvoll harmlosen Plauderer und Landeschef ohne egozentrische Agenda zu empfehlen. Kardinal Woelki lächelt milde und sagt so gut wie nichts, ähnlich wie im Jahr 2020, als Woelki ein von ihm beauftragtes Gutachten zu sexualisierter Gewalt von Kirchen-Angestellten im Bistum Köln nicht veröffentlichen wollte. Anstatt die Missstände bei der Deutschen Bahn zu thematisieren, spinnen Unterwaldt und Pläging eine wenig überzeugende Romanze zwischen Schlämmer und der Zugbegleiterin Mandy, die im Zweitjob Männern mit Peitsche und Streckbank zur ultimativen Entspannung verhilft.

Knappe 90 Minuten plätschert der Film langweilig, brav und ohne konkrete Aussage zu Zeit und Welt vor sich hin. Auf diesen Ärger einen Dornkaat!

Horst Schlämmer sucht das Glück. Deutschland 2026. Mit Hape Kerkeling, Tahnee Schaffarczyk, Meltem Kaptan. 93 Minuten. Ab 6 .

Hape Kerkeling – Mensch und Spaßmacher

Biografie Der 1964 in Recklinghausen geborene Hape Kerkeling besitzt viele Alter Egos. Mit seiner Verkörperung der niederländischen Königin Beatrix begeisterte er 1991 sein Publikum. Wie mit der Parodie eines Interpreten Neuer Musik, Stichwort „Hurz!“.

Hausverbot Sein Auftritt bei der Bundespressekonferenz im Jahr 1990 bescherte dem Komiker ein Hausverbot, das erst an Kerkelings 60. Geburtstag wieder aufgehoben wurde.

Einzug ins Kino 1993 erschien Hape Kerkelings erster Kinofilm mit dem Titel „Kein Pardon“, eine Satire auf das Showgeschäft über zwei konkurrierende Fernseh-Moderatoren.

Kunstfigur Schlämmer Horst Schlämmer erfand Kerkeling 2005 für sein RTL-Format „Hape trifft...“

Buch 2006 landete Kerkeling mit seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ einen Publikumshit in Schriftform. 2018 verfilmte Caroline Link die Kindheit Kerkelings im Film „Der Junge muss an die frische Luft“. 

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Erstellt:
24. März 2026, 13:46 Uhr
Aktualisiert:
24. März 2026, 13:51 Uhr

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